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Panorama Karl Lagerfeld – Comic würdigt seine Arbeit
Nachrichten Panorama Karl Lagerfeld – Comic würdigt seine Arbeit
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15:03 06.07.2019
Ein Traumstrand mit feinem Sand im Grand Palais: Das Buch „Hinter den Kulissen von Chanel“ ist eine illustrierte Reportage über die Modebranche und die Arbeit Karl Lagerfelds. Quelle: Delhomme/Knesebeck Verlag
Paris

Nach langem Warten auf einen Termin mit dem viel beschäftigten Meister empfing er an einem Freitagabend im November 2018 in seinem Studio. Er trug seinen obligatorischen Look mit schneeweißem Pferdeschwanz, dunklen Halbhandschuhen und hohem Hemdkragen – eine Ikone, die über ihren Ikonenstatus klagte.

„Ich kann nicht einmal über die Straße gehen, ohne dass jemand etwas von mir will“, sagte Karl Lagerfeld. „Aber ich bin selbst schuld! Ich müsste nur unauffälliger auftreten. Obwohl ich mich supernormal finde!“ Dann mischte er sein „enzyklopädisches Wissen“ mit lapidaren Bemerkungen und humorvollen Bonmots. Karl eben.

Seine Besucher, die Modejournalistin Laetitia Cénac und der Illustrator Philippe Delhomme, bereiteten ein Buch in Comicform vor, das sich „Hinter den Kulissen von Chanel“ abspielt – so lautet der Titel. Ursprünglich sollte das Werk ausgerechnet am 19. Februar 2019 gedruckt werden, dem Tag, an dem Lagerfeld starb. Der Termin wurde nochmals verschoben.

Karl mit Katze: das Buch „Hinter den Kulissen von Chanel“ würdigt die Arbeit Lagerfelds ebenso wie den Menschen. Quelle: Delhomme/Knesebeck Verlag

Es ist eine Art illustrierte Reportage über die Arbeit in der Fashionbranche sowie eine Hommage an „Kaiser Karl“ und an das Modehaus, für das er 36 Jahre lang überaus erfolgreich als Kreativdirektor tätig war. „Ich habe eine schlafende Schönheit wachgeküsst“, sagte er selbst.

Inzwischen aber ist das Buch auf dem Markt, seit wenigen Tagen auch in deutscher Sprache. Dabei lebt es ohnehin nicht nur von Worten, Beschreibungen und Interviews, sondern auch von den farblich frischen Zeichnungen, die Lagerfelds Entwürfe zeigen, die Begegnungen mit Mitarbeitern, Cénacs und Delhommes Recherche in Ateliers und Werkstätten.

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Die Reise geht in eine Weberei in Ostfrankreich, zu einem Hersteller von Strickwaren und Kaschmirprodukten im schottischen Hawick und in die Manufaktor Roveda in Mailand, die Chanel im Jahr 2000 übernommen hat. So wird auch die Geschichte des Modeimperiums erzählt, das unter dem Dach seiner Tochterfirma Paraffection 27 Handwerksbetriebe versammelt.

Liebe zur Präzision und Handarbeit

Wer das Buch durchblättert, bekommt eine Ahnung davon, wie viele fleißige Hände beteiligt sind, bis ein Tweed-Kostüm oder ein kleines Schwarzes auf dem Laufsteg irgendeiner Fashion Week erscheint. Was alle Beteiligten miteinander verbindet, ist die Liebe zur absoluten Präzision und Handarbeit, zu Stoffen und Design. Allen voran Lagerfeld, den Cénac kennenlernte als „unermüdlich und mit Leichtigkeit arbeitenden Menschen, der vor Humor nur so sprühte”.

Seine Schauen waren immer eine Sensation – auch jene im Buch beschriebene im Herbst 2018, bei der im Pariser Ausstellungsgebäude Grand Palais ein Traumstrand mit feinem Sand aufgeschüttet wurde, über den die Models barfuß liefen. Der Blick hinter die Kulissen offenbart die perfekte Organisation hinter dem Spektakel, von der Arbeit des Soundstylisten bis zu den Accessoires der Models.

