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Panorama Bundesweite Razzia in „Flatrate“-Bordellen
Nachrichten Panorama Bundesweite Razzia in „Flatrate“-Bordellen
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17:20 26.07.2009
Am Sonntag sind bundesweit „Flatrate“-Bordelle durchsucht worden (Archivbild). Quelle: ddp
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Der Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Stuttgart betreffe die „Flatrate“-Bordelle in Fellbach bei Stuttgart, Heidelberg, Wuppertal und Schönefeld bei Berlin. „Flatrate“-Bordelle werben mit Sex nach Belieben zum Festpreis.

Die durchsuchten Bordelle würden auch teilweise unter gesundheitsspezifischen und lebensmittelrechtlichen Gesichtspunkten überprüft, hieß es weiter. Es gebe Hinweise, wonach es dort „hygienische Missstände“ geben solle.

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Beteiligt an der Razzia seien auch zehn Staatsanwälte sowie Mitarbeiter der örtlichen Gesundheits-, Gaststätten-, Gewerbe- und Lebensmittelüberwachungsbehörden. Die Polizeidirektion Waiblingen hatte gemeinsam mit dem Hauptzollamt Stuttgart und dessen „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ eine Ermittlungsgruppe „Flatrate“ eingerichtet.

Ein Polizeisprecher sagte, die um 14 Uhr gestartete Razzia richte sich „ausschließlich gegen die Bordellbetreiber“. Bei den beschäftigten Prostituierten gebe es strafrechtlich „noch keine Hinweise“. Die Frauen seien „zunächst einmal nur Zeugen ebenso wie die Freier“. Festnahmen habe es bislang nicht gegeben. Nach Angaben des Polizeisprechers sind allein in Fellbach rund 400 Einsatzkräfte an den Durchsuchungsmaßnahmen beteiligt. In Heidelberg ist der „Pussy-Club“ betroffen.

Am Samstag war bekanntgeworden, dass in Baden-Württemberg staatliche Stellen eine rechtliche Handhabe sähen, um gegen die „Flatrate“-Bordelle in Heidelberg und Fellbach vorzugehen. „Wenn man deren Werbung ernst nimmt, ist von einem Verstoß gegen die Menschenwürde der dort arbeitenden Prostituierten auszugehen“, sagte Justizminister Ulrich Goll (FDP) dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“.

Aus Golls Sicht ist „das Selbstbestimmungsrecht der Frauen verletzt“. Damit liege auch „eine Störung der öffentlichen Sicherheit vor“, die Polizei und Ordnungsbehörden zum Einschreiten berechtige.

Der Fellbacher Oberbürgermeister und CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Palm sagte, es werde „unter Hochdruck“ daran gearbeitet, „den Betrieb des Fellbacher Flatrate-Bordells in der jetzigen Form zu beenden“. Zudem hieß es, dass Baden-Württembergs Sozialministerin Monika Stolz (CDU) in einer Arbeitsgruppe mit Vertretern des Justiz-, Innen- und Wirtschaftsministeriums das Vorgehen abstimmen wolle.

Bundesweit gibt es laut „Spiegel“ inzwischen offenbar Dutzende solcher „Flatrate“-Bordelle. Die Etablissements in Fellbach und Heidelberg werben mit „Sex mit allen Frauen, solange Du willst, so oft Du willst und wie Du willst“. Menschenrechtsorganisationen und Kirchenverbände hatten dieses Angebot als menschenverachtend verurteilt.

ddp

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