Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Panorama Spanische Grippe: Die ganze Welt in Todesangst
Nachrichten Panorama Spanische Grippe: Die ganze Welt in Todesangst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 14.10.2018
Patienten, die an der Spanischen Grippe erkrankt sind, liegen in Betten eines Notfallkrankenhauses in der Militärbasis Fort Riley in Kansas (USA) (Aufnahme von 1918). Die Spanische Grippe entwickelte sich ab 1918 in drei Wellen bis 1920 zur schlimmsten Grippe-Pandemie der Geschichte mit 27 bis 50 Millionen, manchen Quellen zufolge sogar bis zu 100 Millionen Toten. Quelle: National Museum of Health and Medicine/dpa
Hannover

Vor 100 Jahren ging ein „Massenmörder“ um, der sogar den Ersten Weltkrieg in den Schatten stellte. Er raffte zunächst die Soldaten in den Schützengräben und ab Oktober 1918 die kriegsmüden Deutschen in der Heimat zu Hunderttausenden dahin. Der Killer war überall und er hatte viele Namen. Französische Militärärzte nannten ihn „Krankheit elf“, mehr ließ die Zensur nicht zu. Im Senegal hieß die Seuche „Brasilianische Grippe“, in Brasilien „Deutsche Grippe“. Die Igbo im Senegal nannten die Influenza „Ifelunza“.

Hängen blieb: „Spanische Grippe“. Damit wurde ein historischer Irrtum zementiert. Weil das neutrale Spanien, anders als die kriegführenden Nationen, offen über das Sterben im eigenen Land berichtete, glaubten die Zeitgenossen, „Patient Null“ sei ein Spanier gewesen.

Das US-amerikanische Rote Kreuz 1918 im Einsatz in St. Louis, Missouri. Quelle: akg

Tatsächlich war es wohl ein re­krutierter Bauernsohn aus Kansas oder ein chinesischer Reisbauer oder ein britischer Soldat an der Westfront. „Wer weiß es schon?“, sagt Mediziner Wilfried Witte. Der Privatdozent ist Oberarzt an der Berliner Charité und hat zur Spanischen Grippe geforscht.

Oft wird die Seuche als Randnotiz des Ersten Weltkriegs abgehandelt. Dabei infizierte sie in nur anderthalb Jahren jeden dritten Menschen. Sie tötete mindestens 20 Millionen, es gibt aber auch Schätzungen, die von 50 bis 100 Millionen Opfern ausgehen. Trifft die höchste Schätzung zu, hätte die Pandemie mehr Menschen getötet als die beiden Weltkriege zusammen. Umso irritierender ist, dass diese Seuche halb vergessen ist.

Das Fieber kam schlagartig

Das Grauen war im Herbst 1918 global. Amerikaner, Deutsche, Inuit in Alaska, südafrikanische Xhosa und Samoaner in der Südsee bekamen schlagartig Fieber und wurden kurzatmig. Oft erschienen innerhalb eines Tages mahagonifarbene Flecken auf ihren Wangen. Hände und Füße verfärbten sich bläulich-schwarz. Die Menschen starben so qualvoll, dass die Leichen wie verzerrte Dämonen aussahen. Bei der Autopsie entdeckten Ärzte geschwollene, mit blutigem Schaum gefüllte Lungen. Die Opfer waren quasi ertrunken. Ein Anblick, bei dem der renommierte US-Mediziner William Henry Welch ausrief: „Das muss irgendeine neue Infektion sein. Eine Art Pest.“

Tatsächlich war die Krankheit vertraut. Nur war das Virus, das normalerweise die saisonale Grippe auslöste, zu einer Bestie mutiert. Aber das wusste man damals noch nicht. In den USA hielt man den Pharmakonzern Bayer für den Schuldigen. Die Deutschen hätten die Kopfschmerztablette Aspirin zu einer Waffe umfunktioniert.

Beunruhigend war, dass die Seuche nicht vor allem die ganz Jungen und ganz Alten tötete, wie Menschen das kennen, sondern auch die vitalen 20- bis 40-Jährigen – unter ihnen sehr viele Soldaten. Roy Grist, Militärarzt in Camp Devens, Massachusetts, schrieb am 29. September 1918 an einen Kollegen: „Es dauert nur einige wenige Stunden, bis der Tod kommt. Und es ist ein einziger Kampf um Luft, bis sie ersticken. Es ist schrecklich.“

Polizisten in Seattle tragen Mundschutz. Quelle: The LIFE Picture Collection

Der Tod exerzierte mit, wie der Oberarzt Wilfried Witte ermittelt hat. „Große Menschenansammlungen unter hygienisch zweifelhaften Bedingungen – wie in Rekrutenlagern –, boten dem Virus perfekte Möglichkeiten“, sagt er. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt, dass 426 600 Todesfälle in Deutschland auf das Konto der Pandemie gehen – mehr als Rostock und Lübeck heute zusammen Einwohner haben. Die USA verloren rund 675 000 Menschen an die Grippe.

