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Panorama Zahl der Toten steigt - Kinder sind besonders gefährdet
Nachrichten Panorama Zahl der Toten steigt - Kinder sind besonders gefährdet
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16:51 15.11.2010
Die Zahl der Cholera-Toten in Haiti steigt stetig.
Ein Arzt des Krankenhauses in Arcahie in der haitianischen Provinz Artibonite prüft die Lebenszeichen eines kleinen Jungen, der mit Cholera-Symptomen in die Klinik eingeliefert wurde. Quelle: dpa
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Die Zahl der Cholera-Toten im Krisenstaat Haiti ist erneut dramatisch gestiegen. Nach Angaben des haitianischen Gesundheitsministeriums starben bis zum Montag mehr als 900 Menschen. Infiziert wurden seit Beginn der Epidemie am 19. Oktober annähernd 15.000 Menschen. Besonders gefährdet sind vor allem die Kinder in den Slums, hieß es in der Hauptstadt Port-au-Prince. Damit ist Haiti zehn Monate nach dem Erdbeben mit 230 000 Toten ist Haiti in eine neue Katastrophe geraten.

Die Vereinten Nationen halten es für möglich, dass bis zu 200 000 Menschen an der todbringenden ansteckenden Seuche erkranken. Die seit dem Erdbeben im Januar in Haiti tätigen Hilfsorganisationen bemühen sich, die Seuche einzudämmen. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef erklärte am Montag in Köln, es werde seinen Kampf gegen die Cholera in Haiti weiter verstärken. Dort sei das ohnehin schwache Gesundheitssystem völlig überfordert. Es verdichteten sich Hinweise, dass Kinder unter 15 Jahren am stärksten betroffen seien. „Vier von zehn Kindern in Haiti haben keinen Zugang zu Toiletten“, hieß es in dem Bericht. „Eines von fünf Kindern hat keinen Zugang zu sauberem Wasser.“

Die Epidemie breite sich auch deshalb so rasch aus, weil die Menschen keinerlei Antikörper hätten, schrieb Unicef am Montag in einer Mitteilung. Die Cholera sei seit Jahrzehnten in Haiti nicht mehr vorgekommen. „Deshalb wissen sie auch nicht, wie sie sich am besten schützen.“ Nach Angaben des haitianischen Arztes und Seuchenspezialisten Jean William Pape werden 90 Prozent der Infektionen durch Wasser und nur zehn Prozent durch Lebensmittel übertragen.
Die Organisation Plan International rechnet mit deutlich mehr Cholerakranken als offiziell angegeben. Jim Emerson, Länderdirektor von Plan in Haiti, warnte am Montag davor, die Hilfe für die Menschen in den ländlichen Gebieten zu vernachlässigen: „Die Cholera breitet sich nicht nur in Artibonite und der Hauptstadt aus. Drei Viertel aller Haitianer leben in ländlichen Gebieten. Dort gibt es kaum medizinische Einrichtungen, die Wege zu Krankenhäusern und Ärzten sind weit.“
Die Epidemie war am 19. Oktober im Department Artibonite nördlich von Port-au-Prince ausgebrochen. Die Regierung und die internationalen Hilfsorganisationen hatten rasch eingegriffen. Doch die Hoffnung, die Seuche schnell zu besiegen, erfüllte sich nicht. Vor allem Unwissenheit der Bevölkerung trägt immer noch dazu bei, dass sich die Menschen nicht ausreichend gegen die Erkrankung schützen. In der Anfangsphase hatten aufgebrachte Menschen in Saint Marc sogar ein gerade aufgestelltes Cholera-Behandlungszentrum zerstört, aus Angst vor den dort behandelten Kranken.

Erschwert wurde die Lage in Haiti zudem vom Hurrikan Tomas, der vor gut einer Woche an dem Land vorüberzog. Die von ihm abgeregneten Wassermassen verursachten im ganzen Land Überschwemmungen und spülten Müll und Fäkalien durch die Straßen der Städte und Ortschaften.

dpa