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Panorama Doppelmord von Bodenfelde offenbar kein Sexualverbrechen
Nachrichten Panorama Doppelmord von Bodenfelde offenbar kein Sexualverbrechen
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13:15 23.11.2010
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Nach dem Doppelmord an dem 13-jährigen Tobias und der 14-jährigen Nina im niedersächsischen Bodenfelde hat die Polizei einen Tatverdächtigen gefasst. Der Mann wurde in der Nacht zum Dienstag festgenommen. Wie die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" (HNA) ohne nähere Angabe der Quellen in ihrer Onlineausgabe berichtet, soll es sich um einen Mann aus dem nur wenige Kilometer entfernten Uslar handeln. Die Polizei bestätigte gegenüber dieser Zeitung lediglich, dass der Tatverdächtige, der am Bahnhof der Wesergemeinde festgenommen worden sei, aus der Region stamme. Berichte über eine Verletzung des Mannes wollte der Polizeisprecher nicht bestätigen.

Einen Sexualmord schließen die Ermittler mittlerweile aus. Das sei nach den Ergebnissen der Obduktion auszuschließen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag. Der Mann solle noch intensiv befragt und mit Beweismitteln konfrontiert werden, hieß es. Ein Geständnis hatte er bis zum Mittag offenbar noch nicht abgelegt. Die kriminaltechnischen Untersuchungen dauerten noch an. Die Mordkommission war nach internen Angaben zuversichtlich, den Tatverdächtigen noch am Dienstag überführen zu können. Am Mittwochvormittag wollen Polizei und Staatsanwaltschaft eine Pressekonferenz abhalten.

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In einem Waldstück am Rand von Bodenfelde im Kreis Northeim waren am Sonntag die Leichen der 14-jährigen Nina und des 13 Jahre alten Tobias gefunden worden. Wie genau die beiden umgebracht wurden, ist noch nicht bekannt. Die Leichen sollen aber nach Aussage von Augenzeugen furchtbar zugerichtet gewesen sein.

In Bodenfelde hat sich die Nachricht vom festgenommenen Verdächtigen am Dienstagmorgen in Windeseile herumgesprochen. "Hoffentlich haben sie jetzt auch den Richtigen", sagt eine Frau beim Bäcker und fügt hinzu: "Diese Bestie." Eine andere Frau sagt, ihr Sohn habe sie bereits angerufen: "Jetzt kann man nur hoffen, dass es wirklich der Mörder ist. Ich vermute ja, es ist jemand aus dem Dorf. Aber das darf man ja nicht laut sagen."

Für die Schüler an der IGS in Bodenfelde sollte am Dienstag der Unterricht ganz normal weitergehen. Die Streifenwagen, die am Montag noch die Schule bewachten, sind am Dienstagmorgen verschwunden, nur die Kamerateams stehen noch an der Bushaltestelle und frieren. Und vor der Tür brennen die Kerzen. Vom Musikraum im ersten Stock dröhnt laute Musik samt Schlagzeug über den Vorhof des Zweckbaus.

Auch am Fundort der Leiche ist nun wieder etwas Normalität eingekehrt. Die Polizei haben die Spurensuche am entlegenen Waldstück am Mühlenbach beendet und das Gebiet wieder freigegeben. Walter Münder, der Besitzer des nun so unrühmlich zu Berühmtheit gelangten Waldstücks, inspiziert sein Grundstück. "Die haben mich hier ja seit Sonntag nicht mehr raufgelassen", sagt der 76-Jährige. Vorsichtshalber hat sich der rüstige Rentner mit einer Mistforke und einem Schraubenschlüssel bewaffnet. "Man weiß ja nie so genau", sagt Münder. Die Angst gehe im Ort um, sagt Münder. "Und zwar solange, bis wir Gewissheit haben, dass die Polizei den Mörder gefasst hat."

Am Dienstagabend soll in Bodenfelde ein Trauergottesdienst stattfinden. Bereits am Montag hatten etwa 500 Schülerinnen und Schüler der Bodenfelder Gesamtschule, die auch Nina und Tobias besucht hatten, ihrer getöten Schulkameraden gedacht.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

dsc/frs/dpa/dapd/afp

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