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Deutschland / Welt Bill Clinton trifft koreanischen Staatschef Kim Jong Il
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17:28 04.08.2009
Bill Clinton (r.) hat sich bei seinem Nordkorea-Besuch mit Staatschef Kim Jong Il getroffen. Quelle: AFP
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Das Büro von Barack Obama mühte sich, die Erwartungen zu dämpfen. Der Besuch des früheren US-Präsidenten Bill Clinton in Nordkorea sei eine „rein private Angelegenheit“, sagte ein Sprecher im Weißen Haus. Doch wenn ein früherer US-Präsident in das atomar aufgerüstete Reich des Machthabers Kim Jong Il reist, ist das nie eine private Angelegenheit - erst recht nicht, wenn seine Frau Außenministerin der USA ist. Bill Clinton ist zurück im politischen Rampenlicht, und sein Besuch könnte mit Billigung der Obama-Regierung eine vorsichtige Annäherung mit Nordkorea einleiten.

In Pjöngjang wollte der frühere Präsident versuchen, die Freilassung der inhaftierten US-Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee zu erreichen. Die beiden jungen Frauen waren bei Recherchen an der Grenze zu China festgenommen und im Juni zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Dass Clinton laut Medienberichten auch von Staatschef Kim Jong Il empfangen wurde, lässt freilich weiterreichende Ziele vermuten: Nordkorea könnte einen Ausweg aus seiner Isolation suchen, die sich seit dem Atomtest vom April noch verschärft hat.

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Die Entsendung als Sondergesandter im Auftrag seiner Frau ist der jüngste Rollenwechsel Bill Clintons. Nach dem Ende seiner Amtszeit 2001 gründete er eine wohltätige Stiftung und reiste um die Welt. Er bemühte sich um billige Aids-Medikamente für die Armen Afrikas und um Hilfe zum Wiederaufbau nach der Tsunami-Flutkatastrophe 2004 am Indischen Ozean. Als bezahlter Redner nahm er nebenbei viele Millionen Dollar ein. Vor zwei Jahren stürzte er sich in den letztlich gescheiterten Präsidentschaftswahlkampf seiner Frau Hillary. Und seit diesem Jahr ist er Haiti-Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen.

Das weltweite Engagement ist für den früheren Präsidenten auch eine Art Rehabilitierung. Clinton pflegt sein Image als geachteter Staatsmann, das in der öffentlichen Wahrnehmung durch die Affären seiner Amtszeit, allen voran die Liebschaft mit der Praktikantin Monica Lewinsky, Schaden genommen hatte. Der Abstecher nach Nordkorea lässt auch erahnen, wie seine politische Zukunft aussehen könnte: Clinton nutzt seine reiche politische Erfahrung für humanitäre Sonderaufgaben im Dienst der US-Regierung, ohne seiner Frau, Außenministerin Hillary Clinton, im Tagesgeschäft in die Quere zu kommen.

Gerade für den Umgang mit der isolierten Führung in Nordkorea hat Clinton einiges an Expertise anzubieten. Unter seiner Präsidentschaft vereinbarten die USA 1994 die Lieferung von Lebensmitteln und Energie gegen Pjöngjangs Zusage, sein Atomprogramm überwachen zu lassen. Im Jahr 2000 schickte er seine Außenministerin Madeleine Albright zu einer historischen Visite nach Nordkorea, es war der letzte hochrangige Politikerbesuch aus den USA.

Die diplomatischen Initiativen sind zwar letztlich gescheitert, und Nordkorea ließ die Beziehungen durch Atomwaffentests 2006 und zuletzt im April dieses Jahres auf einen Tiefpunkt sinken. Doch hatte Clinton immerhin den Versuch einer diplomatischen Lösung für einen potenziell hochriskanten Konflikt versucht. Eine diplomatische Lösung strebt auch Präsident Barack Obama an. Sollte Bill Clinton die Gespräche mit Nordkorea wieder in Gang bringen, wäre dies ein Erfolg für ihn, für seine Frau und für Obama.

Professionelle Nordkorea-Beobachter in Südkorea werten den Empfang Clintons in Pjöngjang als Signal, dass die isolierte Führung um Staatschef Kim Jong Il an Gesprächen mit den USA interessiert ist. „Mit Clintons Besuch will Pjöngjang die Beziehungen verbessern und die Spannungen infolge des Atomtests und der UN-Sanktionen abbauen“, urteilt Cheong Seong-Chang vom Seouler Sejong-Institut. Der Besuch könnte „den Weg ebnen für bilaterale Gespräche über ein Themenpaket, das auch Nordkoreas Atomprogramm umfasst.“

afp