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Panorama Therapeut von Jan O.: „Damit hat keiner gerechnet“
Nachrichten Panorama Therapeut von Jan O.: „Damit hat keiner gerechnet“
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12:32 28.11.2010
Der mutmaßliche Doppelmörder Jan O. bei seiner Verhaftung.
Der mutmaßliche Doppelmörder Jan O. bei seiner Verhaftung. Quelle: dpa
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In der christlich geprägten Gemeinschaft hatte der alkohol- und drogensüchtige Jan O. bis Februar 2010 eine Entziehungskur gemacht. Ruß erzählte auch, dass Jan O. ihn nach den Morden - als diese noch nicht aufgedeckt waren - kontaktiert habe. Dabei ging es jedoch nicht um die Taten.

Während der Zeit in der Therapie habe es keine Hinweise darauf geben, dass der junge Mann zu solchen Verbrechen fähig sein könnte. „Wir waren alle geschockt. Damit hat keiner gerechnet“, betonte Ruß. „Er war anfangs eher ängstlich, zurückhaltend und misstrauisch.“ Mit der Zeit habe Jan O. sich aber geöffnet. „Er hat sich positiv entwickelt.“ Doch mit Konflikten habe er nicht umgehen können. Deshalb sei es immer wieder zum Streit mit anderen Patienten gekommen. „Es gab aber nie gewalttätige Auseinandersetzungen.“

Nach seiner einjährigen Therapie besuchte Jan O. nach Angaben von Rust weiter das Arbeitstraining in Amelith. Bei einer Urinkontrolle habe sich dann aber herausgestellt, dass er rückfällig geworden war. Daraufhin musste der Mann die Einrichtung verlassen. Zu Ruß hatte er aber weiterhin Kontakt. „Er ist wieder langsam in die Sucht abgerutscht“, sagte Ruß.

Kurz nach den Morden an Nina und Tobias - als diese allerdings noch nicht entdeckt waren - habe Jan O. ihn aufgesucht, um mit ihm über seine starken Alkoholprobleme zu sprechen. „Da war das Kind aber leider schon in den Brunnen gefallen, nur das wusste ich noch nicht. Von daher war ich umso geschockter“, sagte Ruß. „Ich glaube, jeder der mit ihm zu hatte, spürt eine Verantwortung.“

dpa

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