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Panorama Letzter Akt im Justiz-Thriller gegen Jacksons Leibarzt
Nachrichten Panorama Letzter Akt im Justiz-Thriller gegen Jacksons Leibarzt
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16:01 03.11.2011
Nach einem sechswöchigen Prozess mit 49 Zeugen muss die Jury entscheiden, ob der Mediziner Conrad Murray den Tod des Popstars verursacht hat. Quelle: dpa
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Los Angeles

Die Anklage führte mit 33 Zeugen schweres Geschütz gegen den Herzspezialisten Conrad Murray auf. Die Verteidigung hielt mit 16 Frauen und Männern im Zeugenstand dagegen. Renommierte Narkose-Experten trugen vor den Juroren heftige Wort-Duelle aus. Mal glich der Gerichtssaal einem Chemie-Labor und einer Krankenstation, in der die Zeugen mit Spritzen und Laborbefunden hantierten. Mal war es ein Konzertsaal, in dem Jackson-Videos gezeigt wurden, fast täglich mit den Eltern und Geschwistern des Popstars als Zuschauern.

Nach einem sechswöchigen Prozess mit hunderten Beweisstücken müssen die fünf Frauen und sieben Männer der Jury über Murrays Schicksal entscheiden. Ist der 58 Jahre alte Kardiologe ein geldgieriger, gewissenloser Arzt, der den Popstar fahrlässig mit Schlaf- und Narkosemitteln vollpumpte? Oder war der "King of Pop" selbst am 25. Juni 2009 der "Täter", der - von Ängsten und Schlaflosigkeit getrieben - heimlich zu starken Medikamenten griff, die ihn am Ende das Leben kosteten? Wann genau die Geschworenen ihr Votum verkünden, ist noch unklar.

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Gewissenhaft oder gierig?

Mehr als zwei Jahre nach dem Tod des Sängers haben Anwälte und Zeugen ein sehr gegensätzliches Bild des Arztes gezeichnet, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist. Ehemalige Patienten lobten ihn als gewissenhaften und hilfsbereiten Mediziner, der in manchen Fällen auch darauf verzichtet habe, bezahlt zu werden.

Die Anklage legte dagegen nahe, dass Murray in erster Linie auf den versprochenen Monatslohn in Höhe von 150 000 Dollar aus war, dabei aber als Leibarzt des Popstars "grob fahrlässig" handelte.

Die Geschworenen müssen entscheiden, ob sie dem Narkose-Spezialisten der Anklage, Steven Shafer, oder dem Experten der Verteidigung, Paul White, Glauben schenken. Die rivalisierenden Kollegen malten in tagelangen Befragungen und Kreuzverhören ganz unterschiedliche Theorien über Jacksons letzte Stunden aus.

17 "unverzeihliche" Fehler

Shafer ging hart mit dem Mediziner ins Gericht. Murray sei "für jeden Tropfen Propofol in Jacksons Zimmer" und damit "direkt" für dessen Tod verantwortlich. Er hielt ihm 17 "unverzeihliche" und "ungeheuerliche" Fehler vor, von falscher Wiederbelebung bis zu dem Umstand, dass Murray nicht sofort den Notarzt gerufen habe, als er Jackson leblos in seinem Bett vorgefunden habe. Für Shafer deutet alles darauf hin, dass der Leibarzt seinem schlaflosen Patienten eine größere Menge des Narkosemittels Propofol intravenös verabreichte.

Als "verrücktes Szenario" tat der Anästhesist die Theorie der Verteidigung ab, dass sich Jackson das Mittel möglicherweise selbst gespritzt habe, als sein Arzt nicht im Raum war. Für seinen Kollegen White ist dies die einzige Erklärung nach den Autopsiewerten, die im Urin, Blut und Magen des Sängers gemessen wurden. Er beschrieb einen Vorgang, nach dem Jackson ohne Wissen seines Arztes selbst zu einer Propofol-Spritze gegriffen haben könne, nachdem er bereits heimlich das Beruhigungsmittel Lorazepam geschluckt hatte. "Ich glaube nicht, dass Jackson die potenzielle Gefahr kannte", mutmaßte White.

Beruhigungsmittel erforderten ständige Überwachung

Nach dem amtlichen Ergebnis der Gerichtsmedizin war der 50-jährige Jackson im Juni 2009 an einer "akuten Vergiftung" mit Propofol im Mix mit anderen Beruhigungsmitteln gestorben. Murray hatte im Polizeiverhör zugegeben, dem schlaflosen Jackson über Wochen hinweg das weißliche Propofol gespritzt zu haben. Der Sänger, der vor seinen geplanten Mega-Konzerten in London unter Druck stand, habe ständig nach seiner "Milch" verlangt. Propofol wird normalerweise nur vor Operationen oder auf der Intensivstation im Krankenhaus gespritzt und erfordert die ständige Überwachung des Patienten.

Bis zuletzt stand es auf der Kippe, ob sich Murray vor der Jury selbst verteidigen würde. Am Dienstag, quasi in letzter Minute vor Abschluss des Verfahrens, schlug der Zwei-Meter-Mann den Auftritt im Zeugenstand aus. So bleibt den Juroren nur der Text einer zweieinhalbstündigen, polizeilichen Vernehmung Murrays im Juni 2009, zwei Tage nach Jacksons Tod. Da hatte Murray eingeräumt, Propofol gespritzt zu haben, aber angeblich nur eine kleine, ungefährliche Menge.

Selbst wenn die Jury diese Aussage glaubt und davon ausgeht, dass Jackson sich selbst die tödliche Dosis verpasst hat, ist das noch kein Freispruch für Murray. Die Anklage hält den Arzt für den Schuldigen, allein schon weil er die vielen Medikamente beschaffte, die Jackson am Ende getötet haben.

Für einige Jackson-Fans steht der Schuldige schon lange fest. "Mörder, Mörder", schrie in dieser Woche ein Fan im Gericht von Los Angeles den Angeklagten an, wie der TV-Sender CNN berichtete. Der Mann wurde aus dem Gebäude verwiesen. Eine Handvoll Fans halten seit Prozessbeginn die Stellung.

Jacksons Familie hatte nach dem Tod des Sängers auf eine schwerwiegendere Anklage gedrängt. Sie wollte den Leibarzt wegen Totschlags angeklagt sehen. "Er hat ihn umgebracht", sagte die Mutter des Sängers, Katherine Jackson, damals über den Arzt. "Er hat nicht auf ihn aufgepasst." Wird Conrad Murray wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen, dann drohen ihm bis zu vier Jahre Haft.

dpa

03.11.2011
03.11.2011