Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Panorama Installateur gesteht Mord an Seniorin
Nachrichten Panorama Installateur gesteht Mord an Seniorin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:31 24.11.2009
Quelle: Michael Thomas (Archiv)
Anzeige

„Die finanzielle Situation ist mir so über den Kopf gewachsen, dass ich nicht mehr ein noch aus wusste“, erklärte der 34-Jährige am Dienstag in seinem Geständnis, das er von seiner Verteidigerin vorlesen ließ. Die Schulden für sein Haus hatte der Mann aus dem bei Bad Pyrmont gelegenen Ort Lügde schon lange nicht mehr bezahlt.

Zusammengesunken kauerte der Angeklagte auf der Bank, als der Rechtsmediziner Dirk Breitmeier die Details der Verletzungen vortrug, an denen die alte Dame starb. „Schwerste Hals- und Weichteilverletzungen“ und „massiven Blutverlust“, hatte der Mediziner bei der Obduktion festgestellt.

Anzeige

Am Tattag lauerte der Mann auf dem Parkplatz der Hufeland-Therme im Kurort Pyrmont, um sich ein Opfer auszuspähen. Seine Wahl fiel auf die Seniorin in ihrem Mercedes. Als diese eingestiegen war, kletterte der Täter auf die Rückbank. „Los, steig aus“, habe er zu der Frau gesagt. Doch diese sei sitzengeblieben und habe nach ihm gegriffen. „Ich wollte nur ihr Auto stehlen“, ließ der 34-Jährige von seiner Verteidigerin erklären. „Ich habe Panik bekommen, als sie nach mir fasste. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, wusste nicht mehr ein noch aus.“

Mit dem Auto wollte er fliehen, aus der Enge des dörflichen Alltags in die Großstadt Köln und dort ein neues Leben beginnen, wo er bereits früher gewohnt hatte. Warum er eine Pistole dabei hatte, konnte er aber nicht erläutern. Mindestens neun Mal stach der Mann mit einem Küchenmesser auf die Frau ein, sie starb an schwerem Blutverlust.

Als sich auf dem Parkplatz zwei Badegäste näherten, flüchtete der Täter. Ein Zeuge, ein 80 Jahre alter ehemaliger Druckereileiter, rannte ihm nach, musste jedoch kurze Zeit später aufgeben. Der Täter war aber von Überwachungskameras in der Nähe gefilmt worden und dann erkannten Zeitungsleser ihn auf einem Fahndungsbild. So konnte er gut sechs Wochen nach der Tat von Zielfahndern in einem Kurort bei Mannheim aufgespürt werden.

Seine Verteidigerin will, dass ihm Gutachter verminderte Schuldfähigkeit attestieren. Mit seinen Eltern und vor allem dem dominanten Vater habe er seit Jahren im Streit gelegen, so seine schriftliche Einlassung. Der Senior wollte, dass der Junge einmal den elterlichen Betrieb übernimmt, doch dieser schaffte die Meisterschule nicht. Es folgten Jobs in Discos und Bars in Köln und eine gescheiterte Firmengründung in Berlin.

Als sein Vater krank wurde, zog der junge Mann wieder in seinen alten Heimatort und half im elterlichen Betrieb. Seine Eltern hätten ihn zum Hauskauf gedrängt, obwohl er sich dies nicht leisten konnte. Selbst bei der Gestaltung seiner Hochzeit hätten sie ihre Vorstellungen durchgesetzt. Später unterschlug der Sohn im elterlichen Betrieb Geld und die Situation eskalierte immer mehr - bis zu jenem Nachmittag Ende April. Das Landgericht hat für den Prozess zunächst drei Tage angesetzt, möglicherweise gibt es schon am Donnerstag ein Urteil.

lni 

Anzeige