Zum Vergleich: Im Krieg waren 116 000 Menschen gefallen. Weltabgeschiedenheit bot keinen Schutz: Reisende entdeckten Wochen nach dem Seuchenzug, dass ganze Inuit-Dörfer in abgelegenen Teilen Alaskas von der Grippe ausgelöscht worden waren. Die Insel Westsamoa verlor 22 Prozent ihrer Einwohner. In Afrika blieb 1918 nicht als das Jahr des Kriegsendes in Erinnerung, sondern als das des großen Sterbens. Einer von 20 Bürgern Ghanas starb zwischen dem 1. September und dem 1. November.

Im Oktober 1918 steckte das Virus in Wien die Familie des Malers Egon Schiele an. Der 28-Jährige bangte um seine schwangere Frau Edith und ihr ungeborenes Kind. Als Ediths Atem immer keuchender wurde, zeichnete er mit Kreide das Porträt „Die Familie“, die so im Leben nie zusammenfinden konnte. Kaum hatte der Maler Frau und Kind beerdigt, legte er sich mit Schüttelfrost ins Bett. Drei Tage nach den beiden starb auch er an dem Virus.

Familien verloren ihren Ernährer

Millionen Familien verloren ihren Ernährer und ihre Zukunft. Nur wenigen eröffneten sich neue Möglichkeiten. So kassierten die Witwe und der Sohn eines nach Amerika ausgewanderten Pfälzers, der an der Grippe gestorben war, die Lebensversicherung. Sie investierten das Geld in Grundbesitz. Heute ist der Enkel des Einwanderers Präsident der Vereinigten Staaten. Sein Großvater hieß Friedrich Trump, nannte sich in den USA Frederick.

Die Ärzte waren hilflos. Die verängstigten Patienten wandten sich alternativen Heilmethoden zu. Der Aufstieg der Homöopathie begann. Und die Gesellschaft dachte um. Wo körperliche Anstrengung vorher als plebejisch galt, erhielt Sport nun königliche Weihen. Der von der Grippe genesene spanische König Alfons XIII. gab der Gründung eines Fußballclubs seinen Segen – der Real (königliche) Madrid FC entstand.

Neben Fußball kam in den Zwanzigerjahren aber auch das Rauchen in Mode, weil manche Militärärzte, glaubten, es würde die – erst 1933 entdeckten – Krankheitserreger ausräuchern. Es war ein schwacher Nachhall des mittelalterlichen Glaubens, Miasmen, also üble Ausdünstungen der Erde, würden Seuchen auslösen und Kräuterqualm könne den Pesthauch bannen.

Ein Patient mit Verdacht einer tödlichen tropischen Viruserkrankung wird auf der Isolierstation im Klinikum St. Georg während einer Katastrophenübung in Leipzig behandelt. Quelle: Jan Woitas/dpa

Und heute? Ist die Zeit der apokalyptischen Reiter, des fahlen Pferdes, auf dem der Tod sitzt, vorbei? Keinesfalls. Die Weltgesundheitsorganisation WHO listet jährlich Krankheiten auf, die das Potenzial zur Epidemie haben und „für die es keine oder unzureichende Gegenmaßnahmen gibt“, wie es bei der Organisation heißt. Die im Februar 2018 aktualisierte Liste nennt mehrere Infektionskrankheiten, darunter fünf mit schweren Blutungen einhergehende Fieber: Ebola, Marburg, Lassa, Krim-Kongo und Rift-Valley.

Dazu kommen das in Indien auftretende Nipah- sowie das eng verwandte Hendra-Virus, die tödliche Gehirnentzündungen auslösen. Zudem gibt es das von Mücken übertragene Zika-Virus, das bei Ungeborenen Hirnfehlbildungen bewirkt, und das von Dromedaren auf den Menschen übergesprungene MERS-Coronarvirus, das grippeähnliche Symptome und Lungenentzündungen auslöst. Laut dem Robert-Koch-Institut verliefen 40 Prozent der erstmals 2012 in Saudi-Arabien aufgetretenen Infektionen tödlich. SARS, eine schwere Atemwegserkrankung, die oft mit Durchfall einhergeht, wurde erstmals 2002 in China beobachtet. Diese Pandemie gilt als die mysteriöseste.

