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Panorama Hannelore Elsner: Eine große deutsche Schauspielerin ist tot
Nachrichten Panorama Hannelore Elsner: Eine große deutsche Schauspielerin ist tot
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22:39 23.04.2019
Nach einer schweren Krankheit ist Hannelore Elsner am Sonntag gestorben. Quelle: Tobias Hase/dpa
Hannover

Eine der größten deutschen Schauspielerinnen ist tot: Hannelore Elsner, die sich auf die leichten und die ernsten Stoffe verstand. Elsner wusste, wie man im Film schwierigste literarische Texte anpackt. In Oliver Hirschbiegels „Mein letzter Film“ (2002) reduzierte sie die grandiose Gespreiztheit der Texte Bodo Kirchhoffs, ließ allzu Verkopftes weg, erweckte die papiernen Zeilen zum Leben.

Die Rolle der Maria hatte Kirchhoff ihr auf den Leib geschrieben. Sie war 2002 ein gewaltiges Kinosolo für die Elsner, das zweite schon nach Oskar Roehlers „Die Unberührbare“ (2000). Eine Schauspielerin spielte hier eine Schauspielerin, eine schöne Frau erzählte aus dem Leben einer schönen Frau, die der Schönheit nicht mehr traut. Ein Monolog, ein Kammerspiel.

Man sollte sich diesen Film noch einmal anschauen, jetzt, wo sie gestorben ist. Mit 76 Jahren sei sie „überraschend schwer erkrankt und am Ostersonntag friedlich eingeschlafen“, teilte der Anwalt der Familie, Matthias Prinz, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am gestrigen Dienstag mit. Elsners Freundin Michaela May sagte gegenüber „Bild“: „Dass Hannelore schon seit Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, wusste ich. Auch, dass es in der letzten Zeit nicht gut um sie stand und dass sie tapfer gegen den Krebs kämpfte.“

Hannelore Elsners Leben in Bildern

Sie prägte die deutsche Film- und Fernsehgeschichte: „Die Unberührbare“ und „Kirschblüten – Hanami“ gehörten zu Hannelore Elsners großen Erfolgen.

Noch einige Filme mit Hannelore Elsner werden zu sehen sein

Elsner, die Emsige, das Arbeitstier. 225 Einträge verzeichnet die Film- und TV-Website imdb.de unter ihrem Namen. Zeitgleich arbeitete sie noch Ende März an dem Fernsehfilm „Lang lebe die Königin“ und der Rita-Falk-Verfilmung „Hannes“ fürs Kino. Gerade abgeschlossen waren die Dreharbeiten zu „Club der einsamen Herzen“, einer Komödie mit Jutta Speidel und Uschi Glas. All das wird noch zu sehen sein auf den Leinwänden und Bildschirmen der Republik, der „Club“ sogar schon am 8. Juni, und immer wird dann darauf verwiesen werden, wie groß der gestern erlittene Verlust ist.

Im bayerischen Burghausen wurde Hannelore Elstner im Kriegsjahr 1942 geboren. Der Bruder starb, als sie drei war, bei einem Fliegerangriff, der Vater, als sie acht war, an Tuberkulose. Ein Verlust, der sie prägte. „Depressionen kenne ich nur bei anderen“, sagte sie in einem Interview. „Ich habe meine Melancholie.“

Unter den ersten Rollen war viel leichte Unterhaltung

Entdeckt wurde sie als 16-Jährige bei einem Spaziergang mit ihrer Mutter. 1959 hatte ihre Karriere begonnen, da ließ sie das „t“ verschwinden, um ihren Namen weicher klingen zu lassen. Die ersten Rollen waren in Filmklamotten wie „Freddy unter fremden Sternen“ (mit Sänger Freddy Quinn, 1959) und „Marina“ (1960). Und so wurde die bildschöne junge Frau zu oft für allzu lockere Unterhaltung herangezogen.

Aber 1962 machte sie das Diplom an der Münchener Schauspielschule. Und schon 1963 zeigte sie ihr Talent, als sie in Alfred Vohrers Kinokrimi „Ein Alibi zerbricht“ ein ambivalentes, geheimnisvolles Mädchen spielte.

Mit der Rolle eines Starlets in Will Trempers „Die endlose Nacht“ wurde sie im selben Jahr zu einem der Gesichter des blutjungen deutschen Kulturkinos. Die Autorenfilmer rissen sich in den Siebzigerjahren um sie. In den Achtzigern machte Elsner dann Fernsehen mit den ganz großen Regisseuren – mit Wolfgang Staudte, Uli Edel und Dieter Wedel, dem Vater ihres Sohnes Dominik.

Für die Familie zog Hannelore Elsner sogar nach Frankfurt am Main

Elsner galt als schwierig und scheu. Sie mied Talkshows bis 1993, sie wurde kiebig, wenn Journalisten ihr mit der ewigen Attraktivität kamen. Und war in Wahrheit doch vor allem sensibel und gefühlvoll. Für ihren damaligen Ehemann Uwe Carstensen zog sie mit Dominik nach Frankfurt, als er Chef der Theatersektion im Fischer-Verlag wurde.

Sie fand die Stadt hässlich, wie sie 2011 in ihren Erinnerungen „Im Überschwang“ schrieb, im Vergleich jedenfalls mit der Schönheit Münchens, nach der sie lange Heimweh hatte. Und sie blieb doch und sorgte dafür, dass die ARD-Serie „Die Kommissarin“ im Jahr 1994 statt in Berlin oder München zu Hause in Frankfurt gedreht wurde.

Bis 2006 war sie in der deutschen Stadt der Wolkenkratzer als alleinerziehende Polizistin Lea Sommer zu sehen, bis 1996 war Til Schweiger dort der Kriminalkommissar Nick Siegel an ihrer Seite.

In ihrer Karriere wurde „die Elsner“ oft auf Oberfläche und Sexappeal reduziert. Vorbei war das endgültig mit Oskar Roehlers „Unberührbarer“, in der sie eine vom DDR-Ende erschütterte kommunistische Autorin spielte. Für diese Rolle bekam sie den Deutschen Filmpreis für „Mein letzter Film“ gleich noch einen hinterher – zwei von vielen Auszeichnungen bis hin zum Bundesverdienstkreuz Erster Klasse (2005) für ihr Engagement in Sachen Aids.

Die „Bunte“ nannte sie „die letzte deutsche Diva“

Auch in der späten Phase ihrer Karriere spielte Elsner unbeirrt in leichten Filmchen wie der Kinderkomödie „Hanni und Nanni“ (2010) und in schwereren Stoffen wie Doris Dörries „Kirschblüten – Hanami“ (2008), einer Tragikomödie über Liebe, Alltag und Sterben. Als „letzte deutsche Diva“ bezeichnete sie die „Bunte“ zum 70. Geburtstag im Jahr 2012.

Im „Münchner Merkur“ stellte die Schauspielerin damals fest, „viel zu lange viel zu jung für ihr Alter“ gewesen zu sein.

Jetzt zählt sie zu den Unsterblichen.

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Von Matthias Halbig/RND

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