Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Panorama Die nächste Welle kommt bestimmt
Nachrichten Panorama Die nächste Welle kommt bestimmt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:21 13.01.2011
Das Hochwasser bei Hameln geht nur langsam zurück, die nächste Welle soll schon am Wochenende ankommen. Quelle: Landmann
Anzeige

Hochwasser und kein Ende: Die Flussanrainer in Südniedersachsen müssen sich auf die nächste Flutwelle einstellen. Dabei sind die Pegelstände in manchen Gebieten bisher kaum gesunken. Im Weserbergland wird Kritik an der Arbeit des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Hann. Münden laut – die Behörde ist für den Durchlass an der Edertalsperre zuständig, das Wasser von dort fließt in die Fulda und speist somit die Weser. Auch an der Elbe droht das Hochwasser weiter zu steigen.

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) befürchtet, das für das Wochenende erwartete Hochwasser könne noch stärker ausfallen als das gerade erlebte. „Für den Oberlauf der Weser ist davon auszugehen, dass die Wasserstände über den bereits am Wochenende aufgetretenen Höchstwasserständen liegen werden“, teilte NLWKN-Sprecherin Herma Heyken mit. „Wenn so viel Regen kommt wie vom Deutschen Wetterdienst prognostiziert, wird die Hochwasserlage im südlichen Niedersachsen kritisch.“ Damit wären besonders Städte wie Hann. Münden und Hameln betroffen, die schon in den vergangenen Tagen mit den Fluten kämpften – in Hameln drückte das Wasser bei einem Höchststand von 6,38 Meter durch die Schutzmauern, in Hann. Münden schwappte die Weser durch die historische Altstadt. Bis zum Wochenende soll es in den Höhenzügen im Süden Niedersachsens kräftig regnen. Wegen der angekündigt milden Temperaturen rechnen die Experten des NLWKN außerdem mit dem Abschmelzen der letzten Schneereste. „Das ist immer eine brenzlige Kombination“, sagt auch Katrin Urbitsch, die das WSA Hann. Münden leitet. Letztlich könne niemand ganz genau prognostizieren, wo wie viel Regen fällt und welche Flüsse entsprechend am meisten betroffen sein werden. Flächendeckend befürchten die Fachleute Hochwasserstufe  3, das bedeutet starke Überflutungen. An der Weser soll das Hochwasser allerdings stärker ausfallen als an Leine, Aller und Oker.

Anzeige

Das Wasser- und Schifffahrtsamt sah sich zuletzt starker Kritik ausgesetzt. Politiker aus dem Weserbergland sagten, die Edertalsperre habe im Vorfeld zu wenig Wasser abgelassen – dadurch habe nicht genug Stauraum zur Verfügung gestanden, um das Ederhochwasser aufnehmen zu können. Stattdessen sei ein Teil des Wassers einfach durchgeleitet worden und habe so die Flutwelle der Weser noch verstärkt.

Die Leiterin Urbitsch weist die Kritik zurück. „Wir sprechen uns täglich mit den betroffenen Bundesländern ab.“ An jedem Morgen zwischen 7 und 9 Uhr tauschen sich die Behörden über Pegelstände und Prognosen aus und stimmen das weitere Vorgehen ab. Auch die Durchlassmenge der Edertalsperre werde dabei festgelegt. Der Edersee sei Anfang Januar beinah zur Hälfte geleert worden, 100 Millionen Kubikmeter Wasser konnte der See dann aufnehmen. „Wir konnten die erste Flutwelle komplett auffangen“, sagt Urbitsch. „Sonst wäre das Hochwasser beispielsweise in Rinteln um 40 Zentimeter höher ausgefallen.“ Derzeit lasse das WSA wieder Wasser aus der Talsperre ab. Dadurch sinken die Pegel entlang Fulda und Weser zwar langsamer. „Aber wir kappen die Spitze. Wir hoffen, auch die nächsten Niederschläge und die Schneeschmelze abfangen zu können.“

Auch die Elbanwohner stellen sich auf Hochwasser ein. Am Sonntag wird in Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) wohl die Sechsmetermarke überschritten und damit die unterste Alarmstufe ausgelöst, teilt das Umweltministerium in Hannover mit. „Niedersachsen ist gut vorbereitet“, sagt Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP). In die Deiche an der Elbe seien in den vergangenen Jahren 146 Millionen Euro investiert worden. Naturschützer fordern dagegen Rückhalteräume in den Flussauen. Während Brandenburg Deiche zurückbaue, um den Wassermassen nach starkem Regen und Schneeschmelze mehr Raum zu geben, setze Niedersachsen nach wie vor auf technischen Hochwasserschutz mit Erhöhung der Deiche, teilt der Naturschutzbund mit.

Uwe Kreuzer/dpa