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Deutschland / Welt Chef der pakistanischen Taliban ist tot
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16:26 07.08.2009
Zerstörte Häuser von Mehsud-Anhängern Quelle: Muhammad Kashif, afp
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Entsprechende Informationen aus Taliban-Kreisen seien nach seinem Wissen zutreffend, sagte der pakistanische Außenminister Shah Mahmood Qureshi am Freitag. Mehsud war demnach am Mittwoch bei dem Angriff einer US-Drohne auf das Haus seines Schwiegervaters in Süd-Waziristan ums Leben gekommen.

Am Donnerstag hatte zunächst ein US-Vertreter gesagt, es gebe „Gründe zu glauben, dass Mehsud tot sein könnte“. Pakistans Innenminister Rehman Malik sagte daraufhin am Freitag dem Fernsehsender Geo, aus Taliban-Kreisen sei verlautet, dass Mehsud tot sei. Es gebe aber keine belastbaren Beweise dafür. Außenminister Qureshi sagte später in Islamabad, nach seinen Erkenntnissen stimme die Nachricht von Mehsuds Tod. „Aber um hundert Prozent sicher zu sein, müssen wir das vor Ort prüfen.“

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Mehsud kam den Angaben zufolge ums Leben, als eine US-Drohne am Mittwoch das Haus seines Schwiegervaters in der Region Laddah in den an Afghanistan grenzenden Stammesgebieten beschoss. Pakistanische Sicherheitskräfte hatten danach bereits mitgeteilt, dass bei dem Angriff Mehsuds Frau getötet worden sei.

Mehsuds Organisation Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) gab zunächst keine Stellungnahme zu den Meldungen ab. Ein Taliban-Mitglied kündigte lediglich an, dass noch für Freitag ein Treffen von TTP-Kommandeuren geplant sei. Anschließend werde es es eine „wichtige Mitteilung“ geben.

Mehsud hatte im Sommer 2007 die Führung der pakistanischen Taliban übernommen. Nach der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad zur gleichen Zeit begann in Pakistan eine Welle von Anschlägen mit etwa 2000 Todesopfern, für die die Behörden größtenteils Mehsud und seine Kämpfer verantwortlich machten. Dazu zählte auch der Mord an der früheren pakistanischen Regierungschefin Benazir Bhutto Ende 2007. Mehsud wurde daher zum meistgesuchten Mann in Pakistan. Die US-Regierung warf ihm vor, das Terrornetzwerk El Kaida zu unterstützen. Im März setzte sie den TTP-Chef auf ihre Liste der wichtigsten Terrorverdächtigen und setzte auf ihn ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar (3,5 Millionen Euro) aus.

Mehsuds Tod wäre für die pakistanischen Taliban ein schwerer Schlag. Für die USA wäre er eine Rechtfertigung für ihre eigenmächtigen Drohnenangriffe in Pakistan, die bei der Regierung in Islamabad mehrfach auf Widerstand gestoßen sind. Die pakistanische Armee hatte sich zuletzt nicht so stark der Bekämpfung der TTP gewidmet, weil sie im Swat-Tal eine Offensive gegen die dortigen Taliban führte.

Die USA verstärkten hingegen in den vergangenen Wochen ihre Bemühungen, Mehsud aufzuspüren. Bei US-Drohnenangriffen wurden mehr als 150 TTP-Anhänger getötet, seitdem wurden in Pakistan kaum noch Selbstmordattentate verübt. Der US-Gesandte für Pakistan und Afghanistan, Richard Holbrooke, sagte bei einem Besuch in Islamabad Ende Juni: „Baitullah Mehsud ist eine der gefährlichsten und abscheulichsten Personen der Region und die USA haben ihm bis vor kurzem nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet.“

Mehsuds Tod werde bei den pakistanischen Taliban wohl eine schwere „Führungskrise“ auslösen, sagte der pakistanische Experte für die Stammesgebiete, Rahimullah Yusufzai. Als Mehsuds Nachfolger wurden unter anderem Waliur Rehman sowie Azmatullah und Haimullah Mehsud gehandelt.

afp

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