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Panorama Drama im Zoo: Warum die Löwen-Babys womöglich von ihrer Mutter gefressen wurden
Nachrichten Panorama Drama im Zoo: Warum die Löwen-Babys womöglich von ihrer Mutter gefressen wurden
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20:18 06.08.2019
Löwin Kigali (oben) und Majo auf der Außenanlage im Leipziger Zoo. Für Personal und Besucher ein Schock: Kigali hat ihre beiden Babys gefressen, die sie erst am Freitag zur Welt gebracht hatte. Quelle: Maria Saegebarth / Zoo Leipzig
Leipzig

Schock im Leipziger Zoo: Krüger-Löwin Kigali hat am Montag Abend ihre beiden am Freitag geborenen Jungtiere komplett aufgefressen – plötzlich, während der Fellpflege. Der Zoo sieht mögliche Ursachen in der Entwicklung der Jungtiere oder der Unerfahrenheit der Mutter.

„Es kann immer mal passieren, dass Löwen-Mütter ihre Kinder fressen“, sagt Dr. Joachim Scholz vom Senckenberg-Institut in Frankfurt am Main. An der dortigen Goethe-Universität hält der Artenschutz-Experte seit fast 20 Jahren Löwen-Vorlesungen. Die Ursachen seien vielschichtig und nicht unbedingt in einem krankhaften Verhalten der Mutter zu suchen. „Wir entdecken bei diesen Tieren immer wieder etwas Neues.“

Tiere bemerken ungewöhnliche Gerüche

Das Ganze könnte mit dem ausgeprägten Geruchssinn der Tiere zu tun haben. „Die Nasenhöhle beim Löwen ist doppelt so groß wie das Gehirn – da ist viel Platz für Sinnesrezeptoren“, sagt Scholz. Es sei möglich, dass die Mutter einen ungewöhnlichen Geruch an ihren Jungen bemerkt habe. „Da die Welpen gefressen wurden, lässt sich nicht leider mehr nachvollziehen, ob sie wirklich krank waren“, so der Artenschutz-Experte.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass manche Tiere bemerken, wenn mit ihrer Aufzucht etwas nicht stimmt. Joachim Scholz verweist auf eine Lippenbärin in einem Washingtoner Zoo, die vor einigen Jahren ihren Nachwuchs fraß. Eines der Bärenbabys konnte der Mutter noch rechtzeitig weggenommen werden. Es stellte sich heraus, dass das Bärenjunge an einer Infektion litt. „Kranke Löwen- oder Bärenbabys großzuziehen – das macht in der Savanne und im Dschungel überhaupt keinen Sinn“, erklärt Scholz. „In solchen Fällen recycelt die Mutter die in den Nachwuchs investierte Energie, indem sie ihn auffrisst.“

Ein krankes Tier kann eine Gefahr sein

Bei vielen sozial lebenden Tieren ist die Tötung oder der Ausschluss von Artgenossen verbreitet. „Ein krankes Tier kann eine Gefahr für die Gruppe sein“, sagt Scholz. Die Bonobos im Zoo in Frankfurt am Main hatten im Jahr 2017 das 32 Jahre alte Männchen Ludwig aus der Gruppe verstoßen – möglicherweise hatten sie den nahen Tod des Tieres gespürt. Im Erfurter Zoo sorgte im vergangenen Jahr ein anderer Fall für Aufmerksamkeit: Löwe Bagani tötete seine Artgenossin Ribat – sie hatte an einer schweren Nierenerkrankung gelitten.

Bei allen Herausforderungen ist Artenschutz-Experte Scholz ein Verfechter der Zoo-Haltung von Löwen. „Sonst verlieren wir sie ganz – die Populationen kollabieren.“

Der Mensch war der Gejagte

Der Frankfurter Wissenschaftler sieht in Löwen die Tierart mit dem größten Einfluss auf den Menschen überhaupt. Vor etwa 12 000 Jahren seien sie die neben dem Menschen weltweit am weitesten verbreitete Säugetierart gewesen. „Wir sind mit Löwen groß geworden. Überall, wo wir hinkamen, gab es ein löwenartiges Großraubtier – und natürlich hat das etwas mit uns gemacht.“ Denn der Mensch war lange Zeit der Gejagte – und das wirkt bis heute, sagt Scholz. Etwa indem er sich mit fremden Artgenossen unterhalte – statt Drohgebärden auszustoßen, anzugreifen oder zu flüchten, wie ein Schimpanse das täte. „Nur in der Gruppe sind wir zerbrechlichen Menschlein stark – und das Gespür dafür verdanken wir vielleicht den Löwen.“

Von Björn Meine/RND

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