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Panorama Nach Erdrutsch gesuchter Sohn in Nachterstedt aufgetaucht
Nachrichten Panorama Nach Erdrutsch gesuchter Sohn in Nachterstedt aufgetaucht
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07:29 20.07.2009
Bei einem Erdrutsch im Harzvorland in Sachsen-Anhalt wurden am Sonnabend zwei Häuser in den Concordia-See gerissen.
Bei einem Erdrutsch im Harzvorland in Sachsen-Anhalt wurden am Sonnabend zwei Häuser in den Concordia-See gerissen. Quelle: Sebatsian Willnow/ddp
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Der junge Mann habe plötzlich an der Absperrung zum Ort der Katastrophe gestanden, sagte die Bürgermeisterin von Seeland, einem Zusammenschluss der Ortschaften um den betroffenen Tagebausee. Der taubstumme Mann werde nun seelsorgerisch betreut, seine leibliche Mutter sei informiert worden, sagte Heidrun Meyer.

Der junge Mann war in einem der beiden in den See abgerutschten Häuser in Nachterstedt gemeldet, wohnte aber meist anderswo. Sein Vater wird nach dem Unglück vermisst, seine Stiefmutter entkam der Katastrophe, da sie zum Zeitpunkt des Unglücks Nachtschicht hatte. Damit werden drei Menschen nach dem Erdrutsch vermisst: Neben dem 51-jährigen Vater des nun aufgetauchten Mannes ein Ehepaar aus dem Nachbarhaus.

Die Einwohner von Nachterstedt in Sachsen-Anhalt haben nach dem Erdrutsch am Rand des dortigen Tagebausees am Sonntagabend kurzfristig Zugang zu ihren Wohnungen erhalten. Rund 40 Anwohner bekamen die behördliche Genehmigung, die wichtigsten persönlichen Gegenstände zu bergen, wie ein Sprecher der Bergbau-Verwaltungsgesellschaft LMBV sagte. Ein Hubschrauber und Begleitpersonen standen bereit, um im Gefahrenfall einzugreifen. Die Bergung endete gegen 21.30 Uhr ohne Zwischenfälle. Bei dem Erdrutsch waren am Samstag zwei Häuser in die Tiefe gerissen worden. Vermutlich drei Bewohner wurden dabei unter Schlammmassen und Trümmern begraben.

Es bestehe die Gefahr, dass weitere Teile der Böschung abbrechen könnten, sagte der LMBV-Sprecher. Die Anwohner hätten dennoch die Erlaubnis erhalten, wichtige Dokumente, Erbstücke und andere wichtige Güter aus ihren Wohnungen zu holen. Sie konnten zu Fuß und mit Fahrrädern, jedoch nicht mit Fahrzeugen zu den Wohnungen gelangen. Am Montag sollte die Suche nach den Vermissten fortgesetzt werden.

Bei dem riesigen Erdrutsch am frühen Sonnabend morgen am Rande eines Tagebausees waren zwei Häuser in die Tiefe gerissen worden. Ein Areal von 350 mal 120 Metern rutschte in die ehemalige Braunkohletagebaugrube ab, insgesamt setzte sich nach Schätzungen von Experten rund eine Million Kubikmeter Erde in Bewegung. Auf dem Concordia-See entstand durch den Erdrutsch nach ersten Erkenntnissen eine Flutwelle.

Bei der Suche nach den drei Verschütteten des Erdrutsches von Nachterstedt ist derzeit offen, ob auch die Bundeswehr zum Einsatz kommt. Wie Oberstleutnant Andreas Meyer am Sonntag sagte, wird der Einsatz von Pionieren geprüft. Das größte Problem bei der Suche an der Abbruchstelle am Concordia-See stelle das Gelände mit losen Schlammmassen dar.

Der von einer zivilen Bergungsfirma erwogene Einsatz vom Robotern zur Suche sei inzwischen verworfen worden, sagte Meyer. Die Hoffnung, die seit dem frühen Samstagmorgen Verschütteten noch lebend zu finden, habe er noch nicht aufgegeben. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Meyer. Das hätten andere Unglücke gezeigt.

afp

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