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09:07 16.11.2011
„Biomineralwasser“ darf sich weiter Bio nennen – zum Ärger der Branche Quelle: dpa
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Hannover

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs klagte gegen die Brauerei. Die Verwendung des Begriffs „Bio“ sei irreführend und als Kategorie in der Mineral- und Tafelwasserverordnung auch gar nicht vorgesehen. Am Dienstag entschied das Oberlandesgericht Nürnberg in zweiter Instanz, dass die Brauerei ihr Quellwasser weiter als „Biomineralwasser“ verkaufen darf. Doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Kammer ließ eine Revision durch den Bundesgerichtshof zu.

Dem Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) hatte der Vorstoß der Neumarkter Lammsbräu, die jährlich rund 2000 Hektoliter Wasser unter dem Namen „Bio-Kristall“ absetzt, von Anfang an nicht gepasst: „Natürliches Mineralwasser unterliegt bereits den strengen Richtlinien der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung“, sagt VDM-Geschäftsführer Arno Dopychai. „Alle deutschen Brunnenunternehmen garantieren dem Verbraucher ein hochwertiges Naturprodukt.“ Nach Ansicht der klagenden Wettbewerbszentrale sind Mineralwässer per definitionem „Bio“, weil sie aus unterirdischen Wasservorkommen stammen, einen natürlichen Gehalt an Mineralien besitzen und von ursprünglicher Reinheit sind. Dem stimmte das Gericht in erster Instanz auch zu.

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Die Zeitschrift „Öko-Test“ (Juli-Ausgabe) allerdings ist zu anderen Ergebnissen gekommen, als sie 105 Wässer in Labore schickte. In rund 30 Prozent der Mineralwässer fanden sich Abbauprodukte von Pestiziden, sogenannte nicht relevante Metabolite, bei neun Prozent der Wässer wurde Uran nachgewiesen. Auch Arsen, Bor und Mangan – Substanzen, die das Krebsrisiko erhöhen – wurden gefunden.

Die Ökobrauerei aus der Oberpfalz, die vor allem für ihr Bier bekannt ist und auch die trendige Limonade „NOW“ herstellt, fühlt sich bestätigt. „Viele Schadstoffe sind in der Mineral- und Tafelverordnung von 1984 noch gar nicht erfasst“, sagt Brauereigeschäftsführerin Susanne Horn. Daher fordert sie ein europaweit gültiges Biosiegel für Mineralwasser. Die Familienbrauerei hat einen eigenen Kriterienkatalog mit 50 Richtlinien entwickelt.

Brauereichefin Susanne Horn kennt den Kampf gegen Behörden und die anhängigen Gerichtsverfahren. Vor etwa 25 Jahren, als Lammsbräu-Eigentümer Franz Ehrnsperger auf Ökoproduktion umstellte, hatte die Brauerei schon einmal private Richtlinien für das Brauen von Bier formuliert. Sieben Jahre später seien diese Richtlinien in die EG-Ökoverordnung übernommen worden, sagt Horn.

Immerhin bescheinigten die Richter der Brauerei gestern, dass ihr Kriterienkatalog erheblich niedrigere Grenzwerte für Inhaltsstoffe festsetze, als gesetzlich für Mineralwässer vorgeschrieben. Allerdings muss die Brauerei ihr selbst kreiertes Siegel neu gestalten – es ähnelt dem offiziellen Ökokennzeichen zu sehr.

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs will das Urteil prüfen. Ein einzelnes Unternehmen dürfe keine allgemeingültigen Definitionen etablieren, sagte die Justiziarin der Wettbewerbszentrale, Christiane Köber. „Das verwässert letztlich auch den Biobegriff.“

Stefanie Nickel