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Panorama Letzte Ruhe im Kanalrohr
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00:15 24.08.2013
Von Alexander Dahl
Von der Baustelle direkt auf den Friedhof: Bis zu drei Urnen passen in ein Kanalrohr. Quelle: Fotolia
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Mainz

Etwas so verstörendem wie dem Tod versucht der Mensch seit jeher mit Sarkasmus zu begegnen. „Das letzte Grundstück ist das teuerste“, lautet etwa die spöttische Bemerkung, wenn vom Grab auf dem Friedhof die Rede ist. Im rheinland-pfälzischen Horrweiler indes ist vielen Bürgern nicht mehr zum Scherzen zumute – die neueste Bestattungsmöglichkeit finden sie schon makaber genug.

Etwa 700 Rohre hat die DFG unter dem Rasen versenken lassen; bis zu drei Urnen pro Rohr lassen sich darin unterbringen. Über „Massenbeerdigungen wie im Zweiten Weltkrieg“ klagen etliche Dorfbewohner, doch Bürgermeister Alfred Linnemann (SPD) steht unter finanziellem Druck: Es gibt kaum noch traditionelle Sargbestattungen auf dem Friedhof Horrweiler, gleichzeitig fallen laufende Kosten für Pflege und Unterhalt an. „Wir müssen die Friedhofskosten im Rahmen halten“, sagt Linnemann der HAZ und hofft, dass viele Auswärtige eines der neuen Billiggräber im Dorf buchen. Vertraglich vereinbart wurde, dass die DFG 80 Euro pro bestatteter Urne an die Gemeinde zahlt, mindestens aber 3000 Euro im Jahr. Geld, das Linnemann dringend benötigt, um die Friedhofshalle renovieren zu können. Eine politische Mehrheit hat der SPD-Politiker hinter sich: Im Mai 2012 wurde das DFG-Projekt mit sieben Ja-Stimmen, drei Enthaltungen und nur zwei Nein-Stimmen vom Gemeinderat angenommen. Ein in diesem Jahr von einigen Horrweilern gefordertes Bürgerbegehren lehnte der Rat ab.

Für die DFG ist das anonyme Urnenfeld unter dem gepflegten Rasen eine Bestattungsart der Zukunft. „Es gibt immer mehr Menschen, die sich eine traditionelle Beerdigung nicht leisten können oder wollen, denn die Grabstätte als Denkmal kommt aus der Mode“, sagt DFG-Sprecher Wilhelm Brandt und wirbt für die Vorzüge des Discount-Grabes: Die Bestattung einer Urne in Horrweiler koste lediglich 200 Euro; die Grabpflege für 15 Jahre sei bereits enthalten. Und Pietätlosigkeit will sich die DFG schon gar nicht vorhalten lassen: „Kanalrohre sind das nicht, denn sie sind neu und wurden nie als solche genutzt“, sagt Brandt. Außerdem seien die mit Deckeln verschlossenen Rohre notwendig, denn jede Urne müsse rückholbar sein. Schließlich komme es oft vor, dass Hinterbliebene später die sterblichen Überreste umbetten wollten.

13 weitere Grabfelder ähnlicher Art betreibt die DFG im Westen und Süden Deutschlands. In Niedersachsen ist sie nicht aktiv. „Ich halte es auch für schwerlich denkbar, dass es so weit kommt, denn laut Grundgesetz ist die Würde des Menschen unantastbar“, sagt Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes.

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