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Panorama Polizei sucht Ausbrecher Michalski in Bielefeld
Nachrichten Panorama Polizei sucht Ausbrecher Michalski in Bielefeld
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20:07 30.11.2009
Von Heinrich Thies
Straßenkontrollen in Bielefeld. Quelle: ddp
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Die Polizei vermutet, dass der 46-Jährige am Montag in der Frühe mit einem Regionalzug von Mülheim an der Ruhr nach Bielefeld gefahren ist. Auch Spürhunde nahmen daher am Hauptbahnhof seine Fährte auf. Doch nach einer heißen Spur suchten sie vergebens. Ergebnislos verlief ebenfalls die Befragung von Bekannten und Verwandten des Gesuchten, der aus Herford stammt. Etliche Häuser und Wohnungen wurden durchsucht, doch nichts deutete auf Michalski hin. „Im Moment hängen wir ein bisschen in der Luft“, gesteht der Bielefelder Polizeisprecher Martin Schulz. Denkbar sei auch, dass Michalski sich an einem ganz anderen Ort in Deutschland aufhalte.

Die Fahnder gehen jedoch davon aus, dass der zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte Straftäter nach Bielefeld geflohen ist, um seine Ortskenntnis für die Suche nach einem geeigneten Unterschlupf zu nutzen. In Ostwestfalen verübte Michalski den Großteil seiner zahlreichen Straftaten. Während eines Hafturlaubs erschoss er in der Nähe von Bielefeld im Jahr 1993 einen Komplizen.

Der frühere Mitgefangene Michael Heckhoff, mit dem Michalski am Donnerstagabend aus dem Aachener Gefängnis geflüchtet war, wurde bereits am Sonntag von einem Sondereinsatzkommando in Mülheim festgenommen. Die beiden Männer hatten offenbar mehrere Stunden in einem Mülheimer Hochhaus verbracht. In einem abgelegenen Hochhausflur fand die Polizei eine Tasche mit Schmutzwäsche der beiden. Kurze Zeit später erhielten die Ermittler einen Hinweis auf Michalski und hofften bereits auf eine unmittelbar bevorstehende Festnahme. Doch die Hoffnung erwies sich als verfrüht.

Schließlich wandte sich die Kölner Polizei über Rundfunk und Fernsehen mit einem Appell an den Gewaltverbrecher: „Beenden Sie Ihre Flucht, bevor Menschen zu Schaden kommen.“ Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass Michalski nicht daran gelegen sei, Menschen zu verletzen. Keine der Geiseln ist von den Verbrechern verletzt worden. Doch es bestehe die Gefahr, dass es zu Kurzschlusshandlungen komme. Die Ausbrecher haben während ihrer Flucht drei Autos gekapert und dabei zwei Taxifahrer und eine Kölner Schülerin in ihre Gewalt gebracht. Am Sonnabendmorgen waren sie mit Waffengewalt in das Haus eines Essener Ehepaares eingedrungen, hatten dort gegessen, getrunken, geduscht, abwechselnd geschlafen, fern gesehen und die Eheleuten schließlich nach neun Stunden gezwungen, sie nach Mülheim zu fahren.

Bei dem Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt Aachen spielte ein Gefängniswärter die entscheidende Rolle. Wie die Sprecherin des Justizministeriums in Düsseldorf im Gespräch mit dieser Zeitung bestätigte, öffnete der 40-Jährige den beiden Schwerverbrechern fünf hochgesicherte Türen, schleuste sie auf diese Weise vom Gefängnistrakt zur Außenpforte der Vollzugsanstalt und händigten ihnen am Ende noch zwei Dienstwaffen aus – einschließlich jeweils acht Schuss Munition.

Daraufhin überwältigten die Männer einen Justizbeamten in der Kraftfahrzeugschleuse. Sie fesselten den Mann mit einer anstaltseigenen Handschelle, knebelten ihn und zogen ihm einen Sack über den Kopf. Damit war der Weg in die Freiheit geebnet. Als zwei Justizbedienstete in der JVA die Verfolgung aufnehmen wollten, blieb das Tor verschlossen. In der Pforte saß der Fluchthelfer und starrte seine beiden Kollegen nur apathisch an.

Am Freitag war der Vater von zwei Kindern festgenommen und in einem anderen Bundesland in Untersuchungshaft genommen worden. Der Mann habe sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, teilt das Justizministerium mit. Aufnahmen von festinstallierten Videokameras sollen jedoch seine Rolle als Fluchthelfer dokumentieren.

„Möglicherweise ist er erpresst worden, möglicherweise ist er bestochen worden“, sagte die Leiterin der Justizvollzugsanstalt, Reina Blikslager. „Das wissen wir alles noch nicht.“ Mit Frust über ein zu hohes Arbeitspensum lasse sich das Verhalten des Mannes jedenfalls nicht erklären, betonte die Anstaltsleiterin. „Ich habe absolut kein Verständnis für solch hochkriminelles Verhalten.“

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