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Deutschland / Welt Amazon muss sich vor dem Bundestag zu „Alexa“ erklären
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Amazon muss sich vor dem Bundestag zu „Alexa“ erklären
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18:06 10.07.2019
Der digitale Assistent „Echo“, besser bekannt unter dem Namen seiner künstlichen Intelligenz „Alexa“, steht in der Kritik. Quelle: Franziska Gabbert/dpa
Berlin

„Alex, bist du gefährlich für Kinder?“. Die Antwort des digitalen Assistenten von Amazon müsste eigentlich lauten: „Ja“. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hat festgestellt, dass der „elektronische Butler“ Risiken für Kinder und unbeteiligte Dritte birgt. Digitalpolitiker wollen Vertreter des Konzerns nun vor das Parlament zitieren, der Kinderschutzbund warnt Eltern.

Der Expertendienst des Bundestags kritisiert, dass Kinder persönliche Informationen preisgeben oder mit ihrer Stimme Inhalte abrufen können, die für Minderjährige nicht geeignet sind. Außerdem könne Alexa Daten von Menschen sammeln, dies sich dessen nicht bewusst sind. Beispielsweise Besucher in einem Haushalt mit „Alexa“.

„Die Problemlage ist vom Wissenschaftlichen Dienst treffend zusammengefasst worden. Wir Digitalpolitiker haben das Thema auf dem Schirm“, sagte Hansjörg Durz (CDU), Vize-Vorsitzender im Ausschuss „Digitale Agenda“ dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Eine Einladung an Amazon zu einem Gespräch im Ausschuss ist bereits ergangen. Dort soll das Unternehmen darüber Auskunft geben, wie es sicherstellt, dass Alexa nicht unbefugt Gespräche mithört und dass personenbezogene Daten geschützt werden“, so Durz. Das Gespräch soll nach der Sommerpause erfolgen. Es gehe darum, in Absprache mit dem Unternehmen, den Sicherheitsbehörden und Verbraucherschützern eine „handhabbare Lösung“ zu entwickeln, damit Gäste in einem „Alexa-Haushalt“ auch künftig „ohne Beipackzettel“ empfangen werden können.

Kommen auf Amazon Sanktionen zu?

Paragraf 201 des Strafgesetzbuches sieht bei einer „Verletzung der Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes“ eigentlich bis zu zwei Jahre Haft vor. „Das muss Amazon mit Alexa aber nicht befürchten, das Strafrecht richtet sich nur gegen Personen“, erklärt Sebastian Dramburg, Rechtsanwalt für IT-Recht in Berlin dem RND. „Was aber der Hersteller befürchten muss, wären datenschutzrechtliche Sanktionen, die ja konkret gegen Unternehmen ausgesprochen werden können mit Hilfe der Datenschutz-Grundverordnung (DSGV). Wenn Amazon oder Google die personenbezogenen Daten im Rahmen eines Gespräches verarbeitet oder speichert, müssten die Personen darüber informiert werden. Aber das funktioniert natürlich nicht, wenn der Nutzer des Gerätes z.B. Besuch hat.“ Amazon hatte erst vor kurzem eine Funktion bei „Alexa“ eingebaut, die eine gezielte Löschung von Aufzeichnungen erlaubt. Das Stimmerkennungs-Programm ist aber nicht in der Lage verschiedene Stimmen zu unterscheiden.

Der Kinderschutzbund Deutschland sieht das Thema digitale Assistenten und Kinder kritisch: „Alexa und Co. werden vor allem dann gefährlich und geradezu absurd, wenn Eltern sie als Alternative in der Kinderbetreuung betrachten. Kinder sind auf Erwachsene angewiesen, um zu lernen. Die Erlebnis- und Lernwelten der Kinder dürfen sich nicht auf digitale Geräte beschränken“, sagte Hauptgeschäftsführerin Cordula Lasner-Tietze dem RND.

„Die gesamte Digitalisierung ist für Eltern mit vielen Unsicherheiten verbunden – und das wird wohl auch noch länger so bleiben. Wir sind alle in einem Lernprozess, so die Expertin. Grundsätzlich rät der Kinderschutzbund Eltern drei Erkenntnisse zu beherzigen: 1. Digitale Medien sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. 2. Vermitteln Sie ihren Kindern Kompetenzen für den Medienkonsum. 3. Der Konsum muss so eingeschränkt werden, dass auch andere Erfahrungswelten offen bleiben.

Von Christian Burmeister/RND

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