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Panorama Hessen bremst Hells Angels aus
Nachrichten Panorama Hessen bremst Hells Angels aus
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19:56 30.09.2011
Zwei Untergruppen der Rockerbande Hells Angels sind in Hessen verboten worden. Quelle: dpa
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Hannover/Wiesbaden

Sie hätten den Zweck verfolgt, in ihrem Gebiet kriminelle Machenschaften zu entfalten und Gebiets- und Machtansprüche durchzusetzen“. Viele Mitglieder der Hells Angels seien „wegen Gewalt-, Drogen- oder Waffendelikten polizeibekannt“. Die beiden Klubs sollen das Rotlichtviertel um den Frankfurter Hauptbahnhof kontrollieren.

Ein Sprecher des Innenministeriums in Hannover erklärte am Freitag, das Verbotsverfahren in Hessen habe keine unmittelbare Bedeutung für Niedersachsen. „Aber auch wir bekämpfen die Rockerkriminalität, wo es geht.“ In Niedersachsen sind nach Angaben von Innenminister Uwe Schünemann (CDU) rund 1000 Mitglieder in den vier großen Rockerklubs organisiert, allen voran in den Hells Angels. Zu den Rockerklubs, die sich nach Einschätzung des Landeskriminalamts im oder am Randbereich der organisierten Kriminalität bewegen, zählt das Innenministerium außerdem die Bandidos, Gremium und die Outlaws. Sie bezeichnen sich selbst als „Outlaw Motorcycle Gangs“ und nehmen damit für sich in Anspruch, außerhalb des Gesetzes zu stehen.

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Erst im Juli erklärte Innenminister Schünemann im Landtag, diese Gangs verfolgten alle das Ziel, bestimmte Territorien zu beherrschen, um wirtschaftliche Interessen, zum Beispiel im Rotlichtmilieu, durchzusetzen. Zu beobachten ist das im Steintorviertel in Hannover, wo keine der Kneipen und Bars ohne Türsteher der Sicherheitsfirma GAB Security mit Sitz in Walsrode (Heidekreis) auskommt. Das Unternehmen gehört Frank Hanebuth und Wolfgang HeerHanebuth ist Chef der hannoverschen Hells Angels und gilt als der mächtigste Höllenengel Deutschlands, Heer ist der Schatzmeister des Vereins. Im August hat die auf die Rockerkriminalität spezialisierte Ermittlungsgruppe „EinProzent“ des Landeskriminalamts etliche Bordelle, Geschäftsräume und Wohnungen in Walsrode durchsucht, darunter auch Häuser, die Wolfgang Heer gehören. Die beschlagnahmten Unterlagen werden derzeit beim LKA auch mit Blick auf ein Verbot der Hells Angels ausgewertet. „Wir sind da dran“, sagt der Ministeriumssprecher.

Mit Sorge beobachtet neuerdings die Polizei im nordwestlichen Niedersachsen, wie sich dort ein Klub breitmacht, der als Vorhut der Hells Angels gilt: die Red Devils. Der Nordwesten galt bisher als Territorium des Gremium MC. Der Cloppenburger Polizeipräsident Klaus Bergmann hält deshalb in der Zukunft gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen für denkbar. „Das westliche Niedersachsen war bisher ausschließlich Gremium-Land“, sagt der Polizeibeamte. „Jetzt dringen hier zunehmend die Red Devils ein. Das führt zu entsprechenden Bewertungen.“

Überraschend waren die Red Devils Friesland jüngst in einer Gemeinde im Kreis Cloppenburg aufgetaucht und haben in einer leer stehenden Gaststätte mit Hells Angels gemeinsam eine Party mit viel Bier und Würstchen gefeiert. Die Polizei glaubt aber nicht, dass es dabeibleibt. In der Gaststätte gab es einmal das Bordell „Club Ilona“. „Wir gehen davon aus, dass geplant ist, das Bordell wiederzubeleben“, sagt Polizeipräsident Bergmann.

Das würde ins Bild passen, dass die Hells Angels immer weiter nach Westen vordringen und systematisch dem Gremium MC die Vorherrschaft im Rotlichtmilieu streitig machen. In Leer, Oldenburg, Vechta und Wilhelmshaven wurden in den vergangenen Monaten neue Dependancen gegründet, laut Landeskriminalamt in jüngster Zeit außerdem in Delmenhorst, Ammerland, Friesland, und Cuxhaven. Fast überall treffen sie dort auf Gremium-Klubs – die Polizei ist alarmiert: Zur Party in Cloppenburg hat sie gleich eine Hundertschaft entsandt. Es blieb aber ruhig.