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Panorama Ernst-August-Prozess: Gutachter stützt Opfer-Aussage
Nachrichten Panorama Ernst-August-Prozess: Gutachter stützt Opfer-Aussage
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18:18 14.09.2009
Der Hotelier Josef Brunlehner (links) und Prinz Ernst August von Hannover.
Der Hotelier Josef Brunlehner (links) und Prinz Ernst August von Hannover. Quelle: ddp (Archivbild)
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Die Aussagen des Disco- und Hotelbesitzers, er habe starke Schmerzen und auch Atemnot erlitten, seien anhand des Verletzungsbildes plausibel, sagte Prof. Hans Dieter Tröger von der Medizinischen Hochschule Hannover am Montag im Landgericht Hildesheim. Im ersten Prozess im Jahr 2004 hatte er indes noch von „potenziell lebensbedrohlichen“ Verletzungen an der Lunge gesprochen. Wegen der Diskrepanz der Gutachten drohte der Prinz dem Rechtsmediziner am Montag über seinen Anwalt mit einer Schadensersatzklage.

In dem Prozess geht es um eine Handgreiflichkeit in Kenia vor neun Jahren. Strittig ist, wie schwer die Verletzungen des Discobesitzers waren und ob Ernst August bei dem Angriff einen Schlagring in der Hand hatte. Im ersten Prozess war der Welfenprinz zu einer Geldstrafe von 445.000 Euro wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Nach Überzeugung der Richter hatte der 55-Jährige den Disco- Besitzer in Kenia geschlagen. In dem neuaufgerollten Verfahren will der Ehemann Carolines von Monaco eine mildere Strafe erwirken.

Der renommierte Rechtsmediziner Tröger (68) stützte mit seinem erneuten Gutachten am Montag jedoch die Aussage des Opfers, das von einem schwerwiegenden Angriff gesprochen hatte. „Diese Verletzungen sind nicht alleine durch Faustschläge entstanden. Es war stumpfe Gewalt mit einem Gegenstand“, betonte Tröger. Der Rechtsmediziner sprach von mindestens fünf Faustschlägen, die das Opfer erhalten haben muss. Der Welfenprinz selbst hatte in dem Prozess die Attacke an dem Strand in Kenia zwar eingeräumt, will dem Hotelier jedoch nur zwei Ohrfeigen verpasst haben.

Tröger stützte sich bei seinem Gutachten auf Untersuchungsberichte und Fotos der kenianischen Ärzte. Diese hatten bei dem Hotelier eine Schwellung am Schlüsselbein und Hautabschürfungen an beiden Seiten des unteren Rippenbogens festgestellt. Im ersten Prozess 2004 hatte Tröger das Opfer nur in Augenschein genommen und den Brustkorb abgetastet.

„In seiner ersten Reaktion hat mich Prinz Ernst August beauftragt, eine Schadensersatzklage gegen den Rechtsmediziner zu prüfen“, sagte Verteidiger Hans Wolfgang Euler am Montag. Das Gutachten Trögers vor fünf Jahren sei oberflächig gewesen. „Der Sachverständige hat damals Fehler gemacht, die ihm nicht hätten passieren dürfen“, betonte Euler. Damals habe der Rechtsmediziner von schweren inneren Verletzungen, einem Rippenbruch und „potenziell lebensbedrohlichen Verletzungen“ gesprochen.

Die Verteidigung hatte die Version des Opfers stets angezweifelt und den Hotelier sowie vier Zeugen des Übergriffs aus Kenia wegen Falschaussage angezeigt. „Die heutige Aussage des Gutachters hat aber bestätigt, dass mein Mandant glaubwürdig ist“, sagte dagegen der Anwalt des Opfers. Der Gutachter geht nicht davon aus, dass sich das Opfer die Verletzungen selbst beigebracht hat. Generell könne dies nicht komplett ausgeschlossen werden, sagte Tröger. Bei der vorliegenden Art der Verletzungen, die von stumpfer Gewalt herrührten, sei dies aber überaus selten. Der Prozess soll am 1. Oktober fortgesetzt werden.

lni