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Panorama Nackte Babyleiche am Straßenrand: Rostock unter Schock
Nachrichten Panorama Nackte Babyleiche am Straßenrand: Rostock unter Schock
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16:19 26.05.2019
An der Mecklenburger Allee in Rostock wurde am Sonnabend eine Babyleiche am Straßenrand gefunden. Die Hintergründe sind noch völlig unklar. Quelle: Stefan Tretropp
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Rostock

Keine Polizei-Absperrungen, keine Flecken im Gras. Wirklich nichts deutet an der Mecklenburger Allee mehr auf das Grauen hin, das sich wenige Stunden zuvor hier – im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen – abgespielt haben muss. Am Sonnabendnachmittag gegen 15 Uhr entdeckte eine Fußgängerin am Straßenrand einen toten Säugling. Nackt, weggeworfen wie Abfall. Nun laufen die Ermittlungen auf Hochtouren: Noch am Sonntag wurde die Babyleiche in der Rostocker Rechtsmedizin obduziert. Doch auf die dringendsten Fragen gibt es noch keine Antworten: Wer ist die Mutter des kleinen, toten Menschen? Wie starb der Säugling? Und warum griff keines der vielen Hilfsangebote für Schwangere und Mütter?

Warten auf die Obduktionsergebnisse

„Wir wissen wirklich noch gar nichts. Die Ermittlung stehen ganz am Anfang“, sagte Oberstaatsanwalt Harald Nowack, Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Rostock, am Sonnabend der „Ostsee-Zeitung“ (OZ). Viel Neues haben die Ermittler seitdem nicht herausgefunden: Die Kripo hat Zeugen aufgerufen, sich mit Hinweisen an die Fahnder zu wenden. Hat jemand an der Mecklenburger Allee gesehen, wie dort etwas abgelegt wurde? Kennt jemand eine Frau, die gerade noch hochschwanger war und nun ohne Baby unterwegs ist? „Es sind einige Hinweise bei uns eingegangen“, berichtet Maik Hensel, Polizeiführer vom Dienst im Rostocker Präsidium. Konkreter wird er nicht. Auch Oberstaatsanwalt Nowack sagt lediglich, dass allen Anrufen und Tipps nachgegangen werde. „Zielführende Hinweise waren aber noch nicht dabei.“

Nach OZ-Informationen war der Säugling erst wenige Stunden alt. Er soll noch die Nabelschnur an sich gehabt haben. Anwohner berichten, bereits am Sonnabend seien Polizisten mit Spürhunden in Lichtenhagen unterwegs gewesen. Wenige Hundert Meter vom Fundort der Babyleiche entdecken die Ermittler Blutspuren an einer Tischtennisplatte. Sie sichern Spuren, auch DNA-Proben. Wurde das Kind hier geboren? Kam es bereits tot zur Welt oder starb es am Straßenrand? Gar an einer Gewalttat? „Ob es einen Zusammenhang zu dem Leichenfund gibt, können wir noch nicht sagen. Wir erwarten, dass wir nach der Obduktion mehr wissen“, sagt Harald Nowack. Die Untersuchungen in der Rechtsmedizin haben am Sonntag begonnen. Unklar sei aber, wann die Ergebnisse vorliegen. Möglicherweise müssten noch toxikologische Gutachten oder Ähnliches eingefordert werden. Er rechnet frühestens am Montag mit ersten belastbaren Auskünften der Rechtsmediziner. „Das ist auch für uns ein schrecklicher Fall. Besonders schlimm wäre es natürlich, wenn jemand dem Baby das Leben genommen hätte. Das wissen wir aber noch nicht.“

Entsetzen im Stadtteil

In dem Rostocker Stadtteil ist das Entsetzen über den Fund der Babyleiche spürbar. Der Fundort liegt direkt gegenüber von neuen Reihenhäusern. In den kleinen Gärten spielen an diesem Sonntagnachmittag Eltern mit ihren Kindern. „Ich kann das gar nicht begreifen. Ich verstehe das nicht“, ruft ein junger Vater über den Gartenzaun. Und er drückt seine kleine Tochter noch ein Stück fester als sonst an sich. Auf einem Spielplatz ganz in der Nähe spielen eine Mutter und ein Vater mit ihren drei Kindern. Die beiden Kleineren schaukeln, der Große tobt auf der Rutsche und sein Papa zieht sichtlich mitgenommen an seiner Zigarette: „Wir haben da gestern Abend schon in der Kneipe drüber geredet. Das ist wirklich schrecklich.“

Auf dem Gehweg an der Mecklenburger Straße ist eine Familie mit ihren Kindern unterwegs – auf dem Weg ins Wahllokal. „Mir zerreißt es das Herz. Wie verzweifelt muss die Mutter gewesen sein?“, sagt die 38-Jährige. Ihr Mann (40) habe am Sonnabend noch die Rettungswagen am Fundort gesehen. „Es ist furchtbar, dass so etwas auch vor unseren Haustüren passiert“, sagt er. Er hat kein Verständnis für die Mutter, die ihr Kind weggeworfen hat: „Für solche Fälle gibt es doch die Babyklappe.“ Und: „Was wäre gewesen, wenn ein Kind die Leiche gefunden hätte?“

Auch in den sozialen Netzwerken sind viele Nutzer geschockt: „Sowas ist nicht zu entschuldigen – egal, in welcher Situation man sich befindet. Kinder sind immer die Unschuldigen“, schreibt Petra Müller bei Facebook. Und Melanie Schulz kommentiert: „Meine Kinder sind das Größte für mich! Ich bin so fassungslos, wie man zu solch einer Tat fähig sein kann.“ Verena Frank formuliert ihre Trauer so: „Manchmal wünscht man sich wirklich, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein! Armer kleiner Schatz!“

Stadt will Ermittler unterstützen

Rostocks Jugend- und Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) hatte bereits am Sonnabend auf die Nachrichten aus Lichtenhagen reagiert: Alle zuständigen Stellen der Hansestadt – das Jugendamt etwa – würden die Polizei und die Staatsanwaltschaft nach allen Kräften unterstützen. „Das Jugendamt bietet immer Unterstützung an - mit den Beratungsstellen für Schwangere und junge Eltern, mit der anonymen Geburt und wenn es sein muss auch der Babyklappe. Wir lassen niemanden allein“, verwies er auf die Hilfsangebote der Stadt, die offenbar in diesem Fall nicht gegriffen hätten. Auch der Lichtenhäger Ortsbeiratsvorsitzende Ralf Mucha (SPD) sagt: „In der heutigen Zeit muss kein Kind, keine Schwangere, keine Mutter ohne Hilfe sein. Es ist unfassbar, dass so etwas trotz aller Angebote noch passieren kann. Mir fehlen die Worte.“

Von RND

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