Angst vor der „Krankheit X“

Das Ende der Liste krönt eine „Krankheit X“. Sie steht für die Angst vor einer Pandemie durch einen unbekannten Erreger. Gegenüber dem britischen „Telegraph“ rechtfertigte John-Arne Rottingen, WHO-Berater und Leiter des norwegischen Wissenschaftsrates, die beunruhigende Maßnahme: „Die Geschichte lehrt uns, dass der nächste große Ausbruch wahrscheinlich etwas sein wird, was wir bislang noch nicht gesehen haben.“ Also müsse die Welt ihre diagnostischen Tests und Impfmittelproduktion flexibel planen.

Der Gedanke mag angesichts des Asphalts, Betons und Chroms um uns herum befremdlich sein, aber der Mensch kann sich nicht außerhalb der natürlichen Grenzen stellen. Wir bleiben Teil der Nahrungskette. Wir fressen – und wir werden zerfressen. Wird uns der Fortschritt vor neuen Seuchenzügen bewahren? Wohl kaum. Es ist eine Ironie der Menschheitsgeschichte, dass Fortschritt oft eher das Problem zu sein scheint als die Lösung.

Sprung von Mensch auf Tier

So wurde der größte gesellschaftliche Entwicklungssprung gleich zum Sündenfall. Vor etwa 14 000 Jahren tauschten einige Sippen im Nahen Osten ihr Leben als Sammler und Jäger ein gegen ein Leben auf der Scholle. Sie bauten Einkorn an, statt wildes Getreide abzuernten. Und sie züchteten Schafe, Ziegen, Schweine und Enten. Das Schlachtfest verdrängte die Jagd.

Die ständige Verfügbarkeit von Nahrung ließ die bäuerlichen Gemeinschaften wachsen. Es zogen nicht länger einzelne Familienverbände mit nur sporadischem Kontakt zu anderen Menschen durch die Weite. Es entstanden Dörfer und Städte. Der Preis war hoch: Die Viren, denen bisher nur Tiere als Wirte zur Verfügung standen, nutzten das: Mumps, Pocken, Tuberkulose ung Influenza pflügten durch die Massen. Krankheiten wie Masern sprangen sogar endgültig vom Tier auf den Menschen über.

Das Virus nötigt den Wirtskörper, Unmengen neuer Viren zu produzieren. Dabei kommt es oft zu Kopierfehlern beim Erbgut. So verhindert das Virus, dass sich das Immunsystem des Wirts zu gut auf ihn einschießt. Und so entstehen aus lästigen Plagegeistern wie der saisonalen Grippe mörderische Plagen wie die Spanische Grippe.

Mitarbeiter des Gesundheitsamtes desinfizieren im Rahmen des Kampfes gegen Ebola ein Gebäude des Krankenhauses in Mbandaka. Quelle: John Bompengo/AP/dpa

Die Industrialisierung führte den Viren in den Städten ständig neue Beute zu. Die Slums waren Krankheitsbrutstätten. Die Sterblichkeit etwa in London war so hoch, dass die Metropole an der Themse erst ab 1900 ihre Einwohnerzahl auch ohne stetigen Zuzug stabil halten konnte. Nicht anders sieht es heute in den Slums von Mexiko-City, Kingston, Buenos Aires, Nairobi, Bogotá oder Mumbai aus.

An diesen Orten ist der Immunisierungsgrad durch Impfungen gering. Keine Mutter dort wird Masern als „Kinderkrankheit“ verniedlichen, weil sie damit rechnen muss, die Hälfte ihrer Kinder an Krankheiten wie die Masern zu verlieren. An diesen Orten grassieren auch noch Cholera und Diphtherie. In der Gegenwart lassen neue Verkehrsmittel die Welt zum globalen Dorf schrumpfen – ein weiteres Geschenk für Viren, die schon immer zum Jetset gehörten.

Während die Pest mit der Geschwindigkeit von Segelschiffen und Ochsenkarren reiste, war die Spanische Grippe so schnell wie die Truppentransporter. Das HI-Virus nahm den Lkw. In den frühen Achtzigerjahren erfuhr es seine schnellste Verbreitung entlang der Fernstraße von Kampala nach Mombasa, dem sogenannten Aids-Highway. Das SARS-Virus ist in der Miles-and-more-Fraktion angekommen, umrundete die Welt mit dem Flugzeug in nur drei Tagen.

