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Panorama Tsunami tötet mehr als 100 Menschen auf Samoa und Tonga
Nachrichten Panorama Tsunami tötet mehr als 100 Menschen auf Samoa und Tonga
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15:02 30.09.2009
Das Dorf Si’umu im Westen Samoas wurde vom Tsunami stark zerstört.
Das Dorf Si’umu im Westen Samoas wurde vom Tsunami stark zerstört. Quelle: afp
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Nach einem schweren Seebeben im Pazifik hat ein verheerender Tsunami auf den Samoa-Inseln und Tonga mehr als hundert Menschen in den Tod gerissen. Nach Augenzeugenberichten wurden am Dienstag ganze Dörfer und Ferienanlagen von bis zu siebeneinhalb Meter hohen Flutwellen weggespült. Ausgelöst wurde der Tsunami durch ein Seebeben der Stärke 8,0 vor der Küste Samoas.

Die Flutwellen rissen nach Behördenangaben mindestens 113 Menschen in den Tod: 84 Tote wurden allein aus Samoa gemeldet, mindestens 22 aus dem benachbarten Amerikanisch-Samoa. Auf Tonga starben mindestens sieben Menschen. Dutzende weitere galten als vermisst. Die Behörden rechneten mit einem Anstieg der Opferzahlen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurden auf den Samoa-Inseln mindestens zwei Berliner leicht verletzt. Sie seien ärztlich behandelt und wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Die beliebtesten Ferienanlagen auf Samoa seien total zerstört, sagte Vize-Regierungschef Misa Telefoni der australischen Nachrichtenagentur AAP. Am schwersten getroffen seien zwei kleine Inselchen vor der Hauptinsel Upolu. Einwohner und Touristen hätten trotz eines Frühwarnsystems kaum Zeit zur Flucht gehabt: Das Epizentrum des Bebens habe so nahe an Samoa gelegen, dass „nur Minuten“ geblieben seien, bis die Flutwellen eintrafen. „Alles ist platt. Es ist einfach platt. Es war so schnell, und nun ist alles weg“, berichtete die neuseeländische Urlauberin Graeme Ansell.

Ein einheimischer Journalist berichtete von verheerenden Zerstörungen im Süden und Südwesten Samoas. Ganze Küstendörfer seien von den Flutwellen weggerissen worden, vermutlich seien Tausende Menschen obdachlos geworden. Zahlreiche Menschen würden noch vermisst. In der Region, aus der die Nachrichten über Zerstörungen einträfen, gebe es rund siebzig Dörfer mit jeweils 300 bis 800 Einwohnern. Samoas Hauptstadt Apia wurde evakuiert.

Augenzeugen auf Amerikanisch-Samoa rund 100 Kilometer weiter berichteten von ins Meer gespülten Autos und zerstörten Gebäuden. Ein Augenzeuge sprach von einer rund neun Meter hohen Wasserwand. Nationalparkchef Mike Reynolds berichtete von großen Zerstörungen. Auf Tonga erklärte die Regierung die Nordinsel Niuatoputapu zum Katastrophengebiet. Das örtliche Krankenhaus, Regierungsgebäude und der Flughafen auf der Insel seien schwer beschädigt worden.

US-Präsident Barack Obama erklärte Amerikanisch-Samoa mit seinen rund 65.000 Einwohnern zum Katastrophengebiet und machte damit Bundesmittel für Nothilfen frei. Die EU stellte dem Internationalen Roten Kreuz eine Soforthilfe von 150.000 Euro für medizinische Hilfe, Trinkwasserversorgung und Notunterkünfte bereit. Caritas International entsandte ein Hilfsteam und rief zu Spenden auf. Auch Neuseeland und Australien kündigten Unterstützung an.

Der Tsunami wurde am Dienstagmorgen (Ortszeit) von einem schweren Seebeben der Stärke 8,0 auf der Richterskala vor der Küste Samoas ausgelöst. Das Epizentrum des Bebens lag rund 200 Kilometer südwestlich von Apia in 18 Kilometern Tiefe, wie die US-Erdbebenwarte USGS mitteilte, die die Erschütterungen um 06.48 Uhr Ortszeit (19.48 Uhr MESZ) aufzeichnete. Eine Tsunami-Warnung wurde für Neuseeland und mehrere kleine Insel-Staaten ausgegeben, später aber wieder aufgehoben. Auch Japan gab zeitweise eine Tsunami-Warnung aus.

Am Mittwoch erschütterte ein neues Beben der Stärke 7,9 die indonesische Insel Sumatra. Nach Angaben eines Mitarbeiters des geophysischen Instituts stürzten hohe Gebäude ein, darunter ein Hotel. Zu möglichen Opfern gab es zunächst keine Angaben. Im Jahr 2004 waren bei einem Tsunami nach einem Seebeben vor Indonesien 200. 000 Menschen ums Leben gekommen.

afp