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Deutschland / Welt Zittern bei der neuen Alternative
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00:15 25.09.2013
„Wir haben die Demokratie gestärkt“: AfD-Spitzenmann Bernd Lucke gestern Abend in Berlin. Quelle: dpa
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Berlin

Die Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) sind bereit für den großen Jubel. Kurz vor 18 Uhr können sie vor Selbstbewusstsein kaum laufen. An den Tischen eines Berliner Hotels streiten sie darüber, wo sie zwischen acht und zehn Prozent landen werden. „Wenn wir zehn Prozent holen, bin ich drei Tage nicht ansprechbar“, sagt ein Mitglied. Er freut sich schon darauf, bisher trinkt er nur Wasser. Auf der Bühne peitscht ein Sänger die Mitglieder ein. „Wir geben nicht auf“, schmettert er den offiziellen Wahlkampfsong, die Faust in die Höhe gereckt. „Die Rettung ist alternativ!“ Die Parteifreunde schunkeln mit. Niemand will hier zweifeln, dass es nicht für den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde reichen könnte.

Als die Schätzungen der Meinungsforscher und die ersten Hochrechnungen die AfD knapp unterhalb von fünf Prozent sehen, brauchen die rund 200 Mitglieder ein paar Sekunden, um sich zu fangen. So sicher schien doch die Sensation. Es wird kurz geflucht an den Tischen. Doch noch ist nichts verloren, schwören sich die AfDler ein.

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Ungeduldig warten sie auf Bernd Lucke. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Winsen/Luhe ist formal nur einer von drei Sprechern, die die Parteispitze bilden. Dennoch ist er die unumstrittene Führungsfigur. Er soll ihnen nun die Richtung weisen. Lucke ist das Gesicht der Alternative für Deutschland.

„Wir haben die Demokratie in Deutschland gestärkt, wir haben sie ertüchtigt“, ruft er schließlich von der Bühne in die Menge. Aus der Mitte der „mündigen Bürgergesellschaft“ sei mit dem Wahlergebnis der Partei ein starkes Signal gesetzt worden, formuliert er umständlich. Er meint: Der Kanzlerin habe die AfD gezeigt, dass ein Teil der Deutschen eine andere Europa-Politik will. „Wir haben zuletzt eine Entartung der Demokratie und des Parlamentarismus erlebt“, sagt Lucke. „Staaten wurden in die Misere geführt.“ Das Publikum will ihn gar nicht von der Bühne lassen. „Lucke! Lucke! Lucke!“, schreit das Parteivolk. Am Ende steht der gesamte Vorstand samt Familie auf der kleinen Bühne. Es wird gewunken, es wird geklatscht. Eine Partei ergötzt sich an sich selbst.

Dieser Abend entschädigt viele Mitglieder für die vergangenen Monate. Sie haben das Gefühl, dass ihnen endlich Gerechtigkeit widerfährt. Fast in allen Stellungnahmen lassen einfache Parteimitglieder, aber auch Vorstandsmitglieder durchblicken, dass dieses Ergebnis ihrer Meinung nach gegen die Medien und Umfrageinstitute errungen wurde. In Wählerbefragungen sei die AfD vernachlässigt worden, manchmal sei sie bewusst ausgeklammert worden, klagen sie.

Als Jörg Schönenborn in der ARD bei einer aktuellen Hochrechnung die 4,9 Prozent der Euro-Kritiker mit den Worten kommentiert, hier sei definitiv nichts heruntergerechnet worden, ertönt höhnisches Gelächter. Auch als Ein-Thema-Partei will die AfD nach diesem Abend nicht mehr verstanden werden. „Wir sprechen viele andere Themen an“, sagt Parteisprecherin Frauke Petry. „Wir haben zum Beispiel auch ein transparentes Steuersystem vorgeschlagen.“

Genugtuung und Zufriedenheit spricht aus dem Gesicht von Bernd Lucke, als er von den etlichen Kameras und Mikrofonen durch den Saal verfolgt wird. Er hält mal hier, mal da ein Schwätzchen mit einem Parteifreund, klopft auf Schultern, lacht, schüttelt Hände. Immer folgt ihm ein Pulk von Pressevertretern. Manchmal sieht es beinahe so aus, als würde er auf die Journalisten warten, damit sie ihm folgen können. „Kennen Sie Lucky Luke?“, fragt ein Parteimitglied die Reporter. „Wir haben Lucky Lucke!“

Am Montag um zehn Uhr will der Parteivorstand sich treffen, egal wie das Ergebnis am Ende ausfallen wird. Eine feste Tagesordnung gibt es noch nicht. Wahrscheinlich werde man die nächsten Wahlen angehen, sagt ein Mitglied. Und ein bisschen feiern. Einstweilen wird gezittert.

Von Kai Kollenberg

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