Fieber durch Modernisierung

Der Einsatz moderner Erntemaschinen in den Sechzigerjahren führte in Südamerika zum erstmaligen Auftreten des oft tödlichen Machupo-Fiebers. Mäuse hatten symptomfrei mit den Viren gelebt. Als sie von den Erntemaschinen zerhäckselt wurden, arbeiteten die Landarbeiter unwissentlich in einem Blutnebel. Dabei gelang dem Virus der Sprung über die Artengrenze. Als Ägypten in den Siebziger- und Mauretanien in den Achtzigerjahren Staudämme bauten, um Bewässerung und Stromversorgung sicherzustellen, begünstigten sie zugleich die Ausbreitung des Rift-Valley-Fiebers, das von Mücken übertragen wird.

Das Marburg-Fieber kam 1967 in die gleichnamige Stadt, als Grüne Meerkätzchen importiert wurden, die man zum Testen des Polio-Impfstoffes haben wollte. Das Dengue-Fieber ist mittlerweile in den USA endemisch, weil Tigermoskito-Larven im Wasser alter Autoreifen in die neue Welt mitreisten.

Aids und Ebola kamen über die Menschheit, weil diese ihren Lebensraum bis in den Dschungel hinein verlegt hat. „In den Neunzigerjahren rückten Hanta- und Ebola-Viren in den Fokus“, sagt Mediziner Witte. „Sie hatten ganz besonders hohe Todesraten und erinnerten an das Virus der Spanischen Grippe.“

Infektionskrankheiten im 20. Jahrhundert. Quelle: RND

Es sei keineswegs ausgeschlossen, dass auf eine wachsende Menschheit, die ihren Lebensraum ausdehnt, neue Zoonosen zukämen, also Krankheiten, die bisher unbemerkt in Tieren schlummern. Dabei würden Gesellschaften, die durch Krieg oder Migration destabilisiert seien, die Ausbreitung von Seuchen begünstigen. „Es geht nie um den Erreger allein“, betont Witte.

Der Nobelpreisträger und Virologe Joshua Lederberg meint, dass nur Viren evolutionär so erfolgreich seien wie der Mensch und dass nur Viren ihm die Beherrschung der Natur streitig machen könnten. Kein Wunder, dass die National Academy of Medicine 2016 kritisierte, dass die Welt zu wenig mache, um sich auf den Ausbruch von Seuchen vorzubereiten.

Zugleich sagte sie voraus, dass es innerhalb von 100 Jahren mit 20-prozentiger Wahrscheinlichkeit vier oder mehr Pandemien geben wird, wobei es sich bei einer davon um eine Influenza handeln wird – wie die im Jahr 1918.

Zum Weiterlesen:

Laura Spinney: „1918. Die Welt im Fieber“. Hanser Verlag. 384 Seiten, 26 Euro. Die Wissenschaftsjournalistin macht die Pandemie von der Fußnote der Geschichte zu einem Akteur.

Wilfried Witte: „Tollkirschen und Quarantäne. Die Geschichte der Spanischen Grippe“. Verlag Klaus Wagenbach. 144 Seiten, 10,90 Euro. Der Historiker und Arzt seziert nüchtern und präzise, wie das H1N1-Virus die Menschen überforderte.

Gina Kolata: „Influenza. Die Jagd nach dem Virus“. S. Fischer Verlag. 364 Seiten, 19,99 Euro. Packende Darstellung der Irrwege und Geniestreiche auf der Suche nach dem Erreger.

„Eine vergleichbare Seuche ist nicht auszuschließen“

Privatdozent Dr. Wilfried Witte arbeitet als Oberarzt für Anästhesie und Intensivmedizin an der Charité in Berlin. Als Historiker erforschte er die Spanische Grippe vor 100 Jahren. Quelle: privat

An keiner Seuche starben mehr Menschen als an der Spanischen Grippe. Wieso spielt sie in unserem kollektiven Gedächtnis eine viel schwächere Rolle als etwa die Pest?

Die Pest wütete häufiger über längere Zeiträume und stieß tiefgreifende gesellschaftliche Änderungen an. Sie hat sich langsam, über Jahrhunderte ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben. Die Spanische Grippe ebbte zu schnell ab, um als Schreckbild mit der Pest gleichzuziehen. Sie vollzog sich in den meisten Ländern in den Jahren von 1918 bis 1920 in drei Wellen. Die eigentlich tödliche Welle war die im Herbst 1918, der Seuchenzug vollzog sich dabei rasend schnell innerhalb von zwei Monaten.

Also kurz nach Kriegsende ...

