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Panorama Über 90 Tote bei Tornado in Oklahoma
Nachrichten Panorama Über 90 Tote bei Tornado in Oklahoma
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13:24 21.05.2013
Foto: Trümmer, die ein Tornado in Oklahoma hinterlassen hat.
Trümmer, die ein Tornado in Oklahoma hinterlassen hat. Quelle: dpa
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Washington

Die Zahl der Todesopfer nach einem verheerenden Tornado im US-Staat Oklahoma steigt weiter an. Mindestens 91 Menschen seien ums Leben gekommen, sagte eine Gerichtsmedizinerin der Stadt Oklahoma City in der Nacht zum Dienstag der „New York Times“. Zuvor war von 51 Toten die Rede gewesen. Mehr als 230 Menschen seien verletzt worden, berichtete der Lokalsender KFOR-TV unter Berufung auf Behörden. Die Opferzahlen könnten noch steigen, hieß es.

HAZ.de-Leserin "Huskergirl05" war zum Zeitpunkt des Unglücks gerade mit dem Auto in Norman, einem Vorort von Oklahoma City ganz in der Nähe von Moore, unterwegs. Ein Radiosprecher verkündete, dass sich im Nordwesten von Norman ein Tornado bilde. "Unmittelbar darauf folgte nur noch: 'OMG – it's touching down! It's touching down! Seek shelter NOW, if you haven't done so yet!'", schreibt sie auf HAZ.de. Sie konnte dem Unglück noch gerade so entfliehen. "Ich bin noch nie so um mein Leben gefahren und gerannt."

In einer Vorstadt von Oklahoma-City machte der Sturm eine Grundschule dem Erdboden gleich. Unter den Trümmern wurden weitere Leichen befürchtet. Zahlreiche Kinder wurden zunächst vermisst. Einige hätten sich an sichere Zufluchtsorte retten können, berichtete der Fernsehsender CNN. Unter den Toten seien aber auch 20 Kinder, bestätigten die Behörden.

Der Tornado hinterließ außerhalb von Oklahoma City eine mehr als drei Kilometer breite Schneise der Verwüstung. Mehr als 300 Häuser seien zerstört worden, hieß es. Präsident Barack Obama versprach aus Washington Unterstützung für das Katastrophengebiet.

„Genau wie in dem Katastrophenfilm ’Twister’“, beschrieb ein Augenzeuge dem Sender CNN das Wirbelsturm-Chaos. Eine Frau erzählte, dass von ihrem Haus nur eine Wand stehen geblieben sei. „Alles andere ist weg“, sagte sie unter Tränen. Auch ihr Auto sei weggewirbelt worden.

Fernsehbilder zeigten die völlig zerstörte Plaza Tower Grundschule in der Vorstadt Moore. Auch das einzige Krankenhaus in Moore wurde schwer beschädigt. Der Tornado riss Teile des zweiten Stockwerks und des Dachs mit sich. 30 Patienten mussten in ein anderes Krankenhaus verlegt werden, berichtete der Sender FOX.


Präsident Barack Obama versprach Unterstützung aus Washington. Die Bundesregierung werde alle nötige Hilfe leisten, sagte Obama Gouverneurin Mary Fallin nach Angaben des Weißen Hauses in einem Telefongespräch zu.

Selbst erfahrene Retter äußersten sich schockiert über das Ausmaß der Zerstörung. "Es ist absolut furchtbar", meinte ein Rote-Kreuz-Helfer. Das Rote Kreuz richte unter anderem in Kirchen Notlager für Obdachlose ein.

Zwar hatten Meteorologen Unwetter für den Montag vorausgesagt. Aber es habe lediglich eine extrem kurze Vorwarnzeit von wenige Minuten vor dem Durchzug des Tornados gegeben, hieß es. Der Wetterbehörde zufolge zog der Wirbelsturm rund 40 Minuten auf einer Länge von etwa 30 Kilometern über den Boden hinweg.

Der bisher schwerste Tornado in Oklahoma hatte 1999 dieselbe Region schwer verwüstet. Damals kamen 36 Menschen ums Leben, mehr als 8000 Gebäude wurde beschädigt.

Basketball-Star Durant betet für Tornado-Opfer

Die NBA-Profis der Oklahoma City Thunder und viele andere US-Sportler haben sich betroffen über die Folgen des Tornados im Süden der USA gezeigt und zu Hilfe aufgerufen. "Bete für die Opfer des Tornados in OKC die letzten Tage. Passt auf euch auf", twitterte Basketball-Superstar Kevin Durant.

Wie sein Teamkollege Serge Ibaka oder Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers verbreitete der Olympiasieger den Aufruf, über eine Textnachricht Geld für die Opfer zu spenden. "Die Stadt wird zusammenrücken wie es schon bei vergangenen Unglücken war. Das ist Standard in Oklahoma und das macht diesen Ort aus", sagte Thunder-Manager Sam Presti.

"Es ist herzzerreißend und traurig und ich wünschte ich wäre da", sagte Baseball-Pitcher Jeremy Hefner von den New York Mets laut einem Bericht von "espn.com". Hefner hatte seinerzeit die Schule in einer Vorstadt von Oklahoma City besucht, die der verheerende Sturm nun dem Erdboden gleichmachte.

Tornados – verheerende Wirbelstürme

Tornados sind Wirbelstürme, die bei großen Temperaturunterschieden über dem Festland entstehen. Konstellationen dafür sind große Wolken, Gewitter und unterschiedliche Windrichtungen in verschiedenen Höhen.

Unter der Wolke steigt Warmluft nach oben. In diesem Gefüge entsteht eine rotierende Bewegung in der eigentlichen Wolke, die nach unten herauswächst und dann wie ein Rüssel aussieht. Dieser kann einen Durchmesser von einem Kilometer und Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde erreichen. Der Unterdruck im Zentrum des Tornados erzeugt einen Sog, hebt Hausdächer an und reißt alles in die Höhe – von Staub bis Autos.

Das am meisten für Tornadoeinfluss bekannte Gebiet ist der Mittlere Westen der USA. Dort trifft häufig die trocken-kalte Luft aus den Rocky Mountains mit feucht-warmer Luft vom Golf von Mexiko zusammen. In Mitteleuropa treten Tornados häufig bei Gewittern auf und lösen sich in der Regel nach wenigen Minuten wieder auf.

dpa/jos

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Saskia Döhner 20.05.2013