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Panorama Bestechung an US-Elite-Unis: Aus „Spenden“ wurde Schmiergeld
Nachrichten Panorama Bestechung an US-Elite-Unis: Aus „Spenden“ wurde Schmiergeld
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09:31 15.03.2019
Andrew Lelling, Staatsanwalt für den Bundesstaat Massachusetts, will Anklage erheben im Bestechungsskandal an Colleges und Universitäten in den USA. Quelle: Steven Senne/dpa
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New York

Es geht um begehrte Studienplätze für Kinder reicher Eltern, Millionen von Dollar, Betrug und Bestechung. Im Mittelpunkt des wohl größten Skandals im US-Bildungssystem steht eine dubiose Stiftung des mutmaßlichen Drahtziehers William „Rick“ Singer. Über die Non-Profit-Organisation soll Singer vor den Augen der US-Behörden Bestechungsgelder als Spenden getarnt haben, die die Eltern sogar noch von der Steuer absetzen konnten. Das geht aus Angaben von Ermittlern und aus Steuerunterlagen hervor, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen.

Singer ließ seine Key Worldwide Foundation 2013 als wohltätige Organisation eintragen. Den Steuererklärungen zufolge verdoppelten sich die Einnahmen jedes Jahr: von 451.600 Dollar (knapp 400.000 Euro) im ersten Jahr auf 3,7 Millionen Dollar 2016. Mit dem Geld der Eltern soll Singer Sporttrainer und andere bestochen haben, um den Kindern der Spender den Zugang zu Elite-Universitäten zu sichern. Auch andere Betrugsmethoden sollen im Spiel gewesen sein.

Nach Bestechungsskandal an Eliteunis: Transparenz im Spendenwesen stark in der Kritik

Organisationen, die sich für Transparenz im Spendenwesen einsetzen, reagieren empört darauf, dass Millionenbeträge offenbar mit leichter Hand an den Behörden vorbeigeschleust werden konnten. Die Steuerbehörde IRS und andere Bundesämter verfügten über gewaltige Ressourcen, um Non-Profit-Organisationen in Echtzeit zu kontrollieren, sagt Larry Lieberman, früherer Geschäftsführer der Institution Charity Navigator, die Wohltätigkeitsorganisationen bewertet. Im aktuellen Fall habe die Regierung dennoch Jahre gebraucht, um dem Betrug auf die Schliche zu kommen.

Singer bekannte sich am Dienstag vor einem Bundesgericht in Boston schuldig. Zu den insgesamt 50 Angeklagten zählen Trainer und Dutzende Eltern, darunter die Schauspielerinnen Felicity Huffman und Lori Loughlin sowie wohlhabende Anwälte, Finanz- und Modeunternehmer.

Bei Bestechung soll es um 2,7 Millionen Dollar gehen

Amy Hosney von der strafrechtlichen Abteilung der IRS, die in dem Fall gemeinsam mit der US-Bundespolizei FBI ermittelt, spricht von einem „sehr beunruhigenden Szenario“. „Wir prüfen die Transaktionen sehr genau, bei denen offenbar die Zahlungen der Eltern als "Spenden" durch die Stiftung liefen und auf der anderen Seite als Schmiergelder herauskamen“, sagt sie. Insgesamt geht es um 2,7 Millionen Dollar, wie aus einer AP-Analyse von 990 Steuerdokumenten der Stiftung hervorgeht. Das Geld floss nach Angaben der Ermittler unter anderem an die Ausrichter von standardisierten Prüfungen für die Aufnahme an Colleges wie dem ACT und dem SAT.

Die Komplizen Singers sollen im Gegenzug Testergebnisse gefälscht haben. Trainer von Sportmannschaften an Elite-Unis wie Yale, Stanford und Georgetown sollen gegen Bezahlung Studenten, die die jeweilige Sportart gar nicht ausübten, auf ihre Rekrutierungslisten gesetzt haben. Von der University of Southern California wurden unter anderen die Coaches für Wasserball und Fußball angeklagt. Insgesamt sollen von Singers Stiftung neun Zahlungen in Gesamthöhe von 550.000 Dollar an die Hochschule geflossen sein.

Unis Cal State Fullerton, Georgetown, Yale und New York mit „Spenden“ unterstützt

Auch die Unis Cal State Fullerton, Georgetown, Yale und New York wurden nach Angaben von Key Worldwide mit „Spenden“ unterstützt. Die vier Hochschulen dementieren aber, das Geld jemals erhalten zu haben. Auch auf andere Weise ließ Singer Trainern Zuwendungen zukommen. Der ehemalige Tenniscoach von Georgetown Gordon Ernst wurde als Berater geführt und erhielt 1,3 Millionen Dollar von der Stiftung. Die Universität hatte nach eigenen Angaben Ernst bereits vor seiner Anklage wegen Verstoßes gegen die Aufnahmerichtlinien entlassen.

Eintragungen über einige andere Spenden der Stiftung waren offenbar gefälscht, in einigen Fällen soll Singer Geld in die eigene Tasche gesteckt haben. Die DePaul University in Chicago bestätigte den Eingang von drei Zahlungen von Key Worldwide. Diese habe Singer auf Bitten der Hochschule als Vater geleistet. Sein Sohn machte 2017 an der Uni seinen Abschluss. Die Spenden wurden als Förderung für Studienprogramme im Ausland geführt, obwohl Singer sie in Steuererklärungen als Zuwendungen für die religionswissenschaftliche Fakultät deklarierte.

Empfänger der Zahlungen lassen sich nicht immer klar zuordnen

In einigen Fällen ließen sich die Empfänger der Zahlungen nicht klar zuordnen. Darunter ist eine Organisationen namens „Community Donations“, deren Adresse mit der von Singers Stiftung übereinstimmt. Auch wohltätige Projekte wie „Friends of Cambodia“ (Freunde Kambodschas) tauchten auf. Die Gruppe erklärte in der Zeitung „Palo Alto Weekly“ allerdings, noch nie von Key Worldwide gehört und kein Geld von der Stiftung bekommen zu haben.

Von RND/AP