Ja, noch in einer Zeit, die in der Wahrnehmung von anderen Dingen geprägt war. Die Trommelfeuer an den Fronten des Ersten Weltkriegs konfrontierten die Menschen mit unzähligen Gefallenen, extremen Entstellungen, neuen neurologischen Phänomenen wie den „Kriegszitterern“ und außerdem mit Hungersnöten in der Heimat.

Wieso raffte die Influenza 1918 vor allem die Jungen und Robusten mit ihrem an sich starken Immunsystem hin?

Betrachtet man die Altersverteilung bei den Opfern, entsteht tatsächlich keine U-Kurve, wie zu erwarten wäre – also mit dem Gros an Opfern bei den sehr Jungen und sehr Alten. Sondern es gibt eine W-Kurve, mit besonders vielen Opfern in der Gruppe der 20- bis 35-Jährigen. Die hohe Todesrate unter denen, die von den zeitgenössischen Ärzten als diejenigen mit kräftiger Konstitution klassifiziert worden waren, galt damals als besonders rätselhaft. Man kann davon ausgehen, dass das kräftige Immunsystem der Jüngeren besonders heftig reagiert hat, was zur Zerstörung von besonders viel Lungengewebe führte. Im Endeffekt richtete sich das Immunsystem so gegen den eigenen Körper.

Garantieren denn die weiterentwickelten Therapien, dass es nicht wieder eine derart verheerende Grippe-Pandemie geben wird?

1918 dürften viele Opfer an bakteriellen Sekundärinfektionen gestorben sein. Geht man davon aus, dass die Umgebungsfaktoren viel zur Tödlichkeit eines Virus beitragen, haben wir heute in Deutschland mit einem Arsenal von Antibiotika und einer Überflussgesellschaft gänzlich andere Bedingungen als vor 100 Jahren. Dennoch ist eine vergleichbare tödliche Seuche nicht auszuschließen. Allerdings erscheint mir das massenhafte Einlagern von Neuraminidase-Hemmern, die die Vermehrung der Viren eindämmen, indem sie ein Enzym hemmen, als fragwürdig. Tamiflu – um mal einen Markennamen zu nennen – ist ein Medikament mit einer nicht besonders hoch zu veranschlagenden Wirksamkeit. Von daher wäre es sehr fraglich, ob das Geld in dieser Form des Katastrophenschutzes gut angelegt wäre.

Und was ist mit der Grippeschutzimpfung?

Sie ist dagegen sinnvoll, ungeachtet der wachsenden Impfskepsis. Die geeignete Vorsorgestrategie bleibt das Impfen, gekoppelt mit der Virenüberwachung durch das Robert-Koch-Institut. Die vor Jahren hochfliegenden Träume, man könnte das Virengeschehen allein durch die Auswertung entsprechender Suchanfragen im Internet überblicken, sind mittlerweile geplatzt. Völlige Sicherheit gibt es nicht, es gibt aber auch keinen Anlass für Panik.

Steigert die leichtfertige Verschreibung von Antibiotika auch bei viralen Infektionen die Gefahr von Resistenzen und damit auch von gefährlichen Krankheitsverläufen?

Ja. Wir haben ein massives Problem mit zunehmenden Resistenzen – einerseits durch den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht, andererseits durch Fehlverschreibungen. Der Wunsch des Patienten darf dem Arzt bei der Ausstellung eines Rezeptes nicht die Feder führen.

Die heutigen Gesellschaften sind im Vergleich zu denen vor 100 Jahren sehr viel älter. Sollte Grippeschutzimpfung zur Pflicht werden?

In einer Demokratie wäre es vermessen, dies zur Pflicht zu machen. Nicht zuletzt, weil das ständig mutierende Virus Impfkampagnen ins Leere laufen lassen kann und der Schutz von Impfungen gerade bei älteren Menschen oft herabgesetzt ist.

Von Joachim Zießler

Schrecklicher Unfall auf einem Feuerwehrfest: Beim Abbiegen hat der Fahrer eines Einsatzwagens ein Mädchen übersehen und überfahren. Die Achtjährige erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen.

14.10.2018

Auf dem Weg nach Italien ist ein deutscher Reisebus mit Jugendlichen an Bord verunglückt. Bei dem Unfall wurden zahlreiche Insassen teils schwer verletzt. Eine Frau kam dabei ums Leben,

14.10.2018

Hunderte Fans verfolgten am Samstagabend die Ankunft von Hollywood-Star Patrick Dempsey beim Leipziger Opernball. Neben dem „Grey’s Anatomy“-Star liefen noch viele weitere Promis über den Roten Teppich.

14.10.2018