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Panorama Quittiert Daniel Craig den Geheimdienst?
Nachrichten Panorama Quittiert Daniel Craig den Geheimdienst?
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00:17 29.10.2015
Von Stefan Stosch
Daniel Craig als James Bond in "Casino Royale". Quelle: dpa
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London

Mit der königlichen Familie steht James Bond schon länger auf vertrautem Fuß. Schließlich durfte er die Queen 2012 bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im Buckingham-Palast abholen. Mit dem Tandem-Fallschirm sprangen die beiden über dem Stadion ab. Jedenfalls sah es in einer wunderbar selbstironischen Luftnummer so aus.

So dürfte die "Königliche Premiere" Bond-Darsteller Daniel Craig nicht sonderlich beeindrucken, bei der Prinz William, Herzogin Kate und Prinz Harry erwartet werden. Der royale Nachwuchs möchte am Montag in der Royal Albert Hall zu den Ersten gehören, die den 24. Bond-Film "Spectre" sehen (deutscher Start: 5. November).

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So urteilen die Kritiker

Es hat sich gelohnt: Die ersten Kritiken britischer Zeitungen zum neuen "Bond" reichen von zurückhaltend bis schwer begeistert: "Guardian"-Kritiker Peter Bradshaw schreibt beispielsweise, "Spectre" sei wunderbar, aufregendes, spektakuläres, "fast opernhaft-irres 007-Abenteuer". "Es ist zutiefst albern, aber sehr unterhaltsam. Zum Schluss fühlte ich mich fast ein wenig schlecht, so viel Spaß gehabt zu haben – fast."

Beim Branchenblatt "Variety2 ist man ebenso begeistert. Hauskritiker Guy Lodge stellt zufrieden fest, dass "Spectre" die Ikonografie der alten Tage wieder aufleben lasse. Ähnlich sehen das die Kritiker des "Telegraph". Dort heißt es, der Film sei "ein Fest purer Kino-Geisterbeschwörung".

Der "Hollywood-Reporter" allerdings ist weniger begeistert: "Der erste Akt ist großartig, voller böser Omen und bravourös inszeniert. Doch die letzte Stunde enttäuscht, mit zu vielen Plotwendungen von der Stange und zu vielen klischeehaften Figuren."

Angeblich sollen die Dreharbeiten zu "Spectre" rund 300 Millionen Dollar verschlungen haben. Eine Summe, die den neuen „Bond“ laut "Telegraph" zum teuersten Film aller Zeiten machen würde. Insgesamt also durchaus wohlwollende Kritiken, vor allem der Vorspann sei grandios wie selten inszeniert. Ein klassischer "Bond" also.

Für Daniel Craig könnte es zugleich die letzte "Bond"-Premiere sein. Seit einem Jahrzehnt und in nunmehr vier Filmen erfüllt er seinen Job als Beschützer Englands und des Rests der Welt. Jüngst hat der 47-Jährige in Interviews seine Amtsmüdigkeit durchscheinen lassen – einmal sogar erfrischend drastisch. Ob er sich vorstellen könne, seinen Vertrag zu verlängern? Craigs Antwort: "Lieber würde ich dieses Glas hier zerbrechen und mir die Pulsadern aufschlitzen."

Okay, da lagen gerade strapaziöse achtmonatige Dreharbeiten hinter ihm, in denen er rund um die Welt gejettet war. In Mexiko verletzte er sich angeblich so schwer am Knie, dass die Produktion auf der Kippe stand. Bei einem 300-Millionen-Projekt lastet auch auf dem Meniskus viel Verantwortung.

Zudem folgen erst noch die nervigen PR-Touren mit immer denselben Ritualen: Am Mittwoch werden Craig und sein Gegenspieler in Gestalt des zweifachen Oscar-Preisträgers Christoph Waltz in Berlin erwartet. Gut möglich also, dass Craig tatsächlich übers Aufhören nachdenkt. Der Zeitpunkt des Abschieds wäre gut gewählt: Für ihn ist es gerade am schönsten.

