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Panorama George Young ist tot
Nachrichten Panorama George Young ist tot
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21:19 23.10.2017
George Young (rechts) im Kreise der AC/DC-Familie Quelle: Screenshot:facebook.com/acdc
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Berlin

Montag ist die Welt grau und riecht nach Arbeit, jeder frisst an einem. Aber schon Dienstag geht’s ein kleines bisschen besser, und wenn der Mittwoch bloß nicht so langsam verstreichen würde, dann wäre der Sänger von „Friday on my Mind“ schon so gut wie im Wochenende bei der Freundin und alles wäre gut. Der Text des Songs sprach jeden an, damals in den grauen Herbstwochen des Jahres 1966.

Dieser Montag war grau für den Rock’n’Roll. Da erfuhr die Welt die Nachricht, dass der Songwriter George Young, Sohn eines schottischen Arbeiters und einer Hausfrau, der die flirrende Musik zu dem Text von Bandkollege und Co-Gitarrist Harry Vanda beigesteuert hatte, am Sonntag im Alter von 70 Jahren gestorben war. Youngs erster Hit wurde am Montag in allen Radiostationen Australiens gespielt. Er war nicht nur die erfolgreichste Single der 1964 gegründeten Easybeats, die wie so viele Bands vom Triumphzug der britischen Beatles inspiriert worden waren, sondern ist, laut der australischen Performing Rights Association, der „beste australische Song aller Zeiten“.

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Danach war es in Sachen Überhits eigentlich schon Ebbe mit dem Quartett aus Söhnen europäischer Einwanderer, aber das Duo Vanda & Young blieb einander auch nach der Trennung der Band im Jahr 1970 verbunden. Einen Namen machte sich der Rhythmusgitarrist Young überdies als kreativer Berater seiner Brüder Angus und Malcolm, der beiden Gründer der Heavy-Rock’n’Roll-Band AC/DC. „Ohne seine Hilfe und seinen Ratschlag hätte es AC/DC nicht gegeben“, ließen Band und Plattenfirma am Montag in ihren Trauerworten verlauten.

Der wichtigste Tipp, den die Nachgeborenen bekamen: „Eine Band kann sich nicht Band nennen, so lange sie nicht wenigstens 200 Konzerte absolviert hat.“ Für AC/DC fungierte der ältere Bruder George Young als Co-Produzent bei frühen Alben wie „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, „High Voltage“ und „Let there be Rock“. Für kurze Zeit hatte er sogar mit den beiden Brüdern zusammen gespielt – in der Markus Hook Roll Band, die als Vorläuferin von AC/DC gilt.

Aber Young war breiter aufgestellt, legte sich nicht auf harten Rock fest. Auf sein (und Vandas) Konto geht der Discohit „Love is in the Air“ mit dem treibenden Samba-Rhythmus, den der nicht mit George Young verwandte Landsmann John Paul Young zu einem weltweiten Erfolg machte. Ihr für John Paul Young geschriebener Song „Yesterday’s Hero“ wurde zu einem der größten Hits (und stärksten Songs) der schottischen Teenieband Bay City Rollers.

In der New-Wave-Ära gründete Young dann mit Vanda die Band Flash and the Pan, die keyboardlastige Hits wie „Hey St. Peter“, „Down Among The Dead Men“, „Walking In The Rain“ und „Ayla“ hatte. Ende der Neunzigerjahre zog er sich langsam aus dem Musikgeschäft zurück. Seine letzte Arbeit war das AC/DC-Album „Stiff Upper Lipp“ (2000), für das er in den Produzentensessel zurückkehrte. Nach seinem Abschied erklärte er dem Musikjournalisten Michael Dwyer 2008 in einer E-Mail (die für den geplanten Artikel im Musikmagazin Rolling Stone zu spät kam), „nicht mehr die Leidenschaft für Musik zu empfinden, die ich einmal hatte.“ Zuletzt zog er sich ins Familienleben in Portugal zurück. Die Ursache von Youngs tot blieb zunächst ungeklärt.

Von Matthias Halbig/RND

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