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Panorama Wrestling in Bolivien: Wenn Frauen sich in historischen Trachten verprügeln
Nachrichten Panorama Wrestling in Bolivien: Wenn Frauen sich in historischen Trachten verprügeln
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17:42 16.04.2019
„Silvina die Machtvolle“ macht eine triumphierende Geste vor dem Publikum, nachdem sie „La Lupe“ zu Boden geschickt hat. Quelle: Marcello Perez del Capio / dpa
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El Alto

Die bolivianische Stadt El Alto verbindet in einem Event die Tradition mit der Moderne. Dabei geht es reichlich bizarr zur Sache. Im Mittelpunkt stehen Frauen in historischen Gewändern. Doch statt zu singen, zu tanzen oder zu schauspielern prügeln diese sich in einem Ring so lange, bis nur noch eine steht.

„Elisabeth, der Männerschwarm“, „Mercedes, die Extremistin“, „die schwarze Tomasa“ oder „Silvina die Machtvolle“: Die Frauen, die sich im Ring ihren Kontrahentinnen stellen, tragen heroische Namen. Sie sind sogenannte cholita cachascañista – Boliviens berühmte Wrestlerinnen. Im Kampf tragen viele eine Melone auf dem Kopf und Trachten, die sie korpulent erscheinen lassen.

Soziales Projekt für Opfer häuslicher Gewalt

Das liegt vor allem an der „Pollera“ (Oberrock) und den verschiedene Unterröcken aus bis zu zehn Lagen Stoff. Die Tracht hat ihren Ursprung im frühen 20. Jahrhundert – als modische Einflüsse aus Europa und Südamerika sich im Mix zu der auffälligen Kleidung der Frauen verbanden.

Es geht zur Sache in den Arenen von El Alto: Fotograf Marcello Perez del Capio hat Eindrücke von den Kämpfen auf Bild gebannt.

Doch warum und seit wann ringen sie in diesem Erscheinungsbild? Den Ursprung hat der Trend nach der Jahrhundertwende – in einem sozialen Projekt für Opfer von häuslicher Gewalt. Bei den körperlichen Auseinandersetzungen sollen die Frauen Dampf ablassen. Sie zeigen, dass sie sich selbst verteidigen und sich auch im Ernstfall gegenüber der männlichen Domäne erwehren können.

Anfeindungen wegen Geschlecht und Identität

Seit spanische Konquistadoren das Land entdeckten, werden die indigenen Frauen diskriminiert –vor allem wegen ihres Geschlechtes. Trugen sie zudem die traditionellen Gewänder hatten sie mit noch heftigeren Anfeindungen zu rechnen – auf der Straße, im Krankenhaus oder der eigenen Ehe. So lange, bis viele ihre Identität verleugneten und die traditionelle Kleidung im Schrank ließen.

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Das hat sich mittlerweile geändert. Die Frauen stellen ihre Trachten wieder mit Stolz und Freude zur Schau – vor allem in den verschiedenen Kampfarenen von Bolivien. Dabei geht es jedoch weniger darum, den Gegenüber möglichst stark zu verletzen, sondern viel mehr darum den Zuschauern ein buntes Programm zu bieten.

Von einer sozialen Bewegung zur touristischen Attraktion

Die Wettkämpfe sind zu einer echten touristischen Attraktion geworden. Auf der Touristikwebsite „Tripadvisor“ tauschen Schaulustige ihre Erfahrungen aus. „Die Kämpfe waren so schlecht, das es schon wieder witzig war und wir uns am Anfang wirklich kaputt gelacht haben“, schreibt ein Rezensent. „Die Show selbst ist verrückt, künstlerisch und unbeholfen. Ich bin nicht sicher, wie ich das beurteilen soll“, schreibt ein weiterer.

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Es bleibt nicht immer bei einem Kampf zwischen Frauen. Nicht selten stellen sich auch Männer den auffällig gekleideten Damen in der Stadt, die knapp 4000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Benutzt werden, wie beim Wrestling üblich, auch Gegenstände aus der näheren Umgebung. So landet gerne ein Klappstuhl auf dem Kopf des Kontrahenten oder ganze Geländer werden auf den Gegner geworfen.

Lohnender Einsatz

Lohnt sich der hohe körperliche Einsatz der Frauen? Allemal. Zumindest setzen sie damit ein Zeichen für die Stärke der Frau. Und auch die Familie profitiert. Viele verdienen sich damit nämlich etwas mehr Geld und können sich dadurch eine Krankenversicherung leisten.

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Von RND / Moritz Naumann

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