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13:22 01.02.2011
Demonstranten versammeln sich am Dienstag auf dem Tharir-Platz in Kairo. Quelle: dpa (Archiv)
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In Kairo marschieren die Massen gegen Mubarak: Am Dienstagvormittag versammelten sich mehrere hunderttausend Menschen zum friedlichen Protest auf dem zentralen Tahrir-Platz und den angrenzenden Straßen. In Sprechchören und auf Transparenten verlangten sie erneut den Rücktritt von Staatspräsident Husni Mubarak. Die Opposition will am achten Tag der Proteste eine Million Menschen auf die Beine bringen, um Mubaraks Rücktritt zu erzwingen. Nach Informationen des Senders Al-Dschasira war dieses Ziel bereits am Mittag erreicht. Die Bundesregierung rät dringend von Reisen nach Ägypten ab. Das betreffe auch die Urlausbgebiete am Roten Meer, sagte eine Sprecherin der dpa.

In Kairo zeigte die Armee Präsenz, ohne die Proteste zu behindern, berichtete ein dpa-Korrespondent. Parallel zu der Massenkundgebung versammelten sich auch Anhänger des Staatschefs. Etwa 2000 Teilnehmer riefen „Ja zu Mubarak, Nein zu Demonstrationen und Sabotage“. Zusammenstöße mit den anderen Demonstranten gab es zunächst nicht, die Stimmung war aber sehr aufgeheizt, wie eine dpa-Reporterin berichtete. Einzelne Männer versuchten immer wieder, Streit anzuzetteln. Das Militär zog Unruhestifter und mutmaßliche Kriminelle aus dem Verkehr. Der Sender Al-Arabija berichtete, aus Geschäften seien Armeeuniformen gestohlen worden.

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Neben den Bahnlinien nach Kairo sollen auch wichtige Straßen in die Hauptstadt blockiert sein. Das meldete die BBC unter Berufung auf Sicherheitskreise. Eine Anreise nach Kairo mit dem Auto wird immer schwieriger, da das Benzin immer knapper wird. Vor den Tankstellen bildete sich am Dienstag lange Schlangen.

An den Eingängen zum Tahrir-Platz kontrollierten Zivilisten Ausweispapiere und durchsuchten die Teilnehmer. Auffällig war, dass unter den Demonstranten deutlich mehr Vertreter der Muslimbruderschaft zu sehen waren als in den vergangenen Tagen. Ein Vertreter der islamistischen Organisation sagte einer dpa-Reporterin: „Wir sind eine gut organisierte Bewegung. Es wird Zeit, dass auch wir auf diesem Platz reden dürfen.“ Die Muslimbrüder sind in Ägypten offiziell verboten, haben aber viele Anhänger. Sie könnten an einer neuen, von der Opposition gebildeten Regierung beteiligt sein. Im benachbarten Israel wird das mit großer Sorge beobachtet.

Um die Demonstranten weiter zu blockieren, will die Regierung die Kommunikation erschweren und nach Medienberichten das Mobiltelefonnetz kappen. Ein weiterer ägyptischer Internetprovider, die Noor Group, sei am Montagabend von Netz genommen worden. Das teilte Renesys mit, ein amerikanisches IT-Unternehmen aus New Hampshire, das für Internet-Anbieter die Sicherheit und die Infrastruktur des Netzes überprüft. Das sei der letzte Internetprovider gewesen, der funktioniert habe, hieß es in einem Medienbericht.

Im Vorfeld der Massendemonstration signalisierte das Militär, dass es nicht auf friedliche Demonstranten feuern werde. „Wir erkennen die Legitimität der Forderungen der Bürger an“, hieß es in der Erklärung der Militärführung, die am Montagabend veröffentlicht wurde. „Wir werden keine Gewalt gegen die Bürger einsetzen.“

Die Vereinten Nationen gehen von deutlich mehr Todesopfern bei den Unruhen in Ägypten aus als bisher bekannt. „Unbestätigte Berichte sprechen von bisher 300 Toten und mehr als 3000 Verletzten“, sagte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, am Dienstag in Genf. Die Entwicklung sei besorgniserregend. „Die Behörden haben die eindeutige Verpflichtung zum Schutz der Bevölkerung, einschließlich ihres Rechtes auf Unversehrtheit, der Versammlungs- und Meinungsfreiheit“, mahnte Pillay.

Auch am Dienstag organisierte die deutsche Botschaft in Ägypten wieder die Ausreise von Bundesbürgern. Augenzeugen berichteten, in Kairo seien Busse mit 150 bis 200 Menschen zum Flughafen gestartet, die noch im Laufe des Tages ausgeflogen werden sollten. In Alexandria sollten 120 Ausreisewillige zum Flughafen Borg Al-Arab gebracht werden

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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