Dabei hatte alles so peinlich begonnen. Im Speedboot wurde Craig der wenig geneigten Öffentlichkeit vorgestellt. Wie jeder andere Schlauchbootfahrer auf der Themse trug auch er eine Rettungsweste. Die Fans lachten sich schlapp. Was für ein Weichei, dazu noch eines mit blonden Haaren und gerade einmal 1,78 Meter klein. Die "Bond"-Gemeinde setzte alles daran, seine Besetzung zu verhindern. Bond, der Werbeträger für Luxusuhren, Luxusautos und Luxusgetränke, ist schließlich immer noch eine nationale Ikone.

Wieder mehr als eine Agenten-Comicfigur

Heute aber wird Craig von vielen als bester Bond gefeiert. Allein Ur-Bond Sean Connery hat vielleicht noch knapp die Nase vorn. Craig aber gebührt das Verdienst, dem von seinem Vorgänger Pierce Brosnan zur Comicfigur zugerichteten Agenten neue Glaubwürdigkeit eingehaucht zu haben.

Und: Bond nimmt die Sache persönlich. In "Skyfall" wurde er mit den Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert. In den schottischen Highlands durfte er sogar weinen! In "Spectre" erklärt ihm nun ein undurchsichtiger Gegenspieler, dass er der Urheber aller Schmerzen Bonds sei – die beiden kennen sich schon länger. Nach Worten von Regisseur Mendes soll der neue Film aber viel heller und lichter als der vorherige ausfallen. Klingt, als hätte Bond seine persönliche Krise überwunden und könnte sich neuen Herausforderungen stellen.  

Das schwierige Kinoleben nach James Bond

Die härteste Aufgabe steht Craig in jedem Fall noch bevor: ein Leben ohne Bond. Zwar hat er auch schon ohne Smoking und Walther PPK einige erinnerungswürdige Kinoauftritte hingelegt, etwa in "Road to Perdition" (da lernte er Regisseur Mendes kennen). Ebenso war er in Steven Spielbergs "München" dabei oder in David Finchers "Verblendung", dem ersten Teil der "Millennium"-Trilogie.

Doch auch Sean Connery brauchte sehr, sehr lange, um sein Kino-Agentenleben abzuschütteln. Vielleicht ist es aber auch gar nicht an Craig, über seine Zukunft zu entscheiden. Nach "Spectre" läuft der langjährige Vertrag zwischen Sony und der Produktionsfirma Metro-Goldwyn-Mayer aus. Halb Hollywood dürfte sich um die „Bond“-Rechte bewerben. Eine lukrativere Filmreihe gibt es kaum: Craigs vier Filme spielten weltweit 2,2 Milliarden Dollar ein. Bekäme etwa Warner den Zuschlag, dürfte ein Durchstarten mit runderneuertem Spion der eigene Anspruch sein.

Daniel Craig ist jeder Nachfolger Recht

Die Spekulationen um Craigs Nachfolge sind jedenfalls in vollem Gang. Hoch gehandelt werden Tom Hardy ("Mad Max") und Damian Lewis ("Homeland"). Auch Idris Elba ("Mandela") könnte Chancen haben. Diese Neubesetzung würde den konservativen Fans ganz neue Flexibilität abverlangen: ein schwarzer James Bond! Da könnte der Mann ja gleich für den chinesischen Geheimdienst spionieren.

Andererseits: Auch in Hollywood sickert langsam durch, dass es an der Zeit sein könnte, gesellschaftlichen Veränderungen zu folgen. Craig wäre nach eigenen Worten jeder Nachfolger recht: "Wer es wird, ist mir ehrlich gesagt scheißegal. Ich wünsche der Person viel Glück und hoffe, dass sie es noch besser macht", hat er gesagt. Allerdings wollte er nicht ausschließen, dass er doch noch die ein oder andere Weltenrettung ranhängt. Besser als Craig macht es vielleicht nur Craig selbst.

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