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Panorama Briten fiebern Traumhochzeit von William und Kate entgegen
Nachrichten Panorama Briten fiebern Traumhochzeit von William und Kate entgegen
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21:39 16.11.2010
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Es muss das Paradies gewesen sein. Ein Hauch von Normalität, eine Ahnung davon, wie das Leben aussehen könnte, wenn die beiden einfach William und Kate wären, zwei ganz normale Liebende, ohne Königsbürde, ohne die Fotos auf den Porzellantellern, ohne die Fotografen von „News of the World“ in den Bäumen.

Ein kleines Haus an der schottischen Ostküste, ein paar Kilometer entfernt vom Campus der Universität St. Andrews. Töpfe in der Küche, Bücher im Regal, der Geruch der Nordsee. Sie war Kate, einfach Kate, nicht Catherine Elizabeth Middleton, und er nannte sich „William Wales“ aus Tetbury, manchmal auch „Steve“. Man kochte, lernte, las und feierte. Und liebte, dann irgendwann. Und die Paparazzi, der Wahnsinn, die Last der Geschichte – sie waren weit weg, 750 Kilometer weiter südlich, in London. „Mr. Wales“, sagten die Dozenten, und die Mädchen guckten und kicherten, aber dann ließ man ihn bald in Ruhe studieren. Erst Kunstgeschichte, dann Geografie, dann Kate.

His Royal Highness Prince William Arthur Philip Louis of Wales durfte einfach William sein. Drei Jahre lang, von 2002 bis 2004, lebten er und Kate Middleton (mit ihrem Mitbewohner Fergus Boyd) in diesem kleinen schottischen Haus. Hier, außerhalb der royalen Seifenblase, wurden sie ein Paar und blieben es – mit einer kleinen Unterbrechung 2007 – bis heute. Und nun wird wahr, was Großbritannien ersehnte, seit die Beziehung Ende 2005 publik wurde: Prinz William und Kate Middleton, beide 28 Jahre alt, geben sich 2011 in London das Jawort. 30 Jahre nach der Hochzeit von Charles und Diana darf sich die royale Fangemeinde auf die größte Königshochzeit seit Jahrzehnten freuen.

In dürren Worten gab das Büro von Williams’ Vater, Prinz Charles, die Nachricht am Dienstag bekannt: „Prinz William und Miss Middleton haben sich im Oktober während eines privaten Urlaubs in Kenia verlobt.“ Sogleich liefen die Mühlen der britischen Feudalbürokratie an: Der britische Premier David Cameron („Ich bin entzückt“) unterrichtete sein Kabinett, Ihre Majestät Queen Elizabeth II. ließ mitteilen, sie sei ebenfalls „entzückt“, die BBC berichtete stundenlang über nichts anderes, und die Porzellantellerfabrikanten scheuchten ihre Designer an die Schreibtische. Der Termin steht noch nicht fest, die Rede ist von „Frühling oder Sommer“.

Am Abend traten William und Kate im Londoner St. James’s Palast vor die Kameras. An Kates linkem Ringfinger glänzte der Verlobungsring von Prinzessin Diana. „Es ist der richtige Zeitpunkt“, sagte der Prinz. Kate sprach von einer „eine gewaltigen Aussicht“, bald Prinzessin zu sein. Es wird ernst. „Sie sind ein tolles Paar“, sagten Kates Eltern am Dienstag. Und Prinz Charles scherzte: „Sie haben lange genug geübt.“ Tatsächlich verhöhnte der wenig zimperliche britische Boulevard Kate schon länger als „Waity Katie“, weil es sich so hübsch reimt. In Wahrheit aber war wohl auch der Bürgerlichen aus Bucklebury in Berkshire, Tochter zweier Flugbegleiter, die mit einem Internetversandhandel für Kinderpartyzubehör zu Millionären wurden, der Palastzinnober lange zuwider. Der ganze Zirkus Krone. „Oh my God!“, stöhnte sie einst, als William in Uniform erschien. Das Volk bewundert sie dafür, sich ganz allein, ohne jede Hilfe des Palastes, in ihrer schwierigen Position als Prinzessin im Wartestand (und als „Neureiche“ in der Welt der snobistischen Kumpel ihres Prinzen) zurechtgefunden zu haben – anders als einst Diana.

Als Katalogdesignerin für ihre Eltern und Einkäuferin für die Bekleidungskette Jigsaw legte sie einen holprigen Start ins Berufsleben hin, während William beim Militär Karriere machte. Inzwischen gilt sie als Stilikone. Und den Auftritt in schwarzer Unterwäsche bei einer studentischen Modenschau im April 2002 haben ihr auch die konservativen Royalisten verziehen. Und viel wichtiger: Die Queen mag sie. Der Prinz ist derzeit als Hubschrauberpilot einer „Search and Rescue“-Einheit der Royal Air Force im Norden von Wales stationiert. Dort, in einem Cottage, lebt das Paar – und will das auch nach der Hochzeit tun.

William gilt als der „brave Royal“, der Pflichtbewusste („Ich bin kein Party Animal“), während sein jüngerer Bruder Harry eher der Prinzprolet ist, trinkfester Kumpeltyp und Skandalnudel – die SS-Uniform! Die sexy Freundinnen! Die Sauferei! –, in Wahrheit aber habe auch William lange innerlich gegen die Prinzenrolle rebelliert, heißt es. Wohl auch, weil er das Beispiel seiner Mutter vor Augen hatte, die zerstörerischen Schlagzeilen, als die Ehe seiner Eltern 1996 in einer bitterbösen Scheidung endete. Mit sieben Jahren sagte er zu seiner Mutter, er wolle „Polizist“ werden, „um dich zu beschützen“. Und Bruder Harry, damals fünf, sagte: „Das kannst du nicht, du musst König werden.“ 1993 dann, als Elfjähriger, konnten ihn Bodyguards im Skiurlaub in Klosters nur mit Mühe davon abhalten, einen Fotografen anzugreifen, der seine Mutter belästigt hatte. Er spürte, dass sie litt.

Die Anekdoten sind symptomatisch für des Prinzen Empfindsamkeit, sein Ruhebedürfnis. Nicht die Bürgerliche sucht royale Würden – es ist der Prinz, der sich bürgerliche Normalität wünscht. Die selbstbewusste Kate wirkt auf ihn wie ein Anker in der Wirklichkeit. „Sie und ihre Familie stehen für die Wärme und Normalität, die William als Kind nie hatte“ sagt eine Freundin. „Er kann seinen Kopf einfach in Kates Schoß legen und sich ausruhen.“

Beide haben Krisen durchlebt, Kate hielt William einst davon ab, sein Studium hinzuschmeißen. Und im März 2007, als die „Middletonmania“ allmählich dianaeske Züge annahm, als der Prinz die Presse vergeblich um eine Atempause für Kate bat, trennte sich das Paar. Aber dann sah man sie doch bald wieder gemeinsam. Ein Liebes-Vorleben haben beide: Der zehntägige Kenia-Trip etwa, bei dem der Prinz auf Knien vor afrikanischen Flusspferden um Kates Hand anhielt, führte das Paar pikanterweise in ein Naturschutzreservat, das den Eltern von Jessica Craig gehört, einer Exfreundin des Prinzen.

Er werde nicht heiraten, bevor er 28 ist, hat William vor sechs Jahren einem Journalisten in einem Nachtklub in Klosters gesagt. Er wolle sich Zeit lassen. Und es war klar, was er meinte: Er wolle nicht die beiden größten Fehler seiner Eltern wiederholen. Zu jung heiraten, wie seine Mutter. Und die falsche Frau, wie sein Vater.

Imre Grimm