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Panorama British Airways und Lufthansa setzen Flüge nach Kairo aus – Sorge um Tourismus
Nachrichten Panorama British Airways und Lufthansa setzen Flüge nach Kairo aus – Sorge um Tourismus
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15:56 21.07.2019
Sind am Samstagabend am Boden geblieben: Die Flufthansa-Flugzeuge von Frankfurt und München nach Kairo. Quelle: Boris Roessler/dpa
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Kairo

Was ist los bei British Airways und Lufthansa? Eine im internationalen Luftverkehr ungewöhnliche Entscheidung sorgt für viele Fragen bei Fluggästen und für Unmut bei den Ägyptern. So hatte die Fluggesellschaft British Airways am Samstagabend erst noch Fluggäste für eine Reise vom Londoner Flughafen Heathrow nach Kairo eingecheckt und dann plötzlich den Flug vor dem Boarding storniert – sowie alle weiteren Flüge in den nächsten sieben Tagen in die ägyptische Hauptstadt. Wenige Minuten später folgte die Lufthansa: Auch die deutsche Fluggesellschaft stornierte an diesem Abend ihre Flüge von Frankfurt und München nach Kairo.

Beide Unternehmen gaben eine Erklärung ab, in der sie die Absagen mit Sicherheitsbedenken begründen. Zu den Hintergründen äußerten sich sowohl British Airways als auch Lufthansa aber nicht weiter. Anders als British Airways nahm Lufthansa den Flugverkehr am Sonntag wieder auf.

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Ägyptische Seite wusste nichts von Sicherheitsbedenken

Die ägyptische Seite zeigte sich überrascht von den Absagen. Ahmed Fawzi, Vorsitzender der Kairoer Flughafengesellschaft, erklärte, dass der Flughafen Kairo vor der Einstellung der Flüge nicht über Bedenken informiert worden war. Erst letzte Woche habe ein britisches Inspektionsteam die Sicherheitslage am Kairoer Flughafen überprüft, und die Ergebnisse seien positiv ausgefallen, berichtet die ägyptische Zeitung „Al-Ahram“.

Selbst wenn die Einstellung Ergebnis der Inspektion gewesen sein sollte, erklärt das nicht, warum British Airways die Entscheidung hektisch zwischen Check-in und Boarding getroffen hat. Noch kurioser ist die Entscheidung der Lufthansa, die Flüge zunächst einzustellen, um sie am nächsten Tag wieder aufzunehmen. Andere Fluggesellschaften setzten ihren Luftverkehr nach Kairo fort, was zu der Frage führt, ob es eine spezifische Bedrohung für British-Airways- und Lufthansa-Flüge gab. British Airways hatte seine Passagiere auf die ägyptische Gesellschaft Egypt Air umgebucht, die weiterhin zweimal am Tag von Heathrow nach Kairo fliegt.

Ägypten sorgt sich um Einbruch bei Tourismus

In Ägypten ist man sehr besorgt, wie sich solche Meldungen auf den Tourismus auswirken können, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Mit über 14 Millionen Touristen war 2010 der bisherige Höhepunkt erreicht worden. Mit den Unruhen beim Sturz von Präsident Husni Mubarak 2011 und mehreren Terroranschlägen gab es einen Einbruch. Aber der Tourismus erholte sich, 2018 vermeldete das Land am Nil die höchsten Zahlen seit 2010. Es wurde erwartet, dass sie in diesem Jahr noch weiter steigen werden, gerechnet wird mit zehn Millionen Touristen. Deutschland stellt mit 1,7 Millionen Touristen im Jahr das größte Kontingent.

Der Vorsitzende der ägyptischen Luftfahrtbehörde kritisierte die Entscheidung beider Fluggesellschaften als politisch motiviert. „Alle ägyptischen Flughäfen sind gut gesichert. Die Sicherheit dort übersteigt die normalen Vorschriften“, sagte Sami al-Hifnawi einem Ableger des saudischen TV-Senders MBC. „Immer dann, wenn Ägypten sich erholt, kommt es zu einer künstlich herbeigeführten Krise.“

Fluggesellschaften kämpfen mit immer mehr No-fly-Zonen

Jenseits der sicheren Route von Europa über das Mittelmeer nach Ägypten kämpfen Fluggesellschaften in der Region zunehmend mit den dortigen Konflikten, die zu einer Reihe von No-fly-Zonen geführt haben. Neuestes Beispiel: die Eskalation zwischen den USA, Großbritannien und dem Iran am Golf. So muss nun auch die Meerenge von Hormus umflogen werden, die nicht nur eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt darstellt, sondern auch die Hauptluftverbindung zwischen den Golfstaaten und Südostasien. Auch Kriegsregionen wie Syrien werden umflogen.

Von Karim El-Gawhary

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