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Panorama Zwei Haftbefehle nach Krawallen in Leipzig – Syrer nach Spanien ausgeflogen
Nachrichten Panorama Zwei Haftbefehle nach Krawallen in Leipzig – Syrer nach Spanien ausgeflogen
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17:13 10.07.2019
Bei der Demo in Leipzig eskalierte die Situation, es kam zu Krawallen und Gewalt. Quelle: Mathias Schönknecht
Leipzig

Nach den Krawallen im Leipziger Osten in der Nacht zu Mittwoch ist ein 23 Jahre alter Syrer nach Spanien abgeschoben worden. Das bestätigte die Landesdirektion Sachsen gegenüber LVZ.de. Rund 500 Demonstranten wollten am Abend im Stadtteil Volkmarsdorf die zwangsweise Ausreise des Mannes verhindern. Sie blockierten die Straßen mit Möbeln und lieferten sich später gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei. Elf Beamte wurden dabei verletzt.

Nach Angaben der Landesdirektion war der kurdische Syrer seiner Ausreisepflicht nicht nachgekommen und deshalb „vollziehbar ausreisepflichtig“. Er hatte sich am 10. Februar 2017 in einer Leipziger Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gemeldet. Seine Aufenthaltsgenehmigung galt laut Landesdirektion aber nur für Spanien, wo der 23-Jährige einen Asylantrag gestellt hatte, der auch zu seinen Gunsten entschieden wurde.

Die Leipziger Polizei hatte nach LVZ-Informationen am Dienstagabend den Auftrag, den Mann zum Flughafen Leipzig/Halle zu bringen. Von dort wurde der Syrer, begleitet von Beamten, schließlich nach Spanien geflogen. Es habe sich dabei nicht um einen Charterflug für abgelehnte Asylbewerber, sondern um einen normalen Linienflug gehandelt, so die Behörde.

Haftbefehle gegen zwei Demonstranten nach Protesten in Leipzig

Bei den Ausschreitungen in der Nacht seien drei Tatverdächtige vorläufig festgenommen worden, teilte die Leipziger Polizei am Mittwoch mit. Laut Staatsanwaltschaft wurden gegen zwei 26 und 22 Jahre alte Beschuldigte Haftbefehle wegen schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung erlassen und in Vollzug gesetzt. Der dritte Mann kam wieder auf freien Fuß.

Im Video: Protest gegen Abschiebung in Leipzig schlägt in Gewalt um

Wegen versuchter Gefangenenbefreiung werde gegen Unbekannt ermittelt, teilte Polizeisprecher Uwe Voigt mit. Es stehe der Verdacht im Raum, dass Demonstranten versucht haben sollen, den Syrer beim Abtransport aus dem Polizeiauto zu holen. Für die weiteren Ermittlungen sollen die Videoaufnahmen aus der Nacht ausgewertet werden, so Voigt gegenüber LVZ.de.

Polizisten bei Demo in Leipzig mit Flaschen und Eiern beworfen

Wie Voigt bestätigte, setzten die Beamten in der Nacht „körperliche Gewalt“ und „unmittelbaren Zwang“ gegen Demonstranten ein, von denen die Angriffe ausgingen. Es habe einen „massiven Bewurf der Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen“ gegeben. Zudem seien Barrikaden errichtet worden, um die Abfahrt der Polizei zu verhindern. Auch Feuerzeuge und Eier wurden in Richtung der Beamten geschleudert.

An einer spontan angemeldeten Demonstration gegen die Abschiebung hatten sich zunächst etwa 250 und in der Spitze bis zu 500 Menschen beteiligt. Nach deren Ende gegen 1.30 Uhr forderte die Polizei die Demonstranten auf, die Blockade aufzulösen und die Straße zu räumen. Der mehrmaligen Aufforderung kamen diese jedoch nicht nach, sondern skandierten stattdessen Sprechchöre wie „Ihr kommt hier nicht weg“ und „Bullenschweine“, was auch LVZ-Reporter vor Ort bestätigten.

80 Beamte gegen 500 Demonstranten in Leipzig

Wie viele Demonstranten verletzt wurden, dazu konnte die Polizei am Mittwoch keine Angaben machen. Es seien bislang keine Anzeigen dazu eingegangen, erklärte Voigt. Insgesamt waren in der Nacht rund 80 Beamte im Einsatz.

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Anwohner fassungslos über Eskalation bei Demo gegen Abschiebung in Leipzig

Von RND/LVZ/Matthias Roth und Robert Nößler

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