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Deutschland / Welt Apotheken spähen Millionen Patienten aus
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21:07 18.08.2013
Von Gabi Stief
Bereits vor einem Jahr gerieten die Rechenzentren ins Visier der Datenschützer. Quelle: dpa
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Berlin

Dies geht aus Dokumenten hervor, über die der „Spiegel“ berichtet. „Millionen deutsche Patienten und Ärzte werden ausgespäht“, heißt es in dem Beitrag. Der Handel mit Rezeptinformationen sei „einer der größten Datenskandale der Nachkriegszeit“, zitiert das Blatt Thilo Weichert, den Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein.

Bereits vor einem Jahr gerieten die Rechenzentren ins Visier der Datenschützer. Einer der Anbieter ist angeblich das Münchener Apothekenrechenzentrum VSA. Die Daten der Patienten würden zwar verschlüsselt weitergegeben, aber der 64-stellige Code sei leicht als Versichertennummer identifizierbar, heißt es. Auch Alter und Geschlecht würden genannt.

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Für Pharmafirmen könnten die Daten von Interesse sein, um herauszufinden, welche Arztpraxis welche Medikamente verschreibt. Diese Informationen erlauben Pharmareferenten, gezielt Praxen anzusteuern und anschließend zu testen, ob ihre Werbung für ein bestimmtes Medikament beim Arzt angekommen ist.

In dem Nachrichtenmagazin wird ein Angebot des amerikanischen Datenhändlers IMS Health an den französischen Pharmakonzern Sanofi vom April 2012 zitiert. Darin biete das Marktforschungsunternehmen Informationen aus Insulinrezepten „patientenindividuell“ und mit „zwölf Monats-Updates“ für 86.400 Euro an. IMS Health wies die Vorwürfe am Sonntag zurück. Weder das US-Unternehmen selbst, noch seine Kunden interessierten sich für die Namen einzelner Patienten. Die bayerische Datenschutzbehörde habe das Verschlüsselungsverfahren geprüft, teilte IMS Health Deutschland mit.

Der Handel mit unzureichend anonymisierten Patientendaten war schon vor gut einem Jahr Gegenstand von Diskussionen. Im Zentrum stand seinerzeit die Firma pharmafakt/Gesellschaft für Datenverarbeitung (GFD), die sich auf die Rezeptprüfung für Krankenkassen spezialisiert hat. Ein ehemaliger IT-Manager des Unternehmens berichtete dem „Spiegel“ über den Missbrauch von Rezeptdaten und die verschiedenen Datenströme.

Die Piratenpartei forderte am Sonntag eine generelle Prüfung der Weitergabe von Verschreibungsdaten an Dritte. Der Datenskandal von 2012 habe offensichtlich keinerlei Konsequenzen gehabt, kritisierte Generalsekretär Sven Schomacker. Angesichts dieser Vorgänge sei die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte fragwürdig. Sie erlaube eine zentrale Speicherung aller Patientendaten bis hin zur elektronischen Patientenakte. „Gesundheitsdaten dürfen nie Ziel wirtschaftlicher Interessen sein“, warnte Reinhard Schaffert, Arzt und gesundheitspolitischer Sprecher der Piratenpartei.

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