Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Panorama Urteil: 29-Jähriger prügelt Freundin tot
Nachrichten Panorama Urteil: 29-Jähriger prügelt Freundin tot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:46 16.08.2013
Der Angeklagte sei sich den Auswirkungen seiner Tat nicht bewusst gewesen, so sein Anwalt. Quelle: dpa
Anzeige
Kiel

Wegen eines tagelangen Gewaltexzesses, bei dem seine Freundin qualvoll verblutete, muss ein 29-Jähriger für zehn Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Kieler Schwurgericht verurteilte den Angeklagten am Freitag wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge. Einen Mord durch Unterlassen, für den der Staatsanwalt 14 Jahre und neun Monate Haft gefordert hatte, sah die Kammer nicht.

Angehörige regierten nach der über zweistündigen Urteilsbegründung lautstark und empört auf das Urteil. Noch im Gerichtssaal kam es zu tumultartigen Szenen, als Angehörige unter Beschimpfungen auf den Angeklagten zustürmen wollten. Justizbeamte mussten sie zurückhalten. Vor dem Saal wurden die Verteidiger des Mannes lautstark attackiert. Sie wollten das Gericht anschließend vorsorglich über einen Nebenausgang verlassen. Die Mutter hatte das Urteil unter Tränen angehört, am Ende aber auch ihrer Empörung Luft gemacht.

Das Martyrium der Opfers setzte nach den Feststellungen der Kammer am 6. November 2011 mit ersten Schlägen ein. Grund: rasende Eifersucht des Angeklagten. Der Mann, der schon in früheren Beziehungen immer wieder massiv zuschlug und deswegen mehrfach vorbestraft ist, verdächtigte die 20-jährige Freundin, ihn mit seinem Onkel zu betrügen. Bis zu ihrem Tod am 12. November schlug und trat der Angeklagte dann weiter zu, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann. Schließlich soll sie den Seitensprung gestanden haben. „Es spricht vieles dafür, dass er das Geständnis herausgeprügelt hat, aber sicher feststellbar ist das nicht“, erklärte das Gericht.

Übersäht mit Blutergüssen

Am Ende der Gewalttaten waren Gesicht und Körper der 20-Jährigen mit offenen Wunden und Blutergüssen übersäht. Nase, Kiefer und Rippen waren zum Teil mehrfach gebrochen. Die Frau verblutete nach innen und außen, wie es hieß. „Das Schlafzimmer sah verheerend aus, ihre Leiche war in gruseligem Zustand“, sagte Brommann. Dennoch konnte der Angeklagte nach Überzeugung des Gerichtes ihren Tod nicht vorhersehen. Er habe ihn auch nicht beabsichtigt, sagte der Richter. Er sei sich der Auswirkungen seiner Tat nicht bewusst gewesen. „Die inneren Blutungen waren für ihn nicht zu erkennen.“

Gegen den bedingten Vorsatz des Angeklagten spreche auch, dass er versuchte, die äußeren Wunden notdürftig zu versorgen. Er besorgte mehrfach Schmerzmittel, Verbandsmaterial und Kühlkompressen. „Das erzeugt bei der Kammer erhebliche Zweifel, dass er den Todeseintritt für möglich hielt,“, sagte der Vorsitzende. „Dass er ihn dann auch noch billigte, ist noch zweifelhafter.“

Berüchtig für Gewaltexzesse

Die junge Frau, die den Angeklagten erst kurz kannte und mit ihm bereits nach Sitten der Roma und Sinti verheiratet war, hatte unter seinem Einfluss ihren Lebensstil komplett geändert. Statt „Partymaus“ trug sie lange Röcke und blieb ungeschminkt. Wie schon in seinen früheren Beziehungen kontrollierte der Angeklagte aus Eifersucht auch ihre Handydaten und Telefonate, ließ sie nicht mehr allein aus dem Haus. Eine Ex-Freundin lag seinetwegen mit Kieferbruch längere Zeit im Krankenhaus. Mit einer früheren Freundin telefonierte der Angeklagte auch während des Martyriums der jungen Frau. Sie riet ihm vergeblich, sie ärztlich versorgen zu lassen.

Die Verteidigung hatte wegen Körperverletzung mit Todesfolge sechs Jahre Haft und eine Drogentherapie im Maßregelvollzug gefordert. Sie will ebenso wie Staatsanwalt und Nebenklage eine Revision prüfen. Der Staatsanwalt zeigte sich nicht überrascht vom Urteil. Mit dem Strafmaß von über zehn Jahren gebe die Kammer „das Signal, dass die Gesellschaft nicht bereit ist, solche Besitzergreifung und Gewalt hinzunehmen“.

dpa

Ihr Spazierstock kann töten, auch der Kugelschreiber ist eine Waffe: Im Baden-Württemberg haben die Ermittler zwei illegale Waffenhändler geschnappt, die 75 und 77 Jahre alt sind.

16.08.2013

Ein Oberarzt der Uniklinik Göttingen soll Patientendaten manipuliert haben, um schneller an Spenderorgane zu kommen. Für andere Schwerkranke bedeutete dies den Tod, meint die Staatsanwaltschaft. Am Montag beginnt der Prozess.

16.08.2013
Panorama Beerdigung in den Niederlanden - Königsfamilie nimmt Abschied von Prinz Friso

Die Niederlande trauern um Prinz Friso. Vier Tage nach seinem Tod wird der niederländische Prinz am Freitag beigesetzt. Friso war am Montag nach knapp eineinhalb Jahren im Koma an den Folgen eines Lawinenunglücks gestorben. Vor der Trauerfeier waren Beileidsbotschaften aus aller Welt eingegangen.

16.08.2013