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Deutschland / Welt Acht deutsche Städte wollen Kulturhauptstadt Europas werden
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21:14 01.10.2019
Barbara Ludwig (von links), Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, Kuratoriumsmitglied der Kulturhauptstadt Bewegung Dresden, und Julian Vonarb, Oberbürgermeister der Stadt Gera, haben am Dienstag in Berlin für ihre Städte die Bewerbungsrede für den Titel Kulturhauptstadt Europas gehalten. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
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Berlin

Acht Städte bewerben sich um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“. Neben den drei westdeutschen Städten Hannover, Hildesheim und Nürnberg sind dabei mit Magdeburg, Zittau, Chemnitz, Dresden und Gera gleich fünf ostdeutsche Bewerber offiziell im Rennen. Die Vertreter der Städte präsentierten sich am Dienstag in Berlin. In der Nacht war die Frist zur Einreichung der Bewerbungsbücher abgelaufen. Neben Deutschland ist Slowenien berechtigt, 2025 eine Kulturhauptstadt zu küren.

Dresden und Chemnitz machen aus ihrer Geschichte keinen Hehl

Seit 1985 vergibt die Europäische Union den Titel Kulturhauptstadt Europas, um das Zugehörigkeitsgefühl zum gemeinsamen Kulturraum und nachhaltige kulturelle Entwicklungen in den jeweiligen Städten zu fördern. Aktuell tragen die italienische Stadt Matera sowie Plowdiw in Bulgarien den Titel.

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Diese deutschen Städte wollen Europas Kulturhauptstadt werden

Drei Minuten hatte jede Stadt Zeit, ihre Idee einer europäischen Kulturhauptstadt zu präsentieren. Für Dresden trat Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller in ihrer Arbeitskleidung als Bäckerin vors Pult. Pegida, verlorenes Welterbe und die letzten Wahlergebnisse – gerade weil die Stadt um ihre eigene Geschichte ringe und das friedliche Zusammenleben so zerbrechlich erscheine, wollten sie eine neue Kultur des Miteinanders, erklärte die Rednerin im Namen der sächsischen Landeshauptstadt. 70 Millionen Euro will die Stadt ausgeben – für die Hälfte davon sollen Stadtteilparlamente mittels Bürgerbeteiligung über den Ausgabezweck entscheiden.

Lesen Sie auch das Interview: Barbara Ludwig: „Wir haben auch Angst voreinander“

Auch Chemnitz’ Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig machte aus den Schlagzeilen des vergangenen Jahres keinen Hehl: Gerade wegen der zweifachen Umbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt und zurück sei man eine Stadt des Umbruchs und Aufbruchs. Mit der Bewerbung wolle Chemnitz zur selbstbewussten Stadt werden. Mit Zittau gibt es einen dritten Bewerber aus Sachsen, und wie auch bei Gera in Thüringen stand auch bei dessen Bewerbung der Wandel nach der Wende im Vordergrund – und vor allem das Zusammenwirken von Stadt und Land.

Hildesheim und Hannover machen es kreativ

Mit ländlichem Charme – in Form einer mitgebrachten Zuckerrübe – versuchte auch der Hildesheimer Vertreter, Thomas Harling, zu überzeugen: Das Ganze sei eine Bewerbung aus der Provinz – und die Zuckerrübe in der Region eben „weißes Gold“. Die Niedersachsen wollten mit ihrer Bewerbung zeigen, dass es so etwas wie eine progressive Provinz gebe, wo man das Städtische und Ländliche zusammendenke, sagte Harling.

Die Metropolenvertreter aus Niedersachsen setzten dagegen auf Weltläufigkeit: Eine britische Schauspielerin repräsentierte Hannover – und hielt als Einzige ihren Vortrag in englischer Sprache. In ihrer flammenden Rede für Europa stellte sie heraus, dass das Überleben der Union gerade infrage stehe.

Gewinner bekommt 1,5 Millionen Euro

Am Ende werden die Auftritte in Berlin kaum Einfluss auf die Auswahl haben. Vielmehr werden die Bewerber von einer europäischen Jury anhand der eingereichten maximal 60-seitigen Bewerbungsbücher und einer Präsentation bei einer Auswahlsitzung Anfang Dezember bewertet. Kurz darauf wird eine sogenannte Shortlist mit den Städten veröffentlicht, die es in die zweite Runde geschafft haben. Im Herbst soll die Jury dann nach Besuchen bei den Kandidaten einen zur Ernennung zur deutschen Kulturhauptstadt Europas 2025 vorschlagen. Erfüllt die ausgewählte Stadt bis zum Frühjahr 2025 alle in der Bewerbung angekündigten Verpflichtungen, erhält sie das Preisgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

„Es ist ein Wettbewerb, der zur richtigen Zeit kommt, weil kulturelle Fragen an Bedeutung zunehmen“, sagte Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien sowie Vorsitzender der federführenden Kulturministerkonferenz der Länder. Brosda machte auch den Städten Hoffnung, die am Ende des Verfahrens leer ausgehen. Alle würden ganz viel mitnehmen, auch ohne Titel, sagte er.

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Von Sebastian Stein/RND