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Deutschland / Welt CDU/CSU im Europawahlkampf – Eine Übung in Gefühl und Merkel-Losigkeit
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19:23 27.04.2019
CDU-Chefin Annegret-Kramp-Karrenbauer, der Unions-Spitzenkandidat für die Europawahl, Manfred Weber, und CSU-Chef Markus Söder bei der Auftaktveranstaltung der Union für die Europawahl in Münster. Quelle: Guido Kirchner/dpa
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Münster

Angela Merkel ist zuhause geblieben, Horst Seehofer auch. Und die Band spielt: „We are family“ – „Wir sind Familie“, eine Mitsing-Hops-Musik. Es hopst niemand in der Halle, zumindest nicht erkennbar, dafür zieht CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer in den Saal ein, umrahmt von der CSU: Der Unions-Spitzenkandidat für die Europawahl, Manfred Weber, neben ihr, hinter ihr der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder. Gelbe Sterne leuchten am Boden und weisen den Weg zur Bühne. Im Ohr hat das neue Unions-Führungs-Trio die Familienhymne, wie eine Mahnung.

So starten CDU und CSU vier Wochen vor der Europawahl am 26. Mai ihren Wahlkampf: mit einem Gemeinsamkeits-Appell. Eine Halle im nordrhein-westfälischen Münster haben sie dafür gewählt, im bevölkerungsreichsten Bundesland also, dem mit den meisten Wählern. Es gibt Konkurrenz n diesem Tag gibt es wirklich Konkurrenz: Die Züge sind voller Fußballfans auf dem Weg zum Bundesliga-Lokalderby Borussia Dortmund gegen Schalke 04. Und in der Halle neben der CDU lockt ein Schild zur Messe „Teddybär total“, auch so ein Kuschelthema.

Eine lange Bank und Entspannungsmusik

Erstmal gehe es im Wahlkampf darum, die eigenen Leute zu motivieren, heißt es bei der CDU. Neu und überraschend sei die Veranstaltung, hat es zuvor bei der CDU geheißen. Es ist dann ein bisschen wie bei einer Fernseh-Show: Die Generalsekretäre tigern mit dem Mikrophon durch die Halle und befragen Zuschauer. Auf der Bühne steht passenderweise eine meterlange weiße Bank, auf der nach und nach Leute Platz nehmen wie einst bei „Wetten, daß“. Allerdings gibt es keine Wetten, sondern Fünf-Minuten-Redeslots mit Musik-Entspannungsphasen.

Eine Studentin erzählt von ihrer Interrail-Reise durch Europa und davon, dass sie sich in Ungarn fast verlaufen hätte, weil der Handy-Akku leer war. Eine Auszubildende berichtet, sie habe bei ihrem Austauschprogramm im spanischen Sevilla im Labor keine Schutzbrille tragen müssen. Ein Lastenfahrrad-Hersteller ist sehr begeistert von Europa und dabei sehr in der Unternehmenssprache unterwegs: „Da habe ich viel Support gehabt“, sagt er und freut sich, dass seine Räder nun in fünf Städten „validiert“ würden. Eine Bundeswehr-Soldatin mit marokkanischen Wurzeln fordert forsch und genervt mehr Geld für die Bundeswehr. Das Thema Integration erledigt sich dabei gleich noch mit.

Freiheit, Wohlstand, Frieden und Sicherheit, sind die Schlüsselbegriffe, die die CDU in ihrem Wahlkampf Europa zuordnen will. Großen Applaus bekommt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, als er erklärt: „Unser Europa lassen wir uns von nicht von Rechtspopulisten oder Linkspopulisten kaputt machen.“

Söders Strategiewechsel und Merkels Rolle

CSU-Chef Söder darf zum Thema Wohlstand sprechen. Statt wie sonst bayerische Rekorddaten herunterzurattern, bedankt er sich erstmal dafür, dass die Nordrhein-Westfalen Bayern unterstützt habe als es noch nicht so prosperierend war wie heute.

Kramp-Karrenbauer erzählt, dass sie als 16-Jährige ihre französische Brieffreundin in Calais besucht habe. Ihr Vater habe ihr erzählt, dass er auch einmal dort gewesen sei – als Wehrmachts-Soldat. „In einer Generation sind aus Feinden Freunde geworden. Das ist für mich ein Wunder“, sagt sie.

Neben der Aktion Gemeinsamkeit ist es auch der Versuch, die oft als dröge verschrieene Europapolitik zu einer emotionalen Sache zu machen. Merkel erwähnt Kramp-Karrenbauer nebenbei als „unsere Bundeskanzlerin“, die schwere Herausforderungen wie die Euro-Krise gemeistert habe.

Eine Rede gibt es dann doch noch. Spitzenkandidat Manfred Weber legt ein Strahlen auf sein Gesicht und bebende Begeisterung in seine Worte. Mehr Sicherheitspersonal an den Außengrenzen der EU, Reduzierung europäischer Vorschriften und eine Forschungsinitiative zur Heilung von Krebs sind seine Themen. „Bravo“, ruft ein Zuschauer beim Thema Krebs. Die Union müsse nun „Reinkommen in die Offensive, ins Frohsein, dass wir Europäer sind“, wirbt Weber. Er hat in der CSU stets auf Streitmäßigung gedrungen und gibt nun den Ton an, zumindest fürs erste.

Wer fast vergessen wurde

Zum Schluss drücken Kramp-Karrenbauer, Weber und Söder gemeinsam auf einen großen roten Knopf – der symbolische Wahlkampfstart. Am 26. Mai könne man „nur eine Partei“ wählen, sagt sie: „,Die CDU – auf welcher Ebene auch immer.“ Sie blickt auf Söder. „Und die CSU, genau“, ergänzt sie eilig.

Von Daniela Vates/RND

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