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Panorama Regionalexpress rast an Bahnübergang in Auto
Nachrichten Panorama Regionalexpress rast an Bahnübergang in Auto
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17:47 20.09.2011
Ein Regionalexpress ist in Sachsen an einem Bahnübergang auf ein Auto geprallt. Quelle: dpa
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Bad Lausick

Der rote Triebwagen liegt auf der Seite, quer zum Bahngleis. Die Rettungskräfte haben Leitern an den demolierten Waggon gelehnt, um Verletzte bergen zu können. 21 Menschen sind am Dienstag bei einem Zugunglück bei Bad Lausick (Kreis Leipzig) verletzt worden, sechs von ihnen schwer. Ursprünglich war sogar von fast 50 Verletzten die Rede gewesen. Die Bundespolizei korrigierte am späten Nachmittag aber ihre Angaben.

Kurz nach 13.00 Uhr ist der Regionalexpress 3736 im kleinen Ortsteil Lauterbach an einem Bahnübergang auf ein Auto geprallt. Der Zug entgleist. Der erste der vier Waggons kippt auf das grüne Feld, zwei weitere springen aus den Schienen, bleiben aber schräg geneigt stehen.

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Die Polizei hat die Unfallstelle großräumig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Ein Polizist blickt auf die Waggons, die wie zufällig hingeworfen aussehen. Rettungskräfte haben eine Frontscheibe aufgehackt. „Wenn der Zug auf die andere Seite gekippt wäre, wäre das anders ausgegangen“, sagt der Polizist. Dort stehen, vielleicht zehn, fünfzehn Meter vom Gleis entfernt, Einfamilienhäuser. Viele Anwohner sind zum Unglücksort gekommen. „Das ist wirklich schlimm“, sagt ein Mann kopfschüttelnd.

Der Unfall sei durch ein Auto auf den Schienen ausgelöst worden, berichtet der Sprecher der Bundespolizei, Torsten Henkel. Der 64 Jahre alte Fahrer sei aber unverschuldet auf die Schienen geraten: „Der Fahrer hat an der geschlossenen Halbschranke gehalten. Von hinten kam ein Transporter. Dessen 28 Jahre alter Fahrer hat das Auto vermutlich zu spät erkannt und falsch gebremst.“ Der Transporter schob das Auto auf die Schienen. Passanten hätten den 64-Jährigen buchstäblich in letzter Sekunden aus seinem Wagen ziehen können. „Im Pkw war niemand. Sonst hätte es einen Toten gegeben“, sagt Henkel.

Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Sachsen, Artur Stempel, ist am Nachmittag zum Unglücksort gekommen. 70 bis 80 Fahrgäste seien in dem Regionalexpress gewesen, sagt er. Und dann nennt er eine Zahl, die deutlich macht, wie viel Glück im Unglück die Menschen im Zug wohl hatten. „Wenn alles normal läuft, fährt der Zug hier mit 115 Kilometern in der Stunde durch.“ Die Wucht des Aufpralls und die Kräfte, die im entgleisenden Zug gewirkt haben, müssen enorm gewesen sein.

Dutzende Rettungswagen sind nach Lauterbach gekommen, um Verletzte in Krankenhäuser zu bringen. Hubschrauber landen und steigen mit den Schwerverletzen an Bord wieder auf. Die Aufräumarbeiten an der eingleisigen Strecke Chemnitz-Leipzig werden laut Stempel mindestens bis Mittwoch dauern. Schweres Gerät ist nötig, um die kaputten Waggons abtransportieren zu können.

dpa