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Deutschland / Welt Angebliche US-Attentatspläne des Iran sorgen für Zündstoff
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Angebliche US-Attentatspläne des Iran sorgen für Zündstoff
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17:54 12.10.2011
Seit mehr als 30 Jahren herrscht Kalter Krieg zwischen Teheran und Washington. Quelle: dpa
Washington

Hillary Clinton handelte schnell und entschlossen. Nicht einmal zwei Stunden vergingen, nachdem die angeblichen iranischen Attentatspläne an der Öffentlichkeit waren - da stellte die US-Außenministerin bereits ihre Pläne für das weitere Vorgehen gegen Teheran vor. Schärfere Maßnahmen gegen das Regime in Teheran, weitere Isolation des Iran. Die Weltmacht droht. Und dies, obwohl zahlreiche Experten erhebliche Zweifel äußern, ob die amerikanischen Vorwürfe wirklich hieb- und stichfest sind.

Tatsächlich sind die Hintergründe der angeblichen iranischen Attentatspläne auf den saudischen US-Botschafter derart bizarr und mysteriös, dass selbst US-Sicherheitsexperten eher ungläubig den Kopf schütteln. Vor allem die von den USA behauptete Verwicklung von iranischen al-Kuds-Kämpfern in das Mordkomplott, lässt Fachleute in Sicherheitskreisen die Stirn runzeln. Das trage ganz und gar nicht die Handschrift Teherans.

Zwar gebe es keinen Zweifel, dass das iranische Regime seit Jahren radikale Kräfte wie Hamas und Hisbollah unterstützt. Doch Teheran, so die Experten, bediene sich bei seinen Terrorplänen eben normalerweise Stellvertretern. Sich die Finger selbst schmutzig zu machen, sei eher untypisch für das Regime.

Das Ziel der Attentatspläne lässt ebenfalls Zweifel aufkommen: „Warum sollte der Iran den saudischen Botschafter in Washington ermorden wollen?“, fragte der Iran-Experte Alireza Nader von der Rand Corp., einem US-Think Tank, in der „Washington Post“.

Tiefe Skepsis äußert auch Robert Baer, ehemaliger CIA-Offizier in Nahost. Ihn macht vor allem stutzig, wie leichtgläubig angebliche Al-Kuds-Mitglieder US-Agenten in die Falle getappt sein sollen. „Die Schlampigkeit in diesem Fall spottet jeder Annahme“, sagte er dem Blatt. „Die Al-Kuds sind besser als das. Wenn sie es auf Dich abgesehen haben, bist Du schon tot.“

Völlig im Dunkeln liegen die Einzelheiten und Hintergründe des angeblichen Komplotts. Entscheidend auch für das weitere Vorgehen der USA dürfte die Frage sein, ob tatsächlich die Regierung in Teheran involviert war - und auf welcher Ebene. Justizminister Eric Holder lehnte sich mit seiner Anschuldigung, „Elemente“ der iranischen Führung seien verwickelt, weit aus dem Fenster. Dagegen äußerten sich US-Regierungsbeamte, die nicht namentlich genannt werden wollten, sehr viel zurückhaltender. Die entscheidende Frage sei, „wie hoch“ die Regierungsleute tatsächlich angesiedelt waren.

„politische Nebenwirkungen“ des Falls nicht abzusehen

Nebulös blieben auch die angeblichen iranischen Pläne, Bombenanschläge auf die saudische Botschaft in Washington und die israelische Botschaft in Buenos Aires zu verüben. Atemberaubend erscheinen Einzelheiten, die die „New York Times“ unter Berufung auf nicht genannte Quellen berichtete. Demnach seien auch Pläne mit dem Drogenclan „Los Zetas“ diskutiert worden, tonnenweise Opium aus dem Nahen Osten nach Mexiko zu schmuggeln. Der Plan sei aber nicht zur Ausführung gekommen - weil US-Agenten die Iraner in die Falle lockten. Kein Zufall, dass FBI-Chef Robert Mueller von einem Thriller ganz nach „Hollywood-Drehbuch“ spricht.

Noch sind die „politischen Nebenwirkungen“ des Falls nicht abzusehen. Seit gut 30 Jahren, seit dem Schock der über einjährigen Geiselnahme Dutzender US-Diplomaten in Teheran, herrscht Kalter Krieg zwischen den USA und Iran.

Frustriert sind die USA darüber, dass Iran die Hand zur Versöhnung abgewiesen hat. Während US-Präsident George W. Bush den Iran noch als „Achse des Bösen“ brandmarkte und selbst militärische Mittel gegen die Atompläne Teherans ausdrücklich nicht ausschließen wollte, hatte Nachfolger Barack Obama zu Beginn seiner Amtszeit auf eine Wende gesetzt. Er sei sogar bereit, sich mit Teheran ohne Vorbedingungen zusammenzusetzen, hatte der Demokrat im Wahlkampf versprochen.

Was immer genau hinter den angeblichen Anschlagsplänen stecken mag - statt sich zum Besseren zu wenden, haben sich die Beziehungen zwischen Teheran und Washington jetzt dramatisch verschlechtert. Wie die USA allerdings jetzt tatsächlich reagieren wollen, ist unklar. Bislang hat lediglich Clinton harte Töne angeschlagen - und bereits durch die Blume Mitwirkung von Verbündeten und Freunden angemahnt. Obama selbst hält sich mit seinen Plänen dagegen vorerst dezent zurück.

dpa

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