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Panorama Schule schwänzen vor den Ferien: Bis zu 2500 Euro Strafe
Nachrichten Panorama Schule schwänzen vor den Ferien: Bis zu 2500 Euro Strafe
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17:57 22.05.2018
Kofferkinder: In einer Abflughalle des Flughafens von Frankfurt am Main sind Eltern mit ihren Kindern auf dem Weg zum Abflugschalter. Quelle: picture alliance / dpa
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Hannover

Die Ferien stehen an und mit dem ersten Ferientag steigen die Preise bei den Reiseveranstaltern und die Staus auf dem Autobahnen werden länger. Warum also nicht einfach schon ein paar Tage früher in den Urlaub jetten? Seit Jahren schon verlängern immer mehr Eltern die Ferien ihrer Kinde ohne Erlaubnis der Schule. Mit der Folge, dass in Bayern die Polizei am Flughafen einschreiten musste, um Familien am Terminal abzugreifen. Doch in vielen Bundesländern drohen Bußgelder. Was erlaubt ist und was nicht:

Was heißt eigentlich allgemeine Schulpflicht?

Die allgemeine Schulpflicht gilt in Deutschland seit 1919. Damals wurde der regelmäßige Besuch der Schule in die Weimarer Verfassung aufgenommen - als Recht, aber eben auch als Pflicht für alle. Der staatliche Erziehungsauftrag findet sich im Grundgesetz, die Details dazu sind Sache der Länder.

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Wann darf man sich vom Unterricht beurlauben lassen?

In besonderen Fällen kann die Schulleitung einem Kind eine Befreiung vom Unterricht erteilen. Gründe hierfür sind Arztbesuche, Krankheiten, Hochzeiten oder Todesfälle in der engsten Familie, ehrenamtlicher Einsatz oder Schüleraufenthalte im Ausland. Vor einer Unterrichtsbefreiung müssen Eltern oder volljährige Schüler einen Antrag beim Klassenlehrer oder der Schulleitung einreichen.

Und wenn man sich einfach vor den Sommerferien beurlauben lässt?

Das geht in den meisten Bundesländern nicht so einfach, da in den meisten Schulgesetzen ein Beurlaubungsverbot vor den Ferien erlassen wurde. So zum Beispiel auch in Nordrhein-Westfalen. Hier werden seit 2013 Pro Kind und Elternteil pro „geschwänztem“ Tag 80 Euro fällig.

Welche Strafen drohen, wenn ein Schüler unentschuldigt fehlt?

Wenn Schüler unentschuldigt fehlen, obliegt es den Städten und Kommunen Buß- oder Verwarngelder anzuordnen, deren Höhe sie selbst bestimmen. Die Spanne reicht von wenigen Euro pro Tag bis zu 2500 Euro, wie beispielsweise in Berlin. Dort wurde eine Mutter 2013 zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, weil sie nach Ansicht der Behörden ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt hatte. Ihr Sohn hatte an fast 1000 Tagen die Schule geschwänzt.

Wie häufig sind solche Bußgeldverfahren?

Im Schuljahr 2016/17 wurden allein in Berlin in mehr als 860 Fällen Bußgelder verhängt. In der Regel gehen Gespräche mit den Eltern voraus. Erst wenn die erfolglos bleiben, flattert der Bußgeldbescheid ins Haus. Mitunter versuchen die Vollziehungsbeamten vergeblich, das Geld bei den Familien einzutreiben. Oft seien die Betroffenen zu arm, um die Strafe zu begleichen, heißt es.

Von nl/dpa/RND