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Panorama Niedersachsen soll sich zu Gymnasien bekennen
Nachrichten Panorama Niedersachsen soll sich zu Gymnasien bekennen
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19:29 20.05.2013
Von Saskia Döhner
Er ist der neue Chef der Direktorenvereinigung: Dieter Stephan. Quelle: Döhner
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Hannover

Es reiche nicht aus, dass der SPD-Spitzenkandidat im Wahlkampf gesagt habe, er habe nichts gegen Gymnasien, findet Stephan. Oder dass Weil selbst und sein Sohn schließlich auch ein Gymnasium besucht hätten. „Wir Schulleiter erwarten von der Landesregierung eine klare Zusage der Wertschätzung und der Unterstützung der Gymnasien“, betont Stephan.

Der 59-Jährige leitet das Gymnasium Oedeme in Lüneburg. Er warnt vor einer Bevorzugung der Gesamtschulen. Wer Chancengleichheit postuliere - wie Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) - dürfe nicht nur einseitig in Gesamtschulen investieren, sondern müsse auch die öffentlichen Gymnasien fördern, sagt der Chef der Direktorenvereinigung. Eine Idee zur Stärkung der Gymnasien hat Stephan schon: die Senkung der Klassenobergrenze. Derzeit dürfen 32 Schüler in einer Gymnasialklasse sitzen. Im 5.Jahrgang liegt die Obergrenze bei 30, im 10.Jahrgang bei 26 Schülern. Bildungsverbände und Erziehungswissenschaftler fordern seit Jahren, dass nicht mehr als 25 Kinder in einer Klasse unterrichtet werden sollen.

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Für Stephan sind öffentliche Gymnasien, in denen „Kinder aus Arbeiterfamilien neben Kindern aus Ärztefamilien lernen“, das beste Bollwerk gegen den Trend zu teuren Privatschulen. Schon jetzt besuchten bundesweit neun Prozent der Kinder eine Privatschule, sagt Stephan. Es sei ein fataler Trugschluss, den Begriff Chancengleichheit allein mit der Gesamtschule gleichzusetzen.

Die Schulgesetznovelle betrachtet er denn auch mit Misstrauen. Danach sollen ab dem Sommer auch neue Gesamtschulen zugelassen werden, die nicht mehr fünf, sondern nur noch vier Parallelklassen pro Jahrgang aufweisen. Im Ausnahmefall sind auch dreizügige Gesamtschulen erlaubt. „Für Gymnasien auf dem Land werden die kleinen Gesamtschulen eine Konkurrenz sein“, meint Stephan.

Am vergangenen Freitag hatten Landeseltern- und Landesschülerrat sowie die kommunalen Spitzenverbände bei einer Anhörung im Kultusausschuss des Landtages die Regierungspläne grundsätzlich begrüßt. Die Elternvertreter warnten jedoch davor, allzu kleine Schulen zuzulassen, unabhängig von der Schulform. Egal ob Gymnasium, Oberschule oder IGS - ohne eine bestimmte Größe könne kein vernünftiges pädagogisches Angebot vorgehalten werden, sagte Landeselternratsvorsitzende Sabine Hohagen.

Skeptisch ist der Lüneburger Rektor Stephan auch gegenüber dem Plan der rot-grünen Regierung, das Sitzenbleiben durch individuelle Förderung überflüssig zu machen. „Wir nehmen den Auftrag, möglichst viele Schüler zur Reifeprüfung zu führen, sehr ernst“, sagt er. „Aber es gibt immer wieder Kinder, die überfordert sind.“ Da sei es sinnvoll, darüber nachzudenken, eine Klasse zu wiederholen oder gar die Schule zu wechseln. Das Sitzenbleiben oder die Abschulung, etwa vom Gymnasium auf die Realschule, von Gesetzes wegen zu verbieten wie in Hamburg, hält die Direktorenvereinigung für falsch. Gleichwohl müsse man über Reformen der Versetzungsordnung nachdenken, meint auch Stephan. Über das Argument, dass manche Wiederholer geistig abschalteten, wenn sie den Stoff lernen, den sie schon aus dem Vorjahr kennen, dürfe man nicht einfach hinweggehen.

Das verkürzte Abitur an Gesamtschulen will Ministerin Heiligenstadt verhindern. Ob die Gymnasien an der Reifeprüfung nach acht Jahren festhalten oder zu neun Jahren zurückkehren, ist ein Thema, das beim Bildungsgipfel am 10.Juni diskutiert werden soll. Von einem Abitur der zwei Geschwindigkeiten an einem Gymnasium hält Stephan nichts: „Das bringt nur organisatorisches Chaos.“ Von einem offenen Dialog mit der Ministerin erhofft sich Stephan viel - wenn der Dialog so offen geführt werde, wie es Heiligenstadt verspreche. Die CDU hält das Angebot der Ministerin für scheinheilig. „Wozu einen Dialog führen, wenn das Ergebnis schon feststeht?“, fragt Bildungsexperte Kai Seefried.

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