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Panorama Holland träumt von einem 2000 Meter hohen Kunstgebirge
Nachrichten Panorama Holland träumt von einem 2000 Meter hohen Kunstgebirge
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20:07 04.09.2011
Und so könnte er aussehen: Eine künstlerische Darstellung des holländischen Schneebergs vor der Küste der Niederlande in der Nordsee. Quelle: dpa/Engineers’ Bureau DHV
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„Het was een grapje!“ – es war doch nur ein Witz! Vergeblich versucht Thijs Zonneveld, einst Profiradrennfahrer und heute Sportjournalist, den Geist wieder einzufangen, den er da aus der Flasche gelassen hat. Doch es will ihm einfach nicht gelingen. Seine scherzhafte Anregung, in Holland einen 2000 Meter hohen Berg für Skifahrer, Rodler, Wanderer und Mountainbiker aufzuschütten, hat in den Niederlanden einen Nerv getroffen. „Es war nicht ernst gemeint!“, sagt Zonneveld in jede Kamera. „Ganz egal – wir wollen ihn jetzt, unseren Alpenberg!“, hört man überall im Land. Fast täglich melden sich inzwischen mehr oder minder glaubwürdige Experten mit Vorschlägen zu Wort, wie „De Nederlandse Berg“ aussehen, wo und wie er errichtet werden könnte.

Unter der schlichten Überschrift „Berg!“ hatte Zonneveld in einer Schmonzette bemängelt: „Diese Land ist platt. Laaaaangweilig platt. Polderplatt.“ Das wäre ja nicht weiter schlimm, sinnierte er, wenn der Mangel an Bergen nicht so verheerende Folgen für den niederländischen Sport hätte. Hollands Radrennfahrer würden bei Bergetappen ebenso blass aussehen wie die Alpinsportler des ansonsten doch so erfolgreichen Landes hinter den Deichen.

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In Windeseile wurde die Kolumne im Netz verbreitet. Und immer mehr Holländer lachten über Sätze wie diesen: „Es ist kein Zufall, dass niederländische Rennrodler sich bei den Olympischen Spielen in die Hosen machen, wenn sie oben an der Bahn stehen: So ein Berg ist halt verdammt hoch für Menschen, die es gewohnt sind, unter dem Meeresspiegel zu leben.“

Dann geschah, womit der Sportjournalist nicht gerechnet hatte: Wintersportbegeisterte Holländer begannen die Idee zu lieben. Die Idee von einem Berg wurde vom Lacher des Sommers zum Selbstläufer: Zeichnungen und Modelle, wie er aussehen und wo er aufgeschüttet werden könnte, machten die Runde. So erschien die Zeitung „Algemeen Dagblad“ mit obiger Fotomontage, auf der eine Kopie des japanischen Vulkans Fuji etwa auf der Breite der Käsestadt Alkmaar an den Nordseestrand verfrachtet worden war.

Und warum sollten sich die Niederländer eigentlich nicht zutrauen, etwas zu bauen, das ihre mit 322,7 Meter höchste Erhebung, den Vaalserberg, um ein Vielfaches überragt? Schließlich haben sie weite Teile ihres Königreichs – darunter die künstlich geschaffene Provinz Flevoland – dem Meer abgerungen. Wer so etwas kann, der kann auch Berge versetzen beziehungsweise auftürmen, findet zum Beispiel Martin Dubbeling vom Ingenieurbüro SAB. „Das ist alles eine Frage der Unterstützung. Als die Franzosen und Engländer mit der Idee eines Tunnels unter dem Ärmelkanal kamen, dachten auch viele, das würde nicht gehen.“

Problematischer erscheinen den Holländern die kaum überschaubaren Kosten für „De Nederlandse Berg“: Schätzungen gehen von mehr als 200 Milliarden Euro aus – das ist fast doppelt so viel wie das zweite Rettungspaket für Griechenland. Dennoch fertigte das Ingenieurbüro DHV gleich mal eine Baustudie an. Danach würde ein Zweitausender rund 77 Milliarden Kubikmeter Material verschlingen – Sand und Steine aus den Tiefen der Nordsee. Baggerschiffe müssten 4,5 Millionen Mal hin- und herfahren.

Das platte Holland will Bergidylle werden – muss sich die Schweiz jetzt Sorgen machen? Bleiben die Skitouristen aus? Die Fremdenverkehrsunternehmer in Arosa im schweizerischen Bergkanton Graubünden buchten bereits Plakatflächen in Amsterdam, wie Arosas

Thomas Burmeister