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Deutschland / Welt Boston-Attentäter droht die Todesstrafe
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11:02 23.04.2013
Von Dirk Schmaler
Foto: Trauer um die Toten des Terrors. Noch immer ist in Boston keine Ruhe eingekehrt.
Trauer um die Toten des Terrors. Noch immer ist in Boston keine Ruhe eingekehrt. Quelle: Reuters
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Washington/Hannover

Zwar hat der Bundesstaat Massachusetts die Todesstrafe abgeschafft, Zarnajew wird allerdings nach US-Bundesrecht angeklagt. Sollte er schuldig gesprochen werden, kann den Behörden zufolge deshalb auch die Todesstrafe gegen ihn verhängt werden. Der Prozess beginnt nach Informationen des US-Fernsehsenders CNN voraussichtlich am 30.  Mai. Zarnajew muss sich für den Tod von drei Menschen und die Verletzungen von 180 weiteren Opfern verantworten. Bei dem Boston-Marathon waren vor einer Woche zwei aus Schnellkochtöpfen gebaute Bomben am Zieleinlauf explodiert

Das Weiße Haus betonte, Zarnajew werde nicht als „feindlicher Kämpfer“ behandelt und nicht vor ein Militärgericht gestellt, wie dies von Republikanern gefordert worden war. „Wir werden diesen Terroristen durch unser ziviles Justizsystem bestrafen“, sagte Sprecher Jay Carney. Damit hat Zarnajew das Recht zu schweigen und einen Anwalt zu seinem ersten Verhör hinzuzuziehen.

Zarnajew wird derzeit im Krankenhaus behandelt. Wegen einer Schussverletzung am Hals kann der 19-Jährige nicht sprechen, allerdings zeige er Bereitschaft, schriftlich auf Fragen zu antworten, berichteten Medien. Sein sechs Jahre älterer Bruder und mutmaßlicher Komplize Tamerlan Zarnajew war bei einer Verfolgungsjagd gestorben.

Der Bostoner Polizeichef Ed Davis äußerte gestern die Vermutung, dass die Zarnajew-Brüder noch weitere Anschläge geplant haben könnten. Unmittelbar nach dem Angriff auf den Marathon vor einer Woche hätten sie weitere Sprengsätze gebaut. Mehrere Minibomben sollen bei der Verfolgungsjagd in der Nacht zum Freitag geworfen worden sein.

Wie gestern bekannt wurde, soll Tamerlan Zarnajew in der muslimischen Gemeinde in Boston vor dem Anschlag durch radikale Äußerungen aufgefallen sein. So sei er des Gotteshauses verwiesen worden, als er im Januar einen Prediger beschimpfte, der den Propheten Mohammed mit dem Friedensaktivisten Martin Luther King verglichen hatte.

Generalbundesanwalt Harald Range warnte mit Blick auf die USA vor Anschlägen auch in Deutschland. „Boston kann morgen auch hier sein“, sagte Deutschlands oberster Ankläger gestern beim Industrie-Club Hannover. Radikalisierte Einzeltäter stellten auch in Deutschland zunehmend eine „schwerwiegende Beeinträchtigung unserer Sicherheit dar“, sagte Range.