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Panorama Achte Babyleiche in Wallenfels entdeckt
Nachrichten Panorama Achte Babyleiche in Wallenfels entdeckt
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16:27 13.11.2015
In diesem Haus in Wallenfels fand die Polizei die sterblichen Überreste von acht Säuglingen. Quelle: dpa
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Wallenfels

Rechtsmedizinische Untersuchungen müssten nun zeigen, ob es möglicherweise noch mehr tote Körper sein könnten, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag. Die Leichen seien in einem schlechten Zustand. Sie hätten in einer Kiste in einem Zimmer gelegen, berichtete die "Bild"-Zeitung.

Bei dem Fund dürfte es sich um einen der schlimmsten Fälle dieser Art in den vergangenen Jahren in Deutschland handeln. Die grausige Entdeckung machte die Polizei demnach in der Wohnung einer 45 Jahre alten Frau in Wallenfels im nordbayerischen Landkreis Kronach. Sie konnte bislang noch nicht angetroffen und befragt werden.

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Polizei sucht Mutter der Kinder

Ob sie als dringend tatverdächtig gilt, wollte die Sprecherin zunächst nicht sagen. "Nach ihr wird zumindest gesucht als mögliche Mutter der Kinder." Die Polizei hielt sich zu den persönlichen Details der Frau zunächst bedeckt. Zuvor hatten mehrere Medien über das möglicherweise heikle familiäre Umfeld berichtet.

Die gefundenen Körper werden seit Freitagmorgen obduziert. Die Untersuchungen der Rechtsmediziner sollen frühestens Anfang nächster Woche Aufschluss darüber geben, wie lange die Kinder bereits tot sind, welches Geschlecht sie haben und woran sie gestorben sind.

Haus wird weiter untersucht

Mittlerweile wurde die Ermittlungsgruppe "Schlossberg" gegründet. "Es sind noch sehr viele Personen zu befragen und es erfolgen auch weitere Durchsuchungsmaßnahmen", sagte die Polizeisprecherin dazu. Dabei soll vor allem das Anwesen selbst noch genauer unter die Lupe genommen werden. "Unter Umständen kommen auch noch andere Objekte dazu", so die Sprecherin. Es werde jetzt alles, was möglich ist, so zeitnah wie möglich gemacht.

Anwohnerin rief den Notarzt

Die sterblichen Überreste der Säuglinge waren am Donnerstagnachmittag bei einem Notarzteinsatz gefunden worden. Der Notarzt war nach Polizeiangaben explizit wegen der Babyleichen und nicht wegen eines anderen Notfalls gerufen worden. Eine Anwohnerin hatte ihn demnach alarmiert.

Bürgermeister ist fassungslos

"Ich bin fassungslos", sagte Bürgermeister Jens Korn dem "Focus". "Wir sind eine kleine, lebendige Gemeinde mit 2800 Einwohnern, in der jeder jeden kennt. Wir sind sehr bewegt und fragen uns alle: Hätte man etwas tun können? Hätte man helfen können?"

Weiterer Fall in Landshut

In den vergangenen Jahren sorgten Funde von Babyleichen in Deutschland immer wieder für Aufsehen. So machte nur einen Tag zuvor ein Mann im ebenfalls bayerischen Landshut einen schrecklichen Fund: Er entdeckte im Kofferraum des Autos seiner Tochter eine Babyleiche in einem Plastiksack. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 22-Jährige ihre Schwangerschaft verheimlicht und den Säugling nach der Geburt getötet hat.

Von Kathrin Zeilmann, Christiane Gläser und Maren Hennemuth

Hintergrund

Grausige Funde von Babyleichen

Der Fund von Babyleichen wie jetzt in Oberfranken ist erschütternd und schockierend. Einige Beispiele für ähnlichen Fälle:

Oktober 2015: Passanten entdecken an einer Bushaltestelle in Sülfeld nördlich von Hamburg eine Babyleiche. Ersten Erkenntnissen zufolge war das Kind tot, als es dort abgelegt wurde.

April 2015: Im Müllcontainer eines Supermarktes in der Oberpfalz wird eine Babyleiche entdeckt.

September 2014: Die Polizei findet zwei tote Neugeborene in einem Schließfach des Hamburger Hauptbahnhofs. Der Mutter war schon vor einigen Jahren eine Babyleiche zugeordnet worden. Damals konnte nicht ermittelt werden, ob das Kind schon tot zur Welt kam. Die Frau begibt sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik.

August 2014: In den Wohnungen einer 32-Jährigen in Siegen und Bonn (NRW) werden in Gefrierschränken versteckte Babyleichen entdeckt. Sie wird zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Mai 2014: In München wird in der Toilette eines Reisezugs ein totes Neugeborenes gefunden. Einen Tag zuvor war in der Uckermark in Brandenburg auf einer Wiese ein totes Baby entdeckt worden.

Oktober 2013: In Oberfranken werden bei Bauarbeiten im Garten eines Mehrfamilienhauses zwei Babyleichen entdeckt. Die Mutter soll sie in den 80er Jahren unversorgt gelassen und vergraben haben. Das Landgericht Hof urteilt 2014, dass ihr die Taten nach mehr als 25 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden können.

März 2013: Eine 28-Jährige aus Husum in Schleswig-Holstein gesteht die Tötung ihrer fünf Kinder. 2006 war in Nordfriesland eine Babyleiche gefunden worden, 2007 eine weitere im Kreis Schleswig-Flensburg. Im Keller der Frau wurden später drei weitere Leichen entdeckt. Die Frau muss für neun Jahre ins Gefängnis.

Februar 2011: Polizisten finden die Überreste eines toten Babys in einem Garten in Jüterbog in Brandenburg. Die Mutter und ihr Ex-Partner hatten es nach der Geburt 2009 vergraben. 2012 wurden sie zu lebenslanger Haft verurteilt.

Juli 2005: In einer Garage in Brieskow-Finkenheerd (Brandenburg) werden bei einer Entrümpelung neun Babyleichen entdeckt. Die Mutter der Kinder hatte sie in Eimern und Blumenkübeln versteckt.

dpa

13.11.2015
13.11.2015