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Panorama Schweine-Tierheim eröffnet in Hessen
Nachrichten Panorama Schweine-Tierheim eröffnet in Hessen
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15:52 26.09.2011
Im zweiten Schweine-Tierheim Deutschlands werden ausgesetzte oder kranke Schweine aufgenommen und aufgepäppelt. Quelle: dpa
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Erlensee

Doris McGinness pflegt ein inniges Verhältnis zu ihren Schützlingen. Ihre Schweine hat sie zum Knutschen gern. „Ich schmuse und spiele gern mit ihnen“, sagt sie, nimmt wie zum Beweis ein Leckerli zwischen die Lippen und übergibt es mit einem feuchten Schmatzer an eines ihrer Lieblinge. So ungeniert geht es zu auf dem kleinen Hof der Frührentnerin in Erlensee. Östlich von Frankfurt hat die 47-Jährige ein Tierheim für Schweine in Not eröffnet. Es ist das zweite dieser Art in Deutschland und das erste in ihrer Heimat Hessen, wie sie stolz erzählt.

McGinness - eine tierliebe, lebenslustige und spontane Frau - ist auch zweite Vorsitzende der Schweinefreunde. Der Verein kümmert sich seit 2003 um Schweine und Minischweine. So etwa um die Exemplare, die mal als Haustier gedacht waren. „Die Leute holen sich so eines nach Haus’ und denken: Außergewöhnlich, wie süß, bleibt ja bestimmt so klein. Aber auch Mini-Schweine können über hundert Kilo schwer werden. Neulich haben wir eines aus dem sechsten Stock abgeholt. Die Halter sind damit nicht mehr klar gekommen.“ Oder Veterinäre schließen einen verwahrlosten Bauernhof. Wohin dann mit den Tieren?

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Dann werden die Schweine vermittelt. Irgendwohin, wo es die Tiere besser haben. Zum Beispiel bei Doris McGinness. Sie nimmt die Tiere schon seit Jahren. Jetzt aber professionell und mit Genehmigung der Kreisveterinäre. Vor wenigen Wochen hat sie nun ihr Schweine-Tierheim offiziell eröffnet. Auf dem Tor ihres Hofes prangt ein großes, rosafarbenes Schild, auf dem kopulierende Schweine zu sehen sind, oben drüber steht: „Pigs Paradise“.

Doris McGinness verteilt aber nicht nur Zärtlichkeiten an ihre aktuell neun borstigen Mitbewohner, überwiegend Mini-Schweine, die nicht so groß und schwer wie normale Schweine werden. Die Tiere bekommen unter anderem Lebensmittel aus dem Supermarkt, die sonst auf dem Müll landen würden. Ein Tierarzt schaut nach den Schweinen, wenn sie krank sind. „Der macht mir Spezialpreise“, freut sich die Leiterin. Auf ihrem Hof hat sie einige Pflegefälle: Einige litten an massivem Übergewicht und mussten erstmal abspecken. Flekje traf es besonders hart: Sie ist mittlerweile blind, taub und kann nicht gut riechen, wie McGinness mit sorgenvoller Miene berichtet.

Damit sich die Schweine bei Frau McGinness wohlfühlen, hat ihr Mann ihnen isolierte Hütten gebaut. „Damit ihnen im Winter nicht kalt wird.“ Ihre Nachbarn müssen tolerante Menschen sein, denn ihr „Pigs Paradise“ liegt nicht etwa in idyllischer Abgeschiedenheit auf dem Land, sondern inmitten eines dörflichen Wohnviertels. Die Schweine haben aber dennoch viel Platz auf dem 1100 Quadratmeter großen Anwesen.

Wenn Doris McGinness über ihren Hof geht, redet sie so liebevoll mit ihren Schweinen, als ob es kleine Kinder wären. „Es macht einfach Spaß. Man muss Schweine mal ins richtige Licht rücken. Das sind mehr als Schnitzel, die man essen kann“, sagt sie. Sie isst mittlerweile kein Schweinefleisch mehr. Sie bringt es nicht übers Herz. „Die Tiere sind so liebenswert und charmant. Mein Mann ist schon eifersüchtig, dass ich soviel Zeit mit ihnen verbringe“, sagt sie. Die Schweine dürfen bei ihr mit ins Wohnhaus.

Bei Sabine Duda ist das anders. „Einige sind so schwer. Das hätte den Effekt einer Abrissbirne“, sagt sie. Duda betreibt das erste und größte Schweine-Tierheim in Deutschland. 16 Borstenviecher behütet sie in Eversmeer in Ostfriesland. „Seit 2004 päppele ich die Tiere auf.“ Sie ist mittlerweile erste Vorsitzende der Schweinefreunde, die bundesweit mehr als 130 Mitglieder zählen. Tierfreunde können für die Schützlinge Geld spenden oder Patenschaften zwischen 150 und 200 Euro übernehmen. So finanziert sich die Einrichtung.
Dem Schweineparadies hat es Johannes auch zu verdanken, dass er nicht längst geschlachtet wurde. Das Edelschwein wurde als lebendes Spanferkel verschenkt. Die Beschenkten wollten es nicht. Und nun fristet Johannes im Norden seinen Lebensabend. Einige Dutzend Tiere pro Jahr werden über die Schweinefreunde im Internet vermittelt. Viele weitere stehen auf einer Warteliste. Einige Tiere haben es dann richtig gut - so wie bei Doris McGinness in Hessen.

dpa