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Deutschland / Welt Deutsche Katholiken hoffen auf das Wunder von Rom
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15:32 10.03.2013
Die Kardinäle versammeln sich zum Konklave.
Die Kardinäle versammeln sich zum Konklave. Quelle: dpa
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Köln

Früh morgens im Kölner Dom. Vor einem Meer von Kerzen kniet eine weißhaarige Frau in einer Kirchenbank und betet mit gefalteten Händen. Am Ende bekreuzigt sie sich, steht mühsam auf, greift nach ihrer Krücke und strebt humpelnd dem Ausgang zu. Verfolgt sie die Wahl des neuen Papstes? „Ja“, sagt sie, „wir hoffen alle, dass wir einen kriegen, der das gut macht. Der ein bisschen aufgeschlossener ist.“

„Ein bisschen aufgeschlossener“ - genauso dürfte sich die große Mehrheit der deutschen Katholiken den Nachfolger von Benedikt XVI. wünschen. Ein bisschen aufgeschlossener gegenüber Frauen, Geschiedenen, Schwulen, Protestanten. Eine Sinus-Studie hat kürzlich gezeigt, dass gerade engagierte Katholiken sehr an der Weltabgewandtheit ihrer Kirche leiden.

Der Theologe Hans Küng erhofft sich einen Papst wie Johannes XXIII., der das Zweite Vatikanische Konzil einberief und damit in den 60er Jahren eine Rundumerneuerung der ältesten und mitgliederstärksten Organisation der Erde einleitete. Dass es tatsächlich so kommt, würde allerdings an ein Wunder grenzen, da in den letzten Jahrzehnten fast nur Konservative zu Kardinälen ernannt worden sind. Wobei für Katholiken Wunder ja durchaus im Bereich des Möglichen liegen.

Innerhalb der Weltkirche sind die deutschen Katholiken als aufmüpfig bekannt. Ihnen wird vorgehalten, immer nur sich selbst zu sehen. Die Gläubigen in den großen Wachstumsgebieten der Kirche - in Südamerika, Afrika und Asien - legten im Gegensatz zu den Deutschen großen Wert auf die Reinheit der Lehre.

Doch sind die Deutschen wirklich isoliert? Der Priestermangel ist weltweit ein Problem. „Genauso die Rolle der Frau. Eine moderne Frau tut sich schwer, ihren Platz in der Kirche zu finden“, sagte der Vatikan-Beobachter Marco Politi kürzlich in einem „SZ“-Interview. „Das sind nicht nur deutsche, das sind allgemeine Probleme!“

Es gibt aber auch in Deutschland einen konservativen Flügel der Kirche. Dessen Vertreter lehnen eine Abschaffung des Zölibats - der priesterlichen Ehelosigkeit - oder die Frauenpriesterschaft entschieden ab. Der Journalist Matthias Matussek wünscht sich einen Papst, dem es gelänge, „mit Humor und Witz diesen trivialen Lärm zu beenden, der in Deutschland regelmäßig um die Selbstverständlichkeiten Zölibat und Männerpriestertum ausbricht, und zwar ein für allemal“.

Matussek will eine Fortsetzung der von Benedikt XVI. eingeleiteten „Respiritualisierung der Kirche“. In seinem Buch „Das katholische Abenteuer“ schildert er, wie er sich als Kind am Ostersonntag vor den Fernseher kniete, um über den Bildschirm den Papstsegen „Urbi et Orbi“ zu empfangen. Viele haben dieses katholische Nachkriegsmilieu als bedrückend empfunden, anderen hat es ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Sie sträuben sich nun gegen Veränderungen. Eine weihrauchbereinigte Kirche mit verheirateten Pfarrern, Bischöfinnen und flachen Hierarchien gebe es doch längst, sagen sie: Dafür kann man zu den Protestanten gehen.

Eine Forderung haben progressive und konservative Katholiken gemeinsam: die Reform der Kurie, des kirchlichen Regierungsapparats im Vatikan. Die Kurie ist durch Skandale („Vatileaks“) und Amtsmissbrauch in Verruf geraten. Eines ist indessen schwer vorstellbar: Ein Papst, der einerseits im Vatikan mit harter Hand durchgreift und andererseits liberal in der Lehre ist. „Das“, so sagt der Religionssoziologe Franz-Xaver Kaufmann, „wäre wie eine eierlegende Wollmilchsau“.

Bestsellerautor Manfred Lütz („Gott“) will sich deshalb überhaupt nicht festlegen, was der nächste Papst tun und lassen soll. Er sagt: „Ich will einen Papst, der mich fruchtbar irritiert.“ 

Eine Grafik rund um die Wahl des neuen Papstes finden Sie hier.

dpa

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