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Panorama Bratwurstmuseum zieht auf ehemaliges KZ-Gelände
Nachrichten Panorama Bratwurstmuseum zieht auf ehemaliges KZ-Gelände
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17:57 31.01.2019
Drei Plastikbratwürste liegen im 1. Deutschen Bratwurstmuseum auf einem Stahlrost aus DDR-Zeiten. (Archiv) Quelle: Marc Tirl/dpa-Zentralbild/dpa
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Mühlhausen

Das Deutsche Bratwurstmuseums soll dort hinziehen, wo im zweiten Weltkrieg hunderte Frauen hungern mussten: Auf dem Gelände eines ehemaligen KZ-Außenlagers im nordthüringischen Mühlhausen wurden nach Angaben der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora von September 1944 bis Februar 1945 rund 700 jüdische Frauen hauptsächlich aus Ungarn und Polen gefangen gehalten.

Eine Sprecherin der Stadt Mühlhausen bestätigte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur die Standortpläne, über die zuvor „Bild“ und Thüringer Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichtet hatten.

Die in das Lager deportierten Frauen mussten in einem rund drei Kilometer entfernten Rüstungsbetrieb Zwangsarbeit verrichten. „Ein Standpunkt auf der Fläche einer ehemaligen Baracke jüdischer Zwangsarbeiterinnen ist nicht akzeptabel“, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm.

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Zwar wolle man keinesfalls verhindern, dass ein neues Bratwurstmuseum gebaut werde. Allerdings wäre wünschenswert, dass ein anderer Standort innerhalb Mühlhausens gefunden wird. Darüber befinde sich Schramm unter anderem mit dem Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD) im Gespräch.

„Hier war kein Außenlager“

Das Bratwurstmuseum hat bislang seinen Standort in Holzhausen bei Arnstadt und soll von dort nach Mühlhausen umziehen. Ein privater Investor besitzt das Gelände am nordöstlichen Rand des Stadtwalds in Mühlhausen bereits seit 2008, wie Pfannstiel informierte. Zuvor war das Gelände im Besitz des Bundes. Der Bau sollte am Donnerstagabend Thema im Stadtrat sein. Mit einer Genehmigung für den Bebauungsplan war aber noch nicht zu rechnen.

Der Marketing-Chef des privaten Investors verneinte gegenüber der „Bild“-Zeitung die Existenz der Außenlager: „Unser Stadtarchiv hat alles genau überprüft. Hier war kein Außenlager von Buchenwald. Die Insassen haben höchstens dort übernachtet, aber nicht gearbeitet.“ Mehr noch: Der Investor selbst meint Berichte gelesen zu haben, dass „die Leute gerne dort waren.

Die Gedenkstättenstiftung reagierte zunächst zurückhaltend. „Ich möchte nicht von vornherein ausschließen, dass es möglich ist, bin aber gleichzeitig gespannt, welche Vorschläge gemacht werden, um eine angemessene Form der Erinnerung innerhalb des Nutzungskonzepts zu gewährleisten“, sagte Sprecher Rikola-Gunnar Lüttgenau der Deutschen Presse-Agentur.

Kulturminister vermisst Fingerspitzengefühl

Der Kulturminister und Thüringer Antisemitismusbeauftragte Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) vermisste bei der Standortfindung Fingerspitzengefühl, betonte aber zugleich seine Wertschätzung für das Museum als „Institution Thüringer Tischkultur“. „Nun wird es darauf ankommen, sich die Pläne daraufhin anzuschauen, dass die Erinnerung an das Leid im Konzentrationslager Buchenwald angemessen im Nutzungskonzept Berücksichtigung findet“, sagte er.

„Darüber hinaus erwarte ich die Einbeziehung sowohl der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora, der Jüdischen Landesgemeinde und der Vertretung der Sinti und Roma in Deutschland.“

„Bratwurstfreunde“ sind überrascht

Überrascht zeigte sich am Donnerstag der Trägerverein des Museums. Von der ehemaligen Nutzung des Geländes habe man nichts gewusst. „Mich hat diese Nachricht genauso überrascht wie wahrscheinlich viele“, sagte Thomas Mäuer, der stellvertretende Vorsitzende der „Freunde der Thüringer Bratwurst“.

Das Bratwurstmuseum hat bislang seinen Standort in Holzhausen bei Arnstadt und soll von dort nach Mühlhausen umziehen. Ein privater Investor besitzt das Gelände am nordöstlichen Rand des Stadtwalds in Mühlhausen bereits seit 2008, wie Pfannstiel informierte. Zuvor war das Gelände im Besitz des Bundes. Der Bau sollte am Donnerstagabend Thema im Stadtrat sein. Mit einer Genehmigung für den Bebauungsplan war aber noch nicht zu rechnen.

Die Linke-Abgeordnete Katharina König-Preuss sagte: „Das ehemalige Außenlager darf nicht in dieser Form bebaut werden. Das ist unsere Verantwortung, dass wir uns an solchen Orten aktiv mit der Geschichte und mit heutigen Erscheinungsformen des Antisemitismus auseinandersetzen. Das Museum an sich halte ich für gut und witzig und relevant, aber bitte nicht an diesem Ort.“

KZ Buchenwald wurde 1937 errichtet

Das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar war ab Juli 1937 von den Nationalsozialisten errichtet worden. Bis zur Befreiung des Lagers im April 1945 wurden dort und in den 139 Außenlagern fast 280 000 Menschen unter unwürdigen Bedingungen eingesperrt. Mehr als 56 000 von ihnen wurden von den Nazis ermordet oder starben an Krankheiten, Hunger oder medizinischen Experimenten.

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Von RND/dpa/ka