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Panorama Ernst August senior wirft Sohn Putsch vor – Strafanzeige gegen Vermögensverwalter
Nachrichten Panorama Ernst August senior wirft Sohn Putsch vor – Strafanzeige gegen Vermögensverwalter
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20:09 15.02.2019
Märchenhaft und sehr sanierungsbedürftig: Die Marienburg in Pattensen bei Hannover ist Streitpunkt zwischen Ernst August senior und seinem Sohn. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Streit ums Geld, heftige Auseinandersetzungen von Vater und Sohn – und eine Strafanzeige: Der Streit unter den Welfen, einem der ältesten Adelsgeschlechter Europas, erreicht einen neuen Höhepunkt. Ernst August von Hannover senior (64) hat seinen langjährigen Freund und Vermögensverwaltung Prinz Michael von und zu Liechtenstein und einen weiteren Vertrauten angezeigt.

In dem 54 Seiten starken Schreiben an die Staatsanwaltschaft Vaduz, das der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) vorliegt, erhebt er auch schwere Vorwürfe gegen seinen Sohn, Ernst August junior. Er wirft dem 35-Jährigen vor, ihn im Verbund mit den beiden anderen gegen seinen Willen als Vorstand der „Herzog-von-Cumberland-Stiftung“ abgesetzt zu haben.

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Ernst August senior erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen Sohn

In dieser Stiftung sind große Teile des verschachtelten Welfenvermögens zusammengefasst. Und der Welfenchef geht noch weiter: Sein Sohn, der Erbprinz, soll ferner geholfen haben, Geld aus der Stiftung zu veruntreuen, behauptet er.

Die Strafanzeige, aufgesetzt von der Salzburger Kanzlei Berlin & Partner, wirft dem Junior vor, seit Jahren mit Prinz Michael in Liechtenstein konspiriert zu haben. Der Vater sei am 7. Mai 2012 „treuwidrig und mit fadenscheinigen (falschen) Gründen“ als Mitglied des Stiftungsvorstands abgesetzt und „statutenwidrig“ durch seinen Sohn ersetzt worden.

Es ist von einem „Putsch“ unter Beteiligung des Erbprinzen die Rede

Sogar von einem „Putsch“ unter Beteiligung des Erbprinzen ist die Rede. Die Absetzung selbst ist allerdings auch von Caroline von Monaco unterstützt worden – der Ehefrau des Seniors. Wie groß das Vermögen ist, um das es dabei geht, wird nicht gesagt. Die Anwälte des Vaters listen lediglich auf, was dieser seinem Sohn 2004 geschenkt hat: „Liegenschaften, historisch bedeutsame Gebäude (Marienburg, Fürstenhäuser Herrenhausen, Hofstelle Calenberg) sowie wertvollste Kunstschätze“.

Um eben diese Marienburg, gelegen in Pattensen bei Hannover, ist innerhalb der Familie ein erbitterter Streit entbrannt. Ernst August Junior will das Schloss loswerden. Seine Begründung: Die Kosten wüchsen ihm über den Kopf. „Um es dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten, sind erhebliche Investitionen nötig. Mein Einkommen reicht dafür bei Weitem nicht aus“, sagte er kürzlich der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Und weiter: „Mit meinen Mitteln lässt sich eine nachhaltige Sanierung schlicht nicht realisieren. Für mich ist die Grenze des finanziell Machbaren erreicht.“

Ernst August junior hat Deal mit niedersächsischer Landesregierung ausgehandelt

Daher hat er mit der niedersächsischen Landesregierung ausgehandelt, dass das Land die Burg für einen Euro übernimmt. Dagegen aber läuft nun der Senior Sturm – und überzieht seinen Sohn mit Vorwürfen. Diese laufen im Kern darauf hinaus, dass der Junior das Schloss nicht verschenken könne, weil es ihm nicht rechtmäßig gehöre. Sein Sohn widerspricht: „Die Rechtslage ist eindeutig: Ich bin Eigentümer von Schloss Marienburg und als solcher auch uneingeschränkt im Grundbuch eingetragen“, sagte er der HAZ.

Auch die neuen Vorwürfe weist Ernst August Junior zurück. „Mein Vater und seine Anwälte versuchen seit einigen Wochen durch Streuung haltloser Unterstellungen die auf dem Tisch liegende Lösung zu verhindern“, sagte er der HAZ. Das Störmanöver solle nur vom eigentlichen Thema ablenken: der Frage, wie sich der Erhalt der Marienburg sichern lasse. Alle Vorwürfe seines Vaters entbehrten jeder sachlichen Grundlage und seien falsch. Aussagen zur Marienburg entsprächen nicht den vertraglich festgehaltenen Tatsachen.

Von Marco Seng und Simon Benne/RND