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Panorama Getötete Leonie unter großer Anteilnahme beigesetzt
Nachrichten Panorama Getötete Leonie unter großer Anteilnahme beigesetzt
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12:56 02.02.2019
Leonies weißer Sarg ist mit zarten rosa Blüten geschmückt.
Leonies weißer Sarg ist mit zarten rosa Blüten geschmückt. Quelle: Tilo Wallrodt
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Wolgast

Mit einer zu Herzen gehenden Rede sowie roten und weißen Luftballons haben sich Familie, Freunde und zahlreiche Wolgaster am Samstagvormittag auf dem Tannenkamp-Friedhof in Wolgast von der getöteten sechsjährigen Leonie verabschiedet. Der Leichnam des Mädchens, das vor drei Wochen am 12. Januar in Torgelow an massiver Gewalteinwirkung starb, wurde anschließend auf dem Alten Friedhof inmitten der Stadt beigesetzt.

In der Trauerhalle war der weiße Sarg, den ein Gesteck aus zarten Blüten zierte, aufgebahrt. Davor lag das große Blütenherz ihres Papas, Oliver E. aus Wolgast. Von einem großformatigen Foto lächelte das bildhübsche Mädchen mit den blauen Augen und langen blonden Haaren. Davor lagen die Gestecke der Familienangehörigen – Opa, Tante und Cousins. Auch viele Gäste legten Gebinde nieder.

80 Besucher fasst die Trauerhalle, die voll besetzt war. Als der Kindersarg zur Musik von „Hinterm Regenbogen“ durch die Tür der Trauerhalle zum Auto des Bestattungshauses getragen wurde, musste Oliver E. gestützt werden, um den unendlichen Schmerz zu ertragen. Die meisten der Trauergäste ließen ihren Tränen ebenfalls freien Lauf. Bevor sich der Wagen in Richtung Alter Friedhof in Bewegung setzte, ließen Familie und Freunde rote und weiße Luftballonherzen zwischen Schneeflocken in den Winterhimmel steigen.

Einfühlsame und würdevolle Trauerrede

Gezeichnet von den Ereignissen der vergangenen Wochen hatte die Familie von Leonie – ihr Vater Oliver E., dessen Schwester Eva mit Lebensgefährten und der Opa des Kindes – gegen 9.30 Uhr in der Trauerhalle Platz genommen. Mit dem wunderbaren Lied der Band Kuult „Wenn Du lachst“ wurde die Trauerfeier um 10 Uhr eröffnet: Das Lied hat Vater Oliver für seine kleine Tochter und für alle Gäste ausgesucht.

Damit wollte er sich bedanken bei allen, die ihm in den zurückliegenden Tagen zur Seite standen und unterstützten, Geld spendeten, Geschenke zusandten, am Trauermarsch und Gedenkgottesdienst teilnahmen oder Kerzen anzündeten. „Alles wird gut, wenn du nach vorne schaust. Und wenn es schwer fällt im Leben und nichts funktioniert, steh ich hinter dir ... so wie du hinter mir. Und wenn du lachst und wenn du weinst, lass es raus und fühl dich frei“, heißt es darin.

Die Trauerrede war zu einfühlsam, würde- und liebevoll und wurde mit großer Herzenswärme vorgetragen. Die Todesnachricht, heißt es darin, „habe ihre kleine Wolgaster Familie –Papa, Brüderchen, Opa, Tante – in einen Schockzustand des Nicht-Begreifen-Könnens und -wollens“ versetzt. Sie, das fröhliche, liebe Mädchen mit den langen blonden Haaren und den funkelnden Ohrsteckern, liege nun in einem roten Kleidchen mit weißem Bolero und weißen Schuhen in ihrem Totenbett und „wir alle wissen, wir alle spüren, es ist nicht richtig, dass wir heute hier sein müssen. Jeder andere Ort wäre ein besserer Ort gewesen“, so die Trauerrednerin. Dann erklang Jupiter Jones Lied „Still“.

Mit unzähligen Rosenblättern wurde Sarg in die Erde gelassen

Am Grab auf dem Alten Friedhof dann noch einmal der herzergreifende Abschied des Vaters von seiner kleinen Tochter. Mit unzähligen Rosenblättern wurde der kleine Sarg dann in die Erde gelassen. Den Grabhügel wird vorerst ein hölzernes Herz mit einem Teddy und Leonies Namen zieren.

Das Herz ist ein Geschenk einer Torgelower Familie zur Erinnerung an Leonie. Zunächst stand es vor dem Haus, in dem Leonie zuletzt mit ihrer Mutter, dem Bruder, einem Halbgeschwisterchen und dem Stiefvater wohnte und wo das Kind so furchtbar misshandelt wurde, dass es an den Folgen starb.

Leonies schrecklicher Tod beherrschte in den vergangenen drei Wochen deutschlandweit die Berichterstattung. Auch während der Trauerrede wurde daran erinnert, dass es noch viele Tage brauchen werde, bis das letzte amtliche Wort gesprochen sei. „Das Trauerbild zusammenzulegen, zusammenzufügen, wird eine Lebensaufgabe.“

Von Cornelia Meerkatz/RND