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Politik Althusmann darf seinen Doktortitel wohl behalten
Nachrichten Politik Althusmann darf seinen Doktortitel wohl behalten
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07:06 26.08.2011
Von Marina Kormbaki
Nach Plagiatsvorwürfen: Niedersachsens Kultusminister Althusmann darf seinen Doktortitel wahrscheinlich behalten. Quelle: Jochen Lübke
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Hannover/Potsdam

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann hat guten Grund zur Hoffnung, dass er seinen Doktortitel behalten darf. Die Universität Potsdam, die die unter Plagiatsverdacht geratene Dissertation des CDU-Politikers prüft, sieht zurzeit nach HAZ-Informationen keine Möglichkeit, Althusmann eine Täuschungsabsicht nachzuweisen. Weil verbindliche Zitierregeln für wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten fehlten, könne der Plagiatsverdacht wohl nicht bestätigt werden, verlautete am Donnerstag aus Universitätskreisen. Althusmann hatte in seiner vor vier Jahren am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre eingereichten Doktorarbeit wörtlich Passagen aus anderen Werken übernommen, ohne sie in Anführungszeichen zu setzen.

Am Freitag kommt die Prüfkommission der Universität zu einem ersten offiziellen Treffen zusammen, um über den Fall Alt­husmann zu beraten. Dies war nötig geworden, nachdem eine Vorprüfung den Plagiatsverdacht gegen Althusmann, der zurzeit auch der Kultusministerkonferenz (KMK) vorsteht, nicht entkräften konnte. Die sechsköpfige Professorenrunde wird die Causa Althusmann aber wohl nicht schon am Freitag zu den Akten legen. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass ein externer Sachverständiger hinzugezogen wird, der das Gremium über die Zitiergepflogenheiten in den Wirtschaftswissenschaften aufklärt. Man geht allerdings nicht davon aus, dass dies am Fehlen einer Beurteilungsgrundlage etwas ändern wird. Das Prüfverfahren werde sich aber „erheblich verzögern“, heißt es.

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Bei Wissenschaftlern stößt die Argumentation der Uni Potsdam auf Kritik. „Mich verwundert die Behauptung, es gebe keine verbindlichen Zitierregeln“, sagte der Bonner Wissenschaftsrechtler Prof. Wolfgang Löwer. Der Professor ist Ombudsmann der Deutschen Forschungsgemeinschaft und war mit der Prüfung der Dissertationen der Politiker Jorgo Chatzimarkakis (FDP) und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) betraut. „Im Fall Chatzimarkakis haben wir zehn Anleitungsbücher mit klaren Regeln zum wissenschaftlichen Arbeiten konsultiert“, sagt Löwer. „Wörtliche Zitate sind in Anführungszeichen zu setzen.“

Unterdessen nimmt mit der Dauer des Prüfverfahrens auch die Ungeduld mancher Bildungspolitiker zu. „Althusmann muss den KMK-Vorsitz ruhen lassen, solange die Prüfung andauert – wenn er sie aussitzt, schadet er dem Ansehen der Politik insgesamt“, sagte Ulla Burchardt (SPD), Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bundestag am Donnerstag. Der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD) drückte sich diplomatischer aus: „Da die KMK-Präsidentschaft turnusgemäß von einem Bundesland zum anderen übergeht, entscheidet jedes Bundesland, in diesem Fall Niedersachsen, in eigener Verantwortung, wer es in diesem herausgehobenen Amt repräsentieren soll.“

Klaus Wallbaum 19.08.2011