Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Deutschland / Welt Becker bekam vom Verfassungsschutz offenbar nur 5000 Mark Honorar
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Becker bekam vom Verfassungsschutz offenbar nur 5000 Mark Honorar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:13 06.09.2009
Die frühere RAF-Terroristin Verena  Becker.
Die frühere RAF-Terroristin Verena Becker. Quelle: ddp (Archiv)
Anzeige

Nach einem Medienbericht soll die 57-Jährige am Montag aus ihrer Untersuchungshaft in Karlsruhe nach Berlin verlegt werden.

Die wegen dringenden Tatverdachts im Mordfall Siegfried Buback verhaftete Becker habe dem Verfassungsschutz von Herbst 1981 bis Ende 1983 ihr Wissen über die RAF und über den Anschlag auf den früheren Generalbundesanwalt offenbart, berichtete der „Spiegel“. Für ihre Aussagen habe sie Hafterleichterungen und einen Strafnachlass verlangt. Mit dem erhaltenen Honorar über 5000 Mark habe sie einen Sprachkurs bezahlt. Die „Bild“-Zeitung hatte dagegen berichtet, die kürzlich Festgenommene habe mehr als 100.000 Mark (51.130 Euro) bekommen.

Die vertraulichen Treffen zwischen Becker und dem Verfassungsschutz fanden 1982 in einer „konspirativen Wohnung“ des Bundesamtes in Köln statt, wie das Magazin „Focus“ berichtete. Gesprächspartner der damals schon zu lebenslanger Haft verurteilten Terroristin war demnach der Verfassungsschutzbeamte, der unter dem Decknamen „Benz“ Kontakt zu mehreren Mitgliedern der Roten Armee Fraktion (RAF) aufgenommen hatte, um sie zum Aufgeben zu bewegen. Der von Becker als möglicher Buback-Attentäter belastete Stefan Wisniewski ist laut seiner Anwältin durch einen aktuellen Gen-Test entlastet worden. Wisniewskis Anwältin Edith Lunnebach sagte zu „Focus“, ein Abgleich der DNA ihres Mandanten mit der DNA der unbekannten Attentäter habe keine Übereinstimmung gebracht.

Die 1977 wegen sechsfachen versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte Becker kam 1989 vorzeitig frei, nachdem der Bundespräsident sie begnadigt hatte. Ausgeschlossen wird von den Behörden, dass Becker schon vor 1981 mit dem Verfassungsschutz kooperiert hat. „Wenn irgendein Nachrichtendienst Becker schon damals als Quelle gewonnen hätte, hätten wir das gewusst“, zitierte der „Spiegel“ Winfried Ridder, den ehemaligen Chef-Auswerter in der Terrorismusabteilung des Bundesamtes.

Die Ermittlungsbehörden rechnen damit, dass sich die Ende August verhaftete Becker im nächsten Jahr wegen des Verdachts, am Buback-Mord beteiligt gewesen zu sein, vor Gericht verantworten muss. Becker wies die neuen Vorwürfe bereits nach ihrer Festnahme zurück.

Nach Informationen des Internetportals der „Berliner Morgenpost“ soll Becker am Montag von Karlsruhe in das Frauengefängnis Berlin-Pankow gebracht werden.

afp