Wer das Buch durchblättert, bekommt eine Ahnung davon, wie viele fleißige Hände beteiligt sind, bis ein Tweed-Kostüm oder ein kleines Schwarzes auf dem Laufsteg irgendeiner Fashion Week erscheint. Quelle: Delhomme/Knesebeck Verlag

Interessant sind auch die Figuren, die hinter Karl dem Großen auftauchen: der Imagedesigner, die Schuhfachfrau, die Markenbotschafterin und natürlich Virginie Viard, Lagerfelds langjährige „rechte und linke Hand“, wie er sie nannte. Von Chanel könne man lernen, dass die luxuriösesten Stoffe ins Innere kommen, sagt Viard, die unmittelbar nach Lagerfelds Tod zu seiner Nachfolgerin ernannt wurde.

Noch gibt es wenige Diskussionen darüber, ob die 57-Jährige sich an dem exponierten Posten halten kann. Wenn bei den anstehenden Haute-Couture-Schauen in Paris die Chanel-Kollektion präsentiert wird, dürfte die Aufmerksamkeit aber groß sein.

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Das Modehaus hat 2018 seinen Umsatz um 12,5 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro gesteigert. Damit befindet es sich mit Louis Vuitton und Gucci unter den Top drei der Luxusmarken weltweit. Der anhaltende Erfolg des von ihm „wachgeküssten“ Hauses geht großteils auf Lagerfeld zurück – aber auch auf Viard, die mehr als 30 Jahre lang an seiner Seite arbeitete.

Trauerfeier gegen Lagerfelds ausdrücklichen Wunsch

Freilich bleibt sie noch in seinem immensen Schatten. Über das Comicbuch hinaus erschien über „Kaiser Karl“ in Frankreich gerade eine Biografie mit gleichnamigem Titel, in der sich die Autorin Raphaëlle Bacqué, Journalistin bei der Zeitung „Le Monde“, mit den Etappen seines bewegten Lebens auseinandersetzt. Sie wollte, wie sie sagt, verstehen, „wie ein Junge aus der deutschen Bourgeoisie, der im Krieg geboren wurde, ein Vorbild für die globalisierte Luxusindustrie und Mode wurde“.

Kurzum: Der posthume Lagerfeld-Rummel ist auch vier Monate nach seinem Tod enorm, dazu zählt auch jene große Hommage, zu der Chanel vor zwei Wochen 2000 meist prominente Gäste ins Pariser Grand Palais lud. Gegen Lagerfelds ausdrücklichen Wunsch wohlgemerkt, der einst erklärt hatte, eine Trauerfeier nach seinem Ableben sei für ihn ein Horror – „lieber sterbe ich!“

Interviews mit Weggefährten

Die Crème de la Crème war da, von Caroline von Monaco über Claudia Schiffer bis zu Stardesignern wie Ralph Lauren. Der Pianist Lang Lang spielte Chopin auf einem Steinway-Flügel, Pharrell Williams trat auf. Und doch, so notierte Raphaëlle Bacqué in einem Artikel, habe es sich um eine Feier „ohne Blumen und ohne Seele“ gehandelt.

Bei einem Film, in dem zahlreiche Persönlichkeiten zu Wort kamen, achtete man peinlich genau auf ausgeglichene Redezeiten der Chefs von Chanel und dem Luxuskonzern LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy), Besitzer des Hauses Fendi, für das Lagerfeld ebenfalls jahrzehntelang designte. Am Schluss kam eine Sequenz von Meister selbst, der lauthals lachte – so, als mache er sich über die Komödie lustig, die da gespielt wurde. Karl eben.

Laetitia Cénac, Jean-Philippe Delhomme: „Hinter den Kulissen von Chanel. Künstler, Ateliers und Werkstätten“. Knesebeck-Verlag, 240 Seiten, 30 Euro. Quelle: Delhomme/Knesebeck Verlag

Von Birgit